Das Gerede über die heutige Generation gibt es in jeder Generation....
Da hat sich wenig verändert.
Tatsächlich?
Also ich kenne regionale DFB-Stützpunkte und unterhalte mich öfter mit Übungsleitern, die dort tätig sind (zugegeben in den letzten 3-4 Jahren weniger) und da gibt es andere Meinungen. Zum Beispiel, dass die Burschen von heute in der Gesamtheit nur noch wenig mit denen zu tun haben, die in den 90ern da am Ball waren.
Wer sich an die Zeit Mitte der 90er an Sachsen-Anhalts Juniorenauswahlen mit Maltritz, Sandmann, Tiffert oder Maik Franz erinnert und das nur vergleicht mit der Zeit 2003-2005, der immerhin u.a. Leute wie Schmelzer, Petersen oder Schorch entsprangen, der wird feststellen, dass das schon etwas anderes war. Und heute ist`s noch extremer. Denen wird einerseits viel zu viel abgenommen, andererseits werden sie gewissermaßen entmündigt, wodurch sich Eigenständigkeit oder Selbstverantwortung nur rudimentär entwickelt.
Meinem persönlichen Empfinden nach konzentriert sich die überwältigende Mehrheit der jungen Spieler heute entweder viel zu sehr darauf, cool zu sein oder eben auf pragmatische Ein- und Unterordnung ins Team, aber weniger auf` s Besondere und setzt sich deshalb nicht selbstkritisch und konstruktiv genug mit den Erfordernissen ihres Berufs auseinander. Schaaf spricht doch immer und immer wieder davon, dass die "Klarheit" in den Aktionen fehlt, um die spielerische (und vermutlich auch taktische) Linie "durchzubringen". Da hat er vollkommen recht, die Frage stellt sich aber, ob es ausreichend angegangen wird, sowohl auf der mentalen Ebene, als auch in Bezug auf handwerkliches Rüstzeug. Vielleicht ist Schaaf in dieser Beziehung zu sehr Traditionalist und hängt Altbewährtem nach.
Und, @der_1910, da ändert eben auch die "heute im Jugendbereich umfangreichere und bessere Ausbildung" wenig dran. Wenn die Burschen das Prinzip nicht verstehen, muss es im Männerbereich weitergehen bzw. gefestigt werden. Sonst fehlt immer wieder die "Klarheit" in den Aktionen. Dabei fordert doch gerade Schaaf augenscheinlich, wie Du es detailliert beschrieben hast, Fussball für "Fortgeschrittene".
Die Kiebitze berichten ja ständig vom Training der Laufwege, Handlungsschnelligkeit, 5-gegen-2, Ordnung und Abstände in einzelnen Situationen. Physis. Alles gut und schön, nur fällt auf dem Rasen bspw. seit gefühlten Ewigkeiten auf, dass der druckvolle, punktgenaue 10-12m-Pass selten und dessen Verarbeitung vom Mitspieler noch weniger gelingt (was eine Folge davon sein könnte, dass Spieler nur lernen, Bälle auf kurzen Wegen prallen zu lassen, dafür aber kaum Ball-/ Pass-/ Schusstechniken?). Oder dass die Mannschaft eine gewisse Grundordnung scheinbar zwar halten will, aber oft nicht weiss, wie sie diese immer wieder erzwingen kann. Oder Werder`s Truppe überhaupt nicht in der Lage ist, Eigeninitiative zu entwickeln, wenn irgendetwas im Spiel schief läuft.
Und deshalb fragt sich doch der interessierte Beobachter, ob das dringend notwendige Handwerkszeug ein
wichtiger Teil der täglichen Arbeit ist oder es eher stiefmütterlicher Weise vorausgesetzt wird? Würde ich gerne mal wissen
Der äußere Eindruck, also die Spiele, bestätigen jedenfalls erstmal letzteres und zwar nicht erst seit gestern.
Dass die Truppe jedes Jahr einen gaaanz langen Anlauf braucht, bis die "Dinge" ineinandergreifen, sie sich also selbst einigermaßen initiiert, kommt von ungefähr? Und wenn jene Intuition gar nicht kommt, es auch nur ansatzweise in der Mannschaft nicht passt oder ein Hauch zu wenig Intelligenz auf dem Rasen steht, passiert sowas wie letzte Saison, 2009 oder Rückrunde 03.
Sogar Micoud war 2004 taktisch stärker als 2002. Nimm doch die aus dem aktuellen Kader, die ein paar Jahre hier sind: Fritz, Borowski, Hunt, Pizarro, Rosenberg, Naldo zum Beispiel. Die haben sich mit sicherheit taktisch nicht verschlechtert.
Von verschlechtert war auch nicht die Rede.
Hat sich Micoud mit 30 taktisch noch weiterentwickelt oder seine Erfahrung eingebracht und weitergegeben? Haben Fritz oder Boro ihre strategischen Schwächen jemals in der Form abstellen können, dass man es hätte Entwicklung nennen können? Oder Rosenberg? Inwiefern haben Naldo oder Pizarro ihr Spiel verändert?
Gegen Hamburg spielten sonderbarerweise mit Junuzovic und Trybull zwei Akteure am intelligentesten, die erst kurz da sind.
Zusammenfassend gesagt halte ich die Philosophie (a` la Karlotto "der Ideologe") nach dem Motto, die Jungs, die zu uns wechseln, sind auf hohem Niveau ausgebildet und müssen die Basics nicht mehr lernen bzw. werden ständig daran arbeiten, weil sie ja erwachsen genug sind, im Gegensatz zu vielen Leuten hier für eine Vorgehensweise, die nicht mehr mit der heutigen Entwicklung Schritt hält.