Aber wie gesagt, meine Lebenserfahrung sagt mir, der Erfolg von heute ist eben nur ein kleiner Teilerfolg.
Ich bin selber im künstlerischen Bereich unterrichtend tätig meine Erfahrung zeigt, daß Erfolg einen seeeehr langen Atem braucht, Abwärtsspiralen sind durch viele kleine Nachlässigkeiten sehr schnell erreicht.
Leider sehe ich bei Werder noch nicht die "Erfolgsspur".
Das Werder die Bayern wegputzt gehört auch leider wieder in die Kategorie "Überheblichkeit", mit der sich keine Spiele gewinnen lassen.
Lasse mich aber gerne eines besseren belehren.
Ich bin etwas erstaunt, dass Dir Deine Lebenserfahrung nicht verrät, dass Fußball nie eine Sache ist, in der es den totalen, finalen Erfolg gibt. Fußball ist immer ein Mosaik aus positiven und negativen Ereignissen, aus Strömungen und Entwicklungen, die nie wie eine gerade Linie verlaufen. Wenn es viel mehr Positive als Negative sind, hat man voraussichtlich etwas nachhaltiger Erfolg und die Fans sind zufrieden. Wenn die Negativen überwiegen, ist es umgekehrt.
Schauen wir also mal die letzten 10 Spiele an um zu sehen, ob wir eine "Erfolgsspur" erkennen.
A - AC Mailand 2:2
A - Energie Cottbus 1:2
H - AC Mailand 1:1
H - Bor. Mönchengladbach 1:1
A - Schalke 04 0:1
H - Arminia Bielefeld 1:2
A - BVB 2:1
H - VfL Wolfsburg 2:1
H - Inter Mailand 2:1
A - KSC 1:2
So. Zehn Spiele. Darunter ein Sieg gegen Inter Mailand, ein Weiterkommen gegen den AC Mailand, ein Pokal-Auswärtssieg in Dortmund und ein Heimsieg gegen den nicht ganz schlechten VfL Wolfsburg.
Unter diesen zehn Spielen waren fünf Gute. Die gegen Gladbach und Schalke werte ich mal als mittelmäßig, obwohl auch in diesen Spielen Werder deutlich besser war als der Gegner. Selbst in Cottbus war Werder die Mannschaft, die den Sieg verdient gehabt hätte. Aber wohlwollend werte ich es mal als schlecht.
Das macht von zehn Spielen fünf Gute, zwei Mittelmäßige und drei Schlechte.
Dass die drei Schlechten und die nicht eingefahrenen Siege in den Mittelmäßigen für eine enttäuschende Bundesligaplatzierung sorgen, steht ausser Frage. Den aktuellen Platz 11 zu kritisieren ist deshalb völlig angebracht.
Was aber nicht angebracht ist: Diese Hysterie, Werder spiele seit Monaten unter aller Sau, alle gehören rausgeschmissen, die halbe Mannschaft muss weggeschickt werden und die Abstiegszone sei beinahe schon erreicht.
Kritik in Einzelfällen ist eine gute Sache, wenn sie mit Augenmaß geschieht. Das hysterische Panikgeheule hier ist aber nichts weiter als das Zeichen grenzenloser Verwöhntheit, weltfremder Sichtweise von einem Verein wie Werder und der Arroganz, es notfalls selbst dann besser zu wissen, wenn man das laufende Spiel nicht einmal verfolgen kann.


