Oh, Mann, wir steigen ab! Den Trainer sollten wir möglichst vorher noch loswerden, davor noch die Außenverteidiger und je nach Leistung pro Woche einen aus der Innenverteidigung oder aus dem offensiven Mittelfeld.
Unabhängig von jeder Diskussion um Fehler und Fehlbesetzungen unserer Mannschaft sollten wir allerdings mal locker bleiben und als Vergleich, nicht als Maßstab, den Rest der Liga betrachten. Keine Truppe spielt in dieser Saison souveränen Fußball. Die Bayern sind anfällig, der HSV geht in Hoffenheim unter, die wiederum verlieren hochto(u)rig in Leverkusen und auch die Pillendreher sind nicht unschlagbar. Will sagen: Wir haben es trotz aller unübersehbarer Schwierigkeiten immer noch selbst am und im Fuß. Eine plausible Erklärung für eine nach neun Spieltagen so ausgeglichene Liga fehlt mir auch, aber dass die zweitplatzierten Leverkusener nur gewinnen oder verlieren können, spricht meiner Ansicht nach Bände: Die Liga ist derzeit einer Form des Offensivfußballs ausgesetzt, der man folgen muss, um erfolgreich zu sein. Das heißt in dem Fall: Tore. Dass unsere Defensive darunter leidet und sich bisweilen aufführt wie eine Kreisligatruppe, ist dadurch nicht zu entschuldigen. Dass Boenisch, Prödl, Fritz grottig spielen auch nicht. Dass Diego meilenweit von seiner Bestform entfernt ist und Hunt seine Lethargie nicht in den Griff bekommt, ebenso nicht. Das sind individuelle Feinheiten, die man wegtrainieren oder auf die Bank setzen kann. Das Spielprinzip der Offensive jedoch sollte nicht aufgegeben werden, weil das einer Kapitulation vor der eigenen Kreativität gleichkäme. "Wir können auch anders", gilt für Werder nunmal (und ich sage natürlich: leider) nicht. Wir müssen uns bei aller Kritik vor allem darauf konzentrieren, die Netze zu machen. Das verlangt ebenso viel Konzentration wie eine funktionierende Defensive. Und komme mir keiner mit dem Spruch "Offense wins games, defense wins championships". Bislang kann ich nämlich im Verlauf dieser Saison bei keinem der 964 Spitzenteams eine entsprechende Verhaltensweise sehen.
Versteht mich nicht falsch, ein gepflegtes, dreckiges 1:0 gegen den HSV wie in der vergangenen Spielzeit ist mir durchaus recht. Meinetwegen können wir in der kommenden Woche gegen Leverkusen ebenso spielen. Das wird aber allein deswegen nicht gelingen, weil Bayer für zwei, drei Tore gut ist. Dann machen wir eben vier. Wir sollten den Trainer nicht loswerden, sondern unsere Lethargie. Wir sollten die Außenverteidiger nicht loswerden, sondern ihnen trotz der Fehler, die sie machen, unsere Unterstützung zukommen lassen, so anstrengend und gebetsmühlenartig das auch sein mag. Und Innenverteidigung und offensivem Mittelfeld spreche ich hiermit zumindest mein Vertrauen aus.
FÜR KONSTRUKTIVE OFFENSIVE. FÜR WERDER!