Viele unserer Gegentore nehmen ihren Anfang in einfachen Ballverlusten in der Vorwärtsbewegung. Da haben wir also quasi einen zwei Tore-Swing: Wir verlieren die Möglichkeit, ein Tor zu erzielen, und laufen Gefahr, eines zu kassieren.
Wenn wir uns da verbessern können, dann wären wir dem Ziel eines ausgeglichenen Torverhältnisses sicher deutlich näher und müssten nicht so viele Tore schießen, wie wir gerade kassieren.
Das ist ja grundsätzlich nicht falsch. Um das zu erreichen, müssten aber mehrere Akteure gleichzeitig ausgewechselt werden, der Zukauf nur eines defensiven Spielers (und nur darum kann es ja momentan gehen) würde das Problem aber wohl kaum beheben.
Angesichts unserer finanziellen Möglichkeiten, der aktuellen sportlichen Situation und der gemachten Erfahrung geht es aber derzeit um die Frage, in welchem Mannschaftsteil zuerst nachgebessert werden muss, also um die
Dringlichkeit.
Hier muss man feststellen, dass unser Offensivspiel nach den Abgängen Obraniaks, Elias und Petersens von wenigen erfahrenen Akteuren (di Santo, Bartels und als Verbindungsspieler Junuzovic, der ja kein echter Offensiver ist) abhängt., während in der Defensive mit Selassie, Fritz, Prödl, Galvez, Lukimya, Garcia, Bargfrede, Kroos gar ein Überangebot an erfahrenen Akteuren besteht. Man mag sich nicht ausmalen, was offensiv los ist, wenn nur einer der dort aufgezählten Spieler mittelfristig ausfallen würde.
Die Hinserie hat sehr eindrucksvoll gezeigt, wie wertvoll es auch für die eigene Abwehr und damit für die gesamte Mannschaft ist, wenn das Spiel weiter vom eigenen Tor weg nach vorn verlagert wird. Krasser könnte der Unterschied doch kaum sein als der, den wir zwischen der völlig auf Defensive ausgerichteten Spielweise unter Dutt während der ersten 9 Spieltage zu sehen bekamen und der, die Skripnik an den anderen 8 Spieltagen hat spielen lassen. Bei dieser Mannschaft kann es nur darum gehen, das Spiel möglichst oft, möglichst weit vom eigenen Tor fernzuhalten, den Gegner auch mal in der eigenen Hälfte zu beschäftigen, sich Chancen zu erarbeiten, die eine oder andere zu nutzen.
Es ist keinesfalls so, dass es unseren Youngstern Selke, Lorenzen und Öztunali nicht zuzutrauen ist. Aber, erwarten darf man dies von denen derzeit noch weniger als von Akteuren wie Elia, Petersen und Obraniak. Sie müssen die Zeit bekommen, sich zu entwickeln.
Es war angesichts derer zuletzt erbrachter Leistungen durchaus richtig, die drei Letztgenannten abzugeben, aber es muss aus oben genannten Gründen imho wenigstens ein etablierter Ersatz dafür her. Das erscheint mir wesentlich
dringlicher als unsere eh schon knappen Ressourcen derzeit für einen weiteren Abwehrspieler zu verwenden.
Aber diese Einschätzung der Dinge wird, wie Du hier lesen kannst, als "Vergießen von Krokodilstränen" abgetan. Wohl dem, der sich solche Argumentationsmuster leisten kann.
