In der vorletzten Saison hat es Thomas Schaaf, mit der Umstellung von einer Raute zu einer Doppelsechs, hinbekommen die Defensive zu stabilisieren. Es gab sogar mal eine Serie von ca. 6-8 Spiele ohne Gegentor in Folge.
Ja, daran erinnere ich mich auch. Das war mit Abstand der intelligenteste und beste Fussball der Ära Schaaf.
Ich spreche Schaaf zu, dass er die Truppe animieren kann, sich auf ihren Job zu konzentrieren, was solche Spiele über einen Zeitraum erklärt. Ebenso wie letzte Saison die vier, fünf Partien nach dem HSV-Desaster. Aber eben nur das. Denn andererseits fehlt mir da eine nachvollziehbare Richtung, also eine, die über Grundtugenden wie Einsatzbereitschaft, Einstellung, professionellem Verhalten hinausgeht.
So erklären sich auch die regelmäßigen, schnellen Rückfälle in alte Muster, nämlich dann, wenn es
die Mannschaft nicht mehr für nötig erachtet und in einen Trott der Selbstgefälligkeit zurückfällt. Denn ich glaube nicht, dass das von TS ausgeht. Der wird nicht fordern, dass die Spieler alte Fehler neu machen. Gleichzeitig zeigt das doch aber, wie viel von den Spielern selbst ausgeht. Du siehst doch immer wieder, dass die Dinge erst flutschen, wenn die Mannschaft in laufender Saison Erfahrungswerte sammelt, sich also selbst initiiert. Daher auch die kontinuierlichen Fehlstarts.
Schaaf hat eine Spielidee, die auf dem Rasen deutlich zu erkennen ist, alles weitere lässt er sich selbst entwickeln und greift nur im äußersten Notfall ein, aber dann eben auch nur in der Form, an die Ehre zu appellieren.
Die Frage ist, ob das heute noch reicht.
Kommst Du bei dieser Entwicklung des Fussballs der letzten Jahre mit einer Ansammlung von talentierten Individualisten gegen mittelmäßige, aber gut organsierte Systemspieler an? Ohne Effizienz der Laufwege und Ökonomie der Raumaufteilung? Normalerweise bist Du da immer unterlegen, solange diese Defizite nicht durch permanentes Hinterherrennen und Gegenanrennen kompensiert werden. Aber wer schafft das? Ohne intelligente Leute, die dieses Chaos zumindest einigermaßen zu ordnen in der Lage sind (Baumann, Ernst, Micoud) kommt die große, systemimmanente Schwäche Werders unter Schaaf voll zum Tragen. Beispiel Ekici in Heidenheim: Nach seiner Hereinnahme war doch klar zu sehen, wie er die Leute gesucht, aber kaum einen gefunden hat, weil sich wiedermal keiner freizulaufen wusste, die Mitspieler ihre Wege schon untereinander nicht kannten usw.
Ausserdem werden Spieler verbrannt, ohne sie zu entwickeln. Denn Schaaf entwickelt mMn Spieler nicht weiter, er holt meistens das Optimum aus vorhandenen Fähigkeiten und Talent raus. Aber das ist ein Unterschied. Und diese mangelnde Weiterentwicklung zeigt sich nicht zuletzt, wenn diese Spieler Werder verlassen und anderswo aufgrund mässiger spieltaktischer Weiterbildung untergehen. Nebenbei erwähnt könnte dies auch ein Grund sein, warum wir mittlerweile unsere Spieler kaum noch verkauft bekommen. Die Konkurrenz ist nicht blind, die verpflichten nicht mehr Spieler, bei denen davon ausgegangen werden kann, dass sie taktisch erhebliche Defizite aufweisen.
Die Voraussetzung das wieder zu schaffen ist es, dass man eine eingespielte Mannschaft hat.
Letztes Jahr war das die komplette Saison über nicht gegeben, weswegen wir auch soviele Gegentore kassiert haben. Solange das Pech mit den Verletzungen andauert, solange werden wir auch wieder viele Gegentore kassieren. Dieser immens entscheidender Faktor hat nicht Thomas Schaaf zu verantworten, und darf deswegen nicht kritisiert werden.
Falsch. Wir haben viele Gegentore kassiert, weil wir weiter so agiert haben, als wäre die Truppe eingespielt, als würden wir den Gegner spielerisch bezwingen können, so als wären alle Verletzten an Bord. Übrigens, lag es dann wohl stets an den vielen Verletzten, denn Gegentore in Fülle haben wir immer schon bekommen.
Ekici und Pizarro waren geplant als Gerüst für die Offensive, und genauso wollte Schaaf so schnell, wie nur möglich, zwei gesunde Bundesligataugliche Innenverteiger als Gerüst für die Defensive. Das war aber, durch Verletzungen bzw. späten Verpflichtung, nicht gegeben. Was kann Thomas Schaaf dafür?
Ja, dass Ekici, Pizarro + eine eingespielte Truppe Schaaf entlasten werden, glaube ich auch.
Andererseits fand ich interessant zu sehen, wie ein kurz zuvor neuverpflichteter Grieche derjenige mit den wenigsten Fehlern auf dem Platz war und das beste Defensivzweikampfverhalten an den Tag legte. Der war halt noch nicht angesteckt und verunsichert vom üblichen Defensivverhalten unserer Mannschaft.
@Sofatester
Du sagst es selbst "konnte den Hebel nicht mehr umlegen" Das ist der Punkt.
Was mich auch stört, ist immer wieder das Gerede von Einstellung oder satten Profis. Was hier Einstellung genannt wird, kommt bei mir eher als um sich greifende Hilf- und Ratlosigkeit rüber.