In den letzten Jahren habe ich nie wirklich daran geglaubt, dass Werder absteigen könnte, die Abstiegsangst hat sich bei mir persönlich nie breitgemacht. In diesem Jahr sieht das aber deutlich anders aus, ich mache mir Sorgen um unseren SV Werder und gehe mittlerweile davon aus, dass wir in der Relegation antreten müssen.
Denn wenn man sich einmal unser Restprogramm betrachtet, sieht das auf dem Papier weitesgehend nicht unbedingt schwer aus, ist es aber ganz gewiss. Gegen Leverkusen, Schalke und Mainz wird man meiner Meinung nach auf jeden Fall Niederlagen einstecken müssen, die Übrigen Spiele (Wolfsburg, Düsseldorf, Nürnberg, Hoffenheim, (Frankfurt)) werden Schicksalsspiel, in welchen es um alles geht. Es wird Kampf und Leidenschaft gefragt sein und zur Zeit ist es mehr als fraglich, ob die meisten unserer Spieler mit der Situation, vor dem Abstieg zu stehen, umgehen und richtig annehmen können. Ich habe da meine Zweifel.
Auch mögliche Relegationsspiele gegen Kaiserslautern/Köln - von einem dieser beiden Teams gehe ich zumindest aus - würden alles andere als einfach werden. Die Angst, dass Werder absteigt, macht sich bei mir breit.
Und jetzt erspart es euch bitte, mir mein Fan-Dasein abzusprechen, einzig weil ich Kritik übe und mich um Werder Sorge. Denn dass Werders Situation derzeit schwierig ist und man große Probleme hat, steht außer Frage.
Zum Spiel am vergangenen Samstag nur folgendes: Mir ist es ein Rätsel, warum man, wenn man den Tabellenletzten und zeitgleich den schwächsten Angriff der Liga empfängt, so defensiv agiert. Gut: Für eine Doppel-Sechs hatte ich mich trotzdem ausgesprochen, aber bei der Besetzung dieser fängt die Fehlerkette bezüglich der Ausrichtung und Aufstellung schon an. Denn dass Sokratis kein Sechser ist, wie hier immer wieder behauptet wird, hat er eindrucksvoll bewiesen. Er war dort vollkommen falsch aufgehoben, hat Unruhe in Werders Spiel gebracht, da er oft einfach nur stur mit dem Ball losgerannt ist, man zudem Probleme bei der Ballannahme und -Kontrolle erkennen konnte. Das Argument, man hätte Sokratis auf dieser Position auflaufen lassen, weil man nicht weiter umstellen wollte, nachdem in M'Gladbach gute Ansätze zu sehen waren, ist für mich ebenfalls nicht akzeptabel. Grundsätzlich sollte nämlich jeder Spieler dort spielen, wo er am Besten aufgehoben ist und zurechtkommt. Da gibt es Ausnahmefälle, wie Ignjovski, welcher nahezu jede Position bekleiden kann und sich dort wenigstens reinhaut, wenn es nicht läuft, aber das kann man nicht von jedem erwarten.
Im Enddefekt geht so eine Entscheidung dann noch mehr auf Kosten des kollektiven Zusammenspiels als eine weitere Umstellung, da es nicht möglich ist, ein Spiel aufzubauen, wenn auf einer entscheidenen Position wie der Sechs ein Fremdkörper spielt.
Des Weiteren hätte ich mir gewünscht, dass man die Dreierkette vor der Doppel-Sechs offensiver ausrichtet. Wenn man die schwächste Offensive der Liga, den Tabellenletzten und ein quasi schon abgestiegendes Team im heimischen Stadion empfängt und offensives Spiel eigentlich grundsätzlich der Philosophie entspricht, agiere ich nicht von Beginn an so defensiv. D.h., ich lasse auf den Außenpositionen keine mehr oder weniger defensivorientierte Spieler, wie Junuzovic, welcher schon lange überspielt wirkt und Ignjovski, beginnen.
Viel mehr sollte man versuchen, etwas zu bieten, Druck aufzubauen. Und dies geht eben nur mit individuell guten Spielern, die technisch versiert sind und sich im Kombinationsspiel einbringen können. Stattdessen verzichtet man nahezu vollständig auf solche Spieler, will sie anscheinend weiter sanktionieren.
In der zweiten Hälfte hat man dann sehr gut gesehen, wie leicht es gegen Fürth gewesen wäre, die aus dem Stadion zu schießen, wenn man offensiver ausgerichtet gewesen wäre. Arnautovic und Hunt haben das Spiel gemeinsam mit de Bruyne belebt. Zumal man das Spiel auf diese Weise viel breiter hat machen können und sich so mehr Platz geboten hat. In Hälfte eins hingegen wirkte alles noch sehr eng, Kombinationsspiel nahezu ausgeschlossen. In der zweiten Halbzeit hingegen waren durch die Hereinnahme von Hunt und Arnautovic mehr Räume da, da diese sich weit nach außen ziehen konnten. Auf diese Weise lässt man den Gegner nicht nur laufen und macht ihn kaputt, sondern entwickelt man auch mehr Druck, welchen Fürth nicht hätte standhalten können.
Noch immer erschreckt es mich im Übrigen, wie mutlos Werder aufgespielt hat. Die Einstellung scheint außerdem ebenfalls nicht ansatzweise zu stimmen. Da nimmt kaum jemand den Kampf an, wenn spielerisch schon nichts zusammenläuft.
Fürth war im Übrigen recht gut auf Werder eingestellt, hat taktisch gut agiert. Es war mit Sicherheit kein Zufall, dass Fürth sich nahezu alle Chancen über die rechte, über Selassies Seite, herausgespielt hat.
Es bleibt nur zu hoffen, dass die Spieler während der Länderspielpause nun ihre Köpfe freibekommen können und die unerwartete Situation bei Werder daraufhin annehmen werden. Es ist schade, dass es nun gegen den Abstieg geht, so einfach wie in dieser Spielzeit war es selten zuvor, sich für das internationale Geschäft zu qualifizieren. Hätten wir beide Partien gegen Augsburg und Fürth gewonnen, würden wir nun auf einem Championsleagueplatz stehen.