...........Aber kann man denn wirklich aus allen Spielen zu dem Schluss kommen, dass TS sich nicht auf die kommende gegnerische Mannschaft einstellt?
Gut das Du diese Frage stellst, so kann das geklärt werden.
Nein ganz sicher ist das nicht so. Sicher wird TS, eine solche Einstellung vornehmen. Ich zweifle von vornherein nicht mal an, das er das gut macht.
Nur ist es eben so, dass Werder (auch das kann man grundsätzlich gut und richtig finden) grundsätzlich versucht, das eigene Spiel durchzubringen und damit umgekehrt den Gegner damit daran hindern will, dasselbe mit seinem Spiel zu tun.
Gegen reaktive Gegner wie Augsburg, die auch zu Hause nicht unbedingt nach Dominanz streben ist es aber eben wichtig, die eigenen Schwächen gut abzudecken um dem Gegner nichts anzubieten.
Hier und in der grundsätzlichen Ausrichtung des Werder-Spiels liegt das Problem: Das gerade dann, wenn der Spielaufbau nicht gut genug gestört wird, typischer Weise mehrere große eher zentral liegende Löcher entstehen und dann, wenn der Gegner diese Räume richtig bespielt, das Stopfen solcher Löcher entweder mit dem Aufreissen anderer Löcher oder mit ungeordnetem Stellungsspiel einhergeht.
Alles Dinge, die man nun in den vergangenen Spielen so oft beobachten konnte, dass Fehler einzelner Spieler als Ursache ausgeschlossen werden können und alles Dinge, die eben dazu führen dass man nicht rechtzeitig oder gut genug in die Zweikämpfe kommt.
Ähnliches beim Stellungsspiel: Die neue Spielweise hat dafür gesorgt, dass der vorher (Raute-Zeit) oft viel zu wenige Platz nun vorhanden ist, das Spiel ist gleichzeitig breiter und gestreckter, nur eben werden dadurch auch die Räume für den Gegner größer und dann ist es wahnsinnig schwierig, das ohne eng abgestimmtes Verhalten, abgestimmte Laufwege, das Bilden von Ketten oder Riegeln am Ende jeder seine Aufgabe erfüllt, richtig im Raum steht und dann noch weiß, was der Nebenmann macht.
Je mehr also die vorgegebene Ordnung Vorteile hat und Möglichkeiten eröffnet, um so größer sind auch die Aufgaben für jeden einzelnen Spieler, um so mehr Mühe macht es, gleichzeitig auf sich selbst und die Laufwege der Mitspieler zu achten und dann rechtzeitig die Aktion mit oder gegen den Ball zu machen.
Das ist einfacher, wenn man Teil eines einstudierten Riegels oder einer Kette ist und das ist einfacher, wenn der zu bearbeitende Raum kleiner ist.
Daher kam doch das ganze Gerede mit dem Zauberwort "Kompaktheit".
Werder war zuletzt an dieser Kompaktheit von Gegnern oft gescheitert und fraß zu viele schnelle Kontergegentore.
TS schafft es mit hoher taktischer Finesse jetzt, dieser zB. noch letzte Saison zu bewundernden "Raumarmut" des Werderspiels erfolgreich entgegen zu wirken. Wir haben wieder viel mehr Räume. Aber der Nachteil ist eben, dass es an einem Defensivspiel fehlt, dass bei Ballverlust dem Gegner die offen stehenden Räume zuverlässig wieder dicht macht.
Die Erfahrung dieser Saison zeigt (wieder einmal) das die Mannschaft in defensiver Hinsicht vor zu große Aufgaben gestellt wird und das es im Wesentlichen den individeullen Aktionen überlassen bleibt und es an einem geschulten kombinierten Positionsspiel mehrerer Spieler bzw. Spielergruppen fehlt.
Dieses ist, wie man nach den Äußerungen von TS und den Eindrücken dieser Saison folgern muss auch gar nicht gewollt, offenbar weil die Konzentration auf dem eigenen Spiel liegen soll.
Der Fehler liegt also in der grundsätzlichen Konzeption, die bessere individuelle Spieler oder zumindest eine langjährig eingespielte Mannschaft mit viel Erfahrung in diesem System zwingend erfordert, um damit durchzukommen.
Nun deuten ja einige Äußerungen von KA und auch TS daraufhin, dass man genau dies anstrebt: Weiter diese Grundordnung zu spielen, über längere Zeiträume der Mannschaft mehr Routine damit zu geben und Stück für Stück dem Kader auch wieder mehr individuelle Qualität zu geben.
Das ist in meinen Augen aber der falsche Ansatz: Denn man muss mit aktuell ca. 13,7 Mio € Verlust ja schnell wieder an die Euro-Futtertöpfe, selbst diese junge unerfahrene Mannschaft ist für Werder ohne das Erreichen von Platz 5 auf Dauer nicht bezahlbar. Man hat also kurzfristig weder Geld für weitere Verstärkungen, noch kann man es sich leisten, ein paar weitere Jahre mit diesem Spielsystem auf den Plätzen 8-11 zu landen, bis es irgendwann mal funktioniert.
Überhaupt ist weiter mit einem sehr schnelllebigen Geschäft zu rechnen. Das wird es ziemlich unmöglich machen, eine junge Mannschaft über Jahre zusammen zu halten und sie dieses System so lange "inhalieren" zu lassen, bis es evtl. irgendwann mal oft genug klappt.
Man hat ja jetzt schon gute Spieler wie de Bruyne und Petersen, die nur für diese Saison ausgeliehen sind und die gar nicht oder schwer weiter zu verpflichten sind. Nächste Saison sind die finanziellen Zwänge ohne Quali für die Euro League (niemand redet mehr von CL-Quali) nach dem diesjährigen Verlust noch größer.
Woher sollen dann weitere qualitative Verstärkungen kommen, um das schwierige Gesamtkonzept von TS erfolgreich spielen zu können ?
Daher: Vom Grunde her falscher Ansatz, den Umbruch anzupacken.
Wenn man mit Reitern auf Pferden und gezogenem Säbel eine Kompanie Panzer angreift, dann wird es nicht viel helfen, schnellere Pferde, längere Säbel oder bessere Reiter einzukaufen. Die Aufgabe wird zu schwierig.
Man müsste Panzer kaufen und den Reitern den Umgang damit beibringen.
Aber genau dieser Umbruch findet nicht statt. Wir haben tolle neue Pferde, eine neue Uniform, etliche neue Reiter, die untereinander bessere Stimmung haben. Und einen Trainer, der von den Reitern fordert, die Panzer besser zu attackieren. Es wird nicht viel helfen.