Werder braucht keinen "Motivationskünstler". Die Spieler sind schon motiviert.
Was Werder braucht, ist ein Coach, der die Mannschaft vernünftig auf- und einstellt und was System und Taktik betrifft, das Geschehen auf dem Platz beobachtet, um rechtzeitig Veränderungen (auch personell) zu bewirkungen.
Nun bin ich beim täglichen Training nicht dabei, habe deshalb keine Kenntnis über Fitnesszustand und geistige Frische der Spieler.
Deshalb kann ich nur das beurteilen, was in den Pflichtspielen zu sehen ist, und da muss ich fast jede Woche den Kops schütteln, wenn ich die Mannschaftsaufstellung sehe.
Nun ist Kohfeld ja nicht allein. Er hat mit Tim Borowski und Danijel Zenkovic zwei Helfer an der Seite, die mitverantwortlich gemacht werden müssen. Wären sie zu konträr zu Kohfelds Entscheidungen, sollten sie die Zusammenarbeit ihrerseits beenden.
Sollte Kohfeld die Verantwortung entzogen werden, gehörten auch seine Helfer suspendiert.
Der Kader ist sicherlich nicht optimal zusammengestellt, aber das wird auch von Jahr zu Jahr schwieriger.
Welcher überdurchschnittliche Spieler ist denn bereit, zu einem Verein zu gehen, der keine Chance auf einen europäischen Wettbewerb hat? Da müsste schon eine weit über den üblichen Rahmen vereinbarte Bezahlung erfolgen. Und das ist bei Werder auf absehbare Zeit nicht möglich.
Es bleibt die Möglichkeit, auf junge Talente zu setzen, in der Hofnnung, dass sie sich positiv weiter entwickeln.
Ob Kohfeld dafür der richtige Trainer ist, mag bezeifelt werden und auch da steht Werder in Konkurrenz zu finanzkräftigeren Vereinen.
Und nicht zuletzt bräuchte man dafür eine sehr gute Scouting-Abteilung. Hat Werder diese Qualität beim Scouting?
Eine weitere Option mag es sein, dass man ältere Spieler verpflichtet, die ablösefrei zu bekommen sind, aber sehr wahrscheinlich ihren Zenit überschritten haben.
Bleibt noch die Möglichkeit mit Spielern, die bei anderen Vereinen auf der Bank sitzen und die sich bei Werder mehr Spielzeit erhoffen.
Da handelt es sich aber oft über Wundertüten, von denen keiner weiß, ob sie wirlich eine Verstärkung werden. Das Gleiche gilt für Ausleihen von Spielern, die woanders nur auf der Bank sitzen.
Sicher hat Werder in den letzten 12 Jahren bei vielen Transfers Fehler gemacht oder halt nur Pech gehabt. Das passiert in jedem Verein. Kritisch ist es aber deshalb geworden, dass man sich dadurch finanziell anderer Möglichkeiten beraubt hat.
Jetzt ist der Punkt erreicht, wo (fast?) nichts mehr geht.
Frank Baumann wird hier oft gescholten, aber es ist auch verdammt schwer einen schlagkräftigen Kader aufzustellen, wenn die finanziellen Mitel fehlen und Werder für gute Spieler keine gute Adresse mehr ist.
Wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass Werder jedes Jahr wieder zu den Abstiegskandidaten zählt.