Für mich und vielleicht auch für den Aufsichtsrat zeigen Transfers wie Makiadi, Obraniak, Petersen, Bartels, Galvez, Garcia und ggf. Ruiz deutlich an, dass man in die falsche Richtung unterwegs ist. Das mag nicht gegen einen einzelnen Transfer sprechen, die haben jeder für sich genommen irgendwie Sinn ergeben oder würden welchen ergeben. Aber sie zeigen auf, dass man nicht in die richtige Richtung unterwegs ist. Denn was ist der einzige Weg, der Werder wieder investionsfähig macht? Richtig: Transfererlöse.
Dafür müsste man sich auf das besinnen, was man zwischen 1999 und 2004 gemacht hat: Man hat als Ausbildungsverein junge Spieler größer gemacht und diese mit teilweise enormen Gewinn verkauft. Ohne die Verkäufe von Rost und Frings wäre die 204er-Truppe niemals finanzierbar gewesen, sie basiert ganz wesentlich auf diesen Einnahmen. Hinzu kam, dass in der Truppe etliche Spieler spielten, die im eigenen Verein ausgebildet worden waren, entweder in der Jugend oder indem man sie geholt hat, als sie anderswo nicht zum Zuge kamen oder als sie zu einer größeren Karriere bei einem kleinen Verein ansetzten. Beispiele wären Ersatzkeeper Borel, Stalteri, Schulz, Ernst, Borowski, Klasnic, Valdez etc.
In finanziell schwierigen Zeiten kann man nicht hingehen und teure Mittelklasse im mittleren bis gehobenen Alter holen und beten, dass sich derart ein sportlicher Erfolg einstellt, dass man wieder höhere Einnahmen erzielen kann. Das ist nämlich in einem Umfeld, das so massiv investiert, relativ unwahrscheinlich. Man kriegt in diesem Segment nur die B-Ware und die auch nur, weil man mehr zahlt als die Konkurrenz. Galvez, Bartels, Makiadi und Co. spielen hier nicht, weil sie von Werder so überzeugt wären, sondern weil das für sie finanziell am meisten Sinn ergeben hat, zumindest von den Angeboten aus den Ligen, die sie für interessant hielten.
Die aktuelle Vereinspolitik führt nirgendwohin. Mit Hajrovic haben wir vielleicht einen Spieler geholt, bei dem man denken könnte, dass er bei entsprechender Entwicklung wirklich einen Gewinn erzielen wird. Einen hoffnungsvollen Jugendspieler wie Füllkrug haben wir nicht integriert bekommen und Nachwuchsspieler, die einen wichtigen Baustein im Kader bilden können, haben wir bislang nicht integriert, einige gingen oder wollen ggf. weg. Vielleicht klappt es ja mit Busch und Selke, mal abwarten. Aber da sind wir einfach ein wenig konzeptlos, wie mir scheint.
Dass in dieser Situation der Aufsichtsrat keine Millionen für einen 29jährigen rauswerfen will, erscheint mir absolut vernünftig. Es wäre doch mal an Eichin, jetzt jemanden zu präsentieren, der unsere Langsamkeit und Schlafmützigkeit im Mittelfeld beenden könnte und der dort, auf den Halbpositionen, auf der 6 oder Doppelsechs etwas mehr Dynamik, Ballsicherheit und Balleroberungsfähigkeiten mitbrächte als unser derzeitiges Potential. Und das dann am besten in Form eines talentierten Spielers, den man mit Kaufoption leihen könnte und für den man nicht sofort ein Millionenpaket schnüren müsste. Ich denke dann wäre der AR, siehe Sokratis, auch bereit, ein überschaubares Risiko einzugehen. Weil er die Aussicht hätte, dass dies wirklich eine Investition sein könnte, also eine Ausgabe, die sich in der Zukunft finanziell rentiert. Und nicht nur akute Löcher im fußballerischen Bereich für sehr viel Geld stopft, ohne jede Aussicht auf Refinanzierung.
Herr Eichin muss jetzt sehr schnell aus der Ecke kommen und anstatt die beleidigte Leberwurst zu spielen, dafür sorgen, dass Geld in die Kasse kommt, also Spieler verkaufen, die für das Geld nicht den sportlichen Gegenwert bieten, zum Beispiel Obraniak, Elia, Petersen oder Makiadi. Und zweitens smarte, günstige Lösungen erarbeiten, die gleichzeitig zu diesen Abgängen das Team sportlich verstärken. Immer nur jammern und an teuren, unrealistischen Lösungen herumzufantasieren, bringt in dieser prekären Lage den Tod. Noch ist es für Eichin nicht zu spät, genau da anzsetzen und noch etwas zu bewegen, bevor das Transferfenster schließt.