So, mit etwas Abstand hier noch mein Fazit:
ich hab so ein wenig das Gefühl, man dachte man gewinnt schon heute irgendwie 1:0, indem man nicht viel mehr macht, als defensiv einigermaßen konzentriert zu stehen. Mir hat in der ersten Halbzeit da aber total das Feuer und der Einsatz gefehlt, die Überzeugung, Dortmund zu besiegen - natürlich ist ja klar, dass wir Dortmund nicht unbedingt auf Grund individueller spielerischer Klasse schlagen werden... dann muss ich denen doch etwas Feuer geben, unangenehm/giftig sein, und nicht fast ohne Foul auskommen. Dortmund war heute nicht wahnsinnig toll drauf, aber sehr effektiv. Und dann bekommen wir kurz vor Halbzeit das Geschenk der roten Karte. Dass ich dann als Trainer dieses Geschenk in der HZ nicht annehme und meinen Matchplan anpasse, indem ich neues Personal einwechsle und die Taktik ändere (oder ist ein 0:2 Halbzeitstand gegen ein biederes Dortmund wirklich das Optimale, also "weiter so"?), ist und bleibt für mich unbegreiflich. Auch das Argument, sich erstmal anzuschauen, wie das in Überzahl aussieht ist für mich wieder halt nur "Reaktion". Uns fehlt es oft an "Aktion". WIR sind in Überzahl. WIR geben jetzt Gas und geben den Spielverlauf vor. Es fällt Ole Werner anscheinend wahnsinnig schwer, von seinem Matchplan abzuweichen - es fühlt sich so an, als mache man sich vorher den Plan und wenn dann irgendwas anderes Eintritt als gedacht, schauen wir erstmal nochmal eine Viertelstunde zu und reagieren dann, aber in der Regel so, wie vorher schon überlegt. Natürlich macht es im Normalfall durchaus mehr Sinn, Spieler erst ab der 60. oder so zu tauschen - Gegner ist schon etwas ausgepowert etc. - aber spätestens heute, hätte man das ändern müssen. Mehr Druck. Mehr Risiko. Ich fand schon, dass man in der 2ten Halbzeit gemerkt hat, dass wir ein Spieler mehr waren. Wir hatten wesentlich mehr Ballbesitz als in Hälfte eins. Aber so richtig Druck konnten wir da nicht mit aufbauen. Stellenweise war Dortmund fast dem 3:1 in Unterzahl näher. Und auch in HZ2 hat mir so die letzte Überzeugung, der Wille auf einen Sieg gefehlt.
Ein Wort zu Ducksch, da er ja immer sehr gerne hier viel kritisiert wird: er hat entscheidend unser einziges Tor heute eingeleitet. Dass er aber nach wie vor unsere Ecken ins Nirwana treten darf, kreide ich vor allem dem Trainer an. 1 Tor nach einer Ecke in der gesamten Saison spricht doch Bände. Wenn man schon nicht super kreativ im Mittelfeld ist oder jetzt offensiv den Goalgetter hat, der einfach alles trifft, dann MUSS ich doch eine gewisse Priorität auf Standards setzen. Und da kommt einfach viel zu wenig, wenn Ducksch Ecken schießt. Direkte Freistöße würde ich noch mit mir diskutieren lassen und Ducksch da evtl. ranlassen, aber Ecken würde ich ihm verbieten. Wenn er dann halt beleidigt ist, dann bleibt er mal auf der Bank. Weil sein Gehabe und auch stellenweise die Ansprache an seine Mitspieler, wenn sie nicht das machen, was er denkt, ist mir viel zu oft zu negativ und übertrieben. Ich glaube Ducksch sieht sich selbst etwas zu wichtig, vielleicht tut ihm da auch mal eine Denkpause ganz gut, er ist nicht der Mittelpunkt der Werderwelt und auch nicht ein Überkicker (sonst wäre er nicht bei Werder

). Aber nochmal: ohne ihn wäre der Anschlusstreffer wohl so nicht gefallen, ich sehe ihn generell nicht ganz so negativ wie ein Großteil des Forums und er ist einer, der immer mal einen guten Moment im Spiel haben kann - auch wenn vorher (und Nachher) 89. schlechte Minuten dabei sind. Ich glaube auch, dass Werner aber irgendwie mutlos Ducksch gegenüber ist. Ich könnte mir vorstellen, dass mal eine starke Ansage dort viel helfen könnte und wer immer so mosