Doch. Als die Mannschaft im 4-5-1 kompakter stand, ist Naldo auch mal rausgerückt wie vorm 0:1 gestern, aber ein DM eingerückt. Oder dass überhaupt nur zwei Stürmer den aufrückenden IV abdecken müssen, weil ansonsten ausser ihnen noch drei, vier stellungs- oder kopfballschwache Offensivleute aufgeboten sind, die den Job ebensowenig erledigen können und die anderen alle Hände voll zu tun haben, dass ganz nebenbei das Übergeben in keinster Weise klappt, spricht doch ein beredtes Urteil. Ich bin zwar auch der Meinung, dass ein Trainer solche individuellen Fehler kaum verhindern kann, allerdings kann er sehr wohl die Folgen derer minimieren - sei es durch ein kompakteres System, sei es durch klarere Zuordnungen und Absprachen, sei es durch mehr Quantität an Spielern auf dem Platz, die begabter sind, wenn es um`s Verteidigen geht, sei es durch konsequentere Gegneranalyse (so ein Tor wie das 1:0 hat der BVB in der Entstehung in dieser Spielzeit schon oft gemacht).
Ich habe die Spiele vom BVB in dieser Saison nicht verfolgt und kann da eigentlich wenig zu sagen. Vielleicht drücke ich das jetzt ein bißchen zu banal aus, da ich nicht das taktische Verständnis habe, welches Du an den Tag legst, aber ich finde es nicht unbedingt schlimm oder erstaunlich, wenn man nicht verhindern kann, dass ein derzeit sehr gut spielender Bundesligaverein, der auf Platz 4 der Tabelle steht, es schafft, eine gefährliche Flanke in unseren Strafraum zu schlagen. Da regt mich mehr die Art und Weise von Fritz auf, wie der seit Jahren bei hohen weiten Bällen auf seine Seite versagt. Man kann ja fast schon immer damit rechnen, dass er unter dem Ball hindurchsegelt, auch das werden seine Gegenspieler wissen. Da würde ich eher mal Kritik ansetzen (ja, auch Kritik an TS, dass er es nicht schafft, diese Dinge zu verbessern).
Sehe ich komplett anders. Genau dieses eindimensionale Denken ist es doch, wodurch sich Werder immer wieder selbst ins Knie schießt. In Hamburg beginnen wir durch den Ausfall der beiden AV`s mit Prödl rechts hinten gegen die zu diesem Zeitpunkt schon Wochen vorher überragende linke HSV-Seite mit Jansen und Elia. Prödl hatte keinerlei Spielpraxis. Die Quintessenz: Zwei Gegentore und weitere vier HSV-Chancen über diese Seite nach nur einer halben Stunde. Kurz vor der Halbzeit revidiert TS seinen (vorhersehbaren) Fehler....
Gestern reagieren wir auf entsprechende Ausfälle damit, dass wir noch mehr physische Präsenz aus dem Team nehmen und das Heil in der Offensive suchen. Ergebnis absehbar....
Ich meinte im Übrigen: Jensen als einzige Alternative für das DM. Und ich hatte bereits geschrieben, dass ich nicht glaube, dass das gestern mit einem 4-5-1 besser ausgesehen hätte, trotz Jensen als zweiten DM, da Özil-Hunt-Marin vorne trotzdem zu wenig nach hinten getan haben. Es kotzt mich z.B. immer an, wenn ich sehen muss wie ein Özil vorne stehen bleibt und Pizza dafür weiter nach hinten rennt und dessen Zweikämpfe übernimmt. Dafür fehlt er dann komplett vorne und wir spielen quasi mit gar keinem Stürmer (Marin mal nicht als echten Stürmer betrachtend). Was am Sinnvollsten gewesen wäre Samstag denke ich mal wäre die Raute mit Jensen statt Özil gewesen. Aber da bleibt weiterhin mein Hinweis auf die Glaskugel.
Es geht nicht darum, den nächsten 1 zu 1 Nachrücker, der gerade da ist, zu bringen. Das ist so ausrechenbar wie der Umstand, dass es jeden Morgen hell wird. Es geht darum, im System variabel so zu reagieren, dass die Ausfälle am besten abgefedert werden können.
Denn was passiert woanders: Magath fällt Jones zu Saisonbeginn als wichtiger Baustein aus, er reagiert, bringt Rafinha als Unterstützung in der Doppelsechs, baut dazu mit Mineiro entsprechende Erfahrung, was sich gut ergänzt, danach mal mit Moritz und Westermann als einrückende Halbpositionen zur zusätzlichen Unterstützung, besetzt den RV anders. Variiert später wieder, als sich der junge Matip stabilisiert.
Klopp fällt Bender als wichtiger Stabilisator aus, es setzt zwei Niederlagen, er stellt daraufhin im System um, zieht Großkreutz defensiver und lässt eine weniger offensiv besetzte Dreierreihe agieren. Gewinnt danach wieder. Nach der Rückkehr Bender`s die Rückkehr zum alten System.
