Es ist nicht einfach, auf deinen Post einzugehen, ohne auf die einzelnen Teile zu antworten. Ich denke, wir sehen die gleichen Probleme: die einzelnen Spieler bringen nicht die Leistung, die man sich von ihnen erhofft hat, die Leistungskurve der meisten Spieler hat seit Saisonbeginn nach unten gezeigt, es werden unheimlich viele individuelle Fehler gemacht, die Mannschaft als solche funktioniert in Problemsituationen nicht und man ist nicht in der Lage, auf sich ändernde Situationen zu reagieren.
Sind wir da einer Meinung?
Ich denke, unsere Ansichten gehen auseinander, wenn es um die Bennenung der hauptsächlichen Ursachen für diese Probleme geht. Wobei du ja selbst schreibst:
Ich denke nicht, dass das nur ein zusätzlicher Fehler unter vielen war, sondern
der Hauptfehler überhaupt, der uns letztendlich in die Situation gebracht hat, dass wir jetzt Angst vor Augsburg und vor dem Abstieg haben müssen. Denn mMn hat besonders diese offensive Ausrichtung zusammen mit dem Fehlen vorgegebener (und akribisch eintrainierter) Strukturen dafür gesorgt, dass wir jetzt einen solchen Hühnerhaufen von Mannschaft haben, wo es mittlerweile egal ist, wen TS aufstellt, weil alle in den meisten Spielen unter ihren Möglichkeiten bleiben. Gerade eine junge Mannschaft mit weniger Erfahrung braucht klare Strukturen und feste Rollen. Zu Beginn der Saison hat die offensivchaotische Ausrichtung noch dafür gesorgt, dass die Mannschaft mit dem Elan von ungestümen jungen Leuten in die Spiele gegangen ist und ihre Gegner damit überraschen konnte. Aber im Laufe der Hinrunde wirkten sich dann zwei Effekte negativ aus: 1. stellten sich die Gegner auf Werders neues Konzept ein (bzw. konnten aus den Spielen zuvor lernen, wie man es einfach unterbinden konnte) und 2. wurden die Spieler immer unsicherer, weil sie - trotz von allen Seiten bescheinigter guter Leistungen - nicht genügend Erfolgserlebnisse erlebten und mehr und mehr Punkte abgaben, weil sie trotz scheinbarer offensiver Überlegenheit immer wieder (und immer öfter) viel zu einfach Gegentore fingen und selbst einen viel zu hohen Aufwand für eigene Tore betreiben mussten.
Meiner Meinung nach hätte TS spätestens nach den ersten vier Spieltagen (BVB, HSV, H96 und VfB) intervenieren und auf die Situation reagieren müssen, da es bei einer jungen Mannschaft nur eine Frage der Zeit ist, bis sich fehlende Erfolgserlebnisse zu Verunsicherung führen (ich sage das hier so klar, obwohl ich es selbst zu dem Zeitpunkt nicht erkannt hätte und auch von dem berauschenden Offensivspiel Werders angetan war - aber ich bin auch kein hochbezahlter Bundesligatrainer). Spätestens zu dem Zeitpunkt wäre es nötig gewesen, das System punktuell umzustellen und durch eine stabilere Ausrichtung für mehr Sicherheit zu sorgen. Hier hat er mMn viel zu spät reagiert und hat es jetzt viel schwerer, die Mannschaft auf die richtige Bahn zu bekommen, als es noch zu einem frühen Zeitpunkt der Saison möglich gewesen wäre.
Wir schimpfen ja viel auf die Bayern, aber ich fand es höchst bemerkenswert, wie nach dem Arsenalspiel von offizieller Seite dazwischen gehauen wurde und man sich nicht darauf berief, dass man ja schließlich das 1/4-Finale erreicht hätte und dabei immerhin eine der großen Premier-League-Mannschaften aus dem Wettbewerb geworfen hatte. Nein, hier wurden Fehltendenzen schon im Keim zu ersticken versucht, bevor sie sich überhaupt weiter ausbreiten konnten. Nicht falsch verstehen: die Fehltendenzen der Bayern haben nichts mit unseren Problemen gemein. Mir geht es nur darum, dass bereits frühzeitig eingegriffen wird, bevor die Probleme überhaupt für das breite Publikum sichtbar sind. Das fehlt bei Werder mMn schon seit vielen Jahren. Und wenn es nicht TS ist, der rechtzeitig Fehltendenzen erkennt und eingreift, dann müsste da mehr aus der Führungsetage kommen, die ja auch nicht nur mit völlig fachfremden Leuten besetzt ist und war.
Hier liegt für mich der Hase im Pfeffer und nicht in einer Mannschaft, die jünger
und unerfahrener ist als ihre Vorgängermannschaften, aber bei der im Großen und Ganzen weiterhin die altbekannten Fehler gemacht werden.