Denn es ging grade im Köln-Spiel darum, daß wir erst "Besser" wurden und quasi flüssiger spielten, als wir 2 Gegenspieler weniger hatten.
Das stimmt einfach so nicht.
Von Köln war bekannt, dass sie mit ihrer Viererkette statisch agieren, auf Doppelung der AV` s verzichten, die Mitte konsequent dichthalten und dass erst dann einer der zwei DM` s dem Aussen der Dreierreihe gegen den Ball Unterstützung bringt, wenn bspw. Diagonalpässe des Gegners eindeutig die Seite definieren, über die der Angriff gestartet werden soll. Weil das aber so noch nicht funktioniert, haben z. Bsp. Hertha, Dortmund oder Schalke die Kölner Systemschwäche genutzt und den FC über schnelles und konzentriertes Spiel über Aussen auseinandergenommen. Und selbst Augsburg hatte letzte Woche beim 0:3 auf diese Weise in Köln Vorteile und klarere Chancen erspielt als der Gastgeber, war aber individuell zu schwach und nicht abgezockt genug, um daraus Kapital zu schlagen. Im Übrigen ist die Entstehung zum 0:1 genau das, was Solbakken auf seiner Seite im System verhindern will, nämlich dass der kopfballschwächere AV in diesen Zweikampf gezwungen wird.
Werder hat es ignoriert und zunächst das genaue Gegenteil getan, stupide mit der Raute über das Zentrum und den Gästen in die Karten gespielt.
So sah das dann eben aus: Unpräzise Spieleröffnung über Wiese oder die IV mit halbgaren Pässen auf eine Halbposition oder durch die Mitte. Dort hatten Köln` s DM` s Lanig und Riether keine Probleme, immer wieder Ballkontrolle auszuüben, ohne selbst viel für den eigenen Aufbau tun zu müssen (was die glaub ich auch nicht können), indem sie nur den Abstand zur Viererkette und untereinander gering hielten.
Unsere AV` s hatten aufgrund des Kölner Systems viel Platz, was ihnen nicht viel nutzte, weil wie gehabt die Unterstützung/ Anspielstationen aussen fehlten, wodurch z. Bsp. Schmitz immer wieder den Ball über die Zwischenstation Mitte zu spielen versuchte, wo er erwartungsgemäß in der sauberen Staffelung der Kölner Zentrale verlorenging. Sokratis auf der anderen Seite versuchte den Raum mit von der Wucht getragenen Läufen zu nutzen, die meistens im Gegner endeten, weil der Weg zur Grundlinie zu weit (denn es fehlte ja auch hier die Unterstützung aussen) und der Pass-/Laufweg/ Anspielstation nach innen zugestellt wurde.
Wenn Du gegen diese Kölner Ordnung ankommen willst, dann brauchst Du entweder selbst eine starrere Systeminterpretation und eine ebenso gute Ordnung mit klaren Aufgaben (mal abgesehen davon, dass wir in der Hinsicht ohnehin per se fast jedem Gegner unterlegen sind), wodurch das
Spiel in die Breite unterstützt wird, oder schaffst es, mit schnellem Pass- und Positionsspiel die wenigen Lücken zu nutzen.
Das funktioniert aber mit unserer Raute in dieser Besetzung und Ausrichtung nicht.
Hunt ist in der Spielgestaltung dauerüberlastet, weil er erstens auf dieser Position viele Defensivaufgaben hat (die er daher vernachlässigen muss, was bspw. Schmitz teils überforderte), zweitens, weil Iggy und Fritz zwar sehr engagiert sowie lauf- und zweikampfstark auftreten, aber relativ phantasielos und ohne ersichtliche Strategie spielen. Und drittens ist Ekici als Anspielstation zu unbeweglich und als Verteiler behauptet er zu wenig Bälle in den wichtigen Momenten. Auf diese Art war "flüssiges Spiel" unmöglich, überhaupt Druck aufzubauen oder gar aufrecht zu erhalten.
Deswegen entwickelte sich das Spiel zunächst für Werder zu einer Farce und für Köln zu einem angenehmen Nachmittag.
Erst als TS ein Einsehen hatte, änderte sich das Bild. Schmitz erwischte einen schwarzen Tag. Ekici spielte in meinen Augen weder gut noch richtig schlecht, suchte aber zu oft den einen Schnörkel zu viel, um Platz zu schaffen, wodurch jedesmal noch zusätzlich Tempo verlorenging. Was aber besonders wichtig gewesen wäre, um die (statische) Kölner Ordnung auszuhebeln. Zudem war er wie gesagt in der Ballbehauptung zu schwach. Insofern Wechsel und Systemumstellung auf 4-3-3 folgerichtig.
Es war kein Zufall, dass Hunt danach von Minute zu Minute aufdrehte, weil Raum und Anspielmöglichkeiten entstanden, dass Pizarro plötzlich Platz bekam. Und zwar schon vor der Pause, auch das 0:2 konnte das nicht mehr aufhalten. Dass Köln bald den ersten Spieler nicht mehr auf dem Platz hatte, war für mich eher eine Folge des Bremer druckvollen Spiels.
Mit der gleichen Systemumstellung lief übrigens das Spiel in Augsburg in der Folgezeit gänzlich anders.