Uns fehlten Samstag drei Spieler, die einen wichtigen Part im DM übernehmen können. Auch, wenn Boro vielleicht nicht so gut drauf ist. Du sprichst hier von Ausfällen einzelner Spieler und längeren Saisonverläufen *). Ich rede nur von Samstag. Daher denke ich auch, dass das hier:
Es gibt natürlich Optionen, die Werder auch hätte, wenn Schaaf wollte. Warum nicht Naldo vorziehen und Prödl oder Petri innen verteidigen lassen, dafür auf den AV Boenisch bringen oder Petri dort lassen? Oder eine Dreierkette hinten mit einer flachen Vier davor, die defnesiv arbeitet? Mir kann keiner erzählen, dass BVB oder S04 bessere personelle Alternativen haben.
..Quatsch ist. Zumindest auf Samstag bezogen. Weder hat Naldo bei uns jemals im DM gespielt, noch ist bei uns eine Dreierkette eingespielt (vielleicht mal aus der Not bei Rückständen oder so). Als Alternativen für längere Ausfallzeiten eines oder mehrerer wichtiger Spieler vielleicht. Aber ich weiß persönlich gar nicht, welche Optionen TS da schon einstudiert hat.
Tja leider ist es aber das, was wir seit Jahren erzählen. Individuelle Fehler, Verletzungen, fehlende Erfahrung, Pech.... Das kann tatsächlich ein Grund sein - vielleicht für eine Saison. Mittlerweile ist mir das jedoch zu hanebüchen. Dann könnten wir sämtliche Gegentore als individuelle Fehler deklarieren, die nicht vermeidbar sind, dann würde sich die Arbeit aller Trainer auf Physis und Einstellung beschränken (wobei bei uns ja selbst letzteres ein Problem ist).
Oder wusste Schaaf nicht vorher, dass ein MF-Trio Hunt, Marin und Özil gerade nicht seine Stärken in Raumaufteilung, Spiel gegen den Ball und Zweikampfstärke hat? Die Spiele gegen Schalke, in HH, in Frankfurt, in Enschede, in Gladbach und Dortmund waren allesamt genau genommen Pech, fehlende Erfahrung und Abschlussschwäche. Und zwanzig, dreissig Spiele in den letzten vier, fünf Jahren ebenso. Glaubst Du, dass es immer nur daran lag?
Nein. Dass es früher Fehler gab, bei denen uns z.B. die zu offensive Ausrichtung leichtfertig Punkte gekostet hat, bestreitet kein Mensch. Nur denke ich und scheinbar auch einige andere User, dass diese Fehler mittlerweile größtenteils abgestellt wurden. Ich habe selbst in der Saisonvorbereitung, als nicht wenige nach einer Raute Frings-Hunt-Özil-Marin geschrien haben gesagt, dass die zu offensiv ist. Ich sage nun aber: Samstag gab es nicht viele andere Möglichkeiten. Und da regt es mich persönlich fürchterlich auf, dass die Spieler es nicht schaffen, mal wenigstens ein Spiel auf ihre Zauberkünste zu verzichten und mal ein bißchen zu beißen. Özil kann beißen, Hunt auch. Marin weiß ich nicht. Die können gerne wieder zaubern, wenn defensiv eine gute Absicherung da ist, aber wenn es mal nicht anders geht, dann müssen sie halt auch mal in den sauren Apfel beißen. Warum klappt das nicht? Warum muss ich jetzt wieder auf der WOL-Seite lesen "Wieder erst mit Messer an der Kehle gekämpft"? Ich lese mir den Artikel gar nicht erst durch, ich kann es nämlich selbst nicht mehr hören. Und dass ich jemand bin, der da die Spieler gerne mehr in die Pflicht nimmt als den Trainer, das habe ich schon ganz oft hier geschrieben, und davon rücke ich auch nicht ab. Ich will TS dadurch gar keinen Freifahrtsschein erstellen - denke aber, dass die Herren auf dem Feld selbst wissen sollten, wie sie am besten umsetzen, "was der Trainer ihnen mitgegeben hat" (wie einer der Spieler wohl hinterher gesagt hat). Die Herren wollen CL spielen - dann sollen sie sich den Ups, ich muss meine Wortwahl ändern
dafür aufreißen und nicht die Schultern hängen lassen, um dann am Ende der Saison zu einem Verein zu wecheln, weil sie ja "CL spielen wollen". Was sie bei uns hätten tun können, mit ein bißchen mehr Einsatz.Nachtrag zu *):
Sind das vielleicht halt auch Phasen in den Saisonverläufen der anderen Teams, die dazu führten, dass diese Mannschaften jetzt noch nicht mit 6 Punkten oder mehr auf Platz 1 stehen bzw. schon locker die CL Quali erreicht haben? Da läuft eben auch nicht alles optimal, genau wie bei uns.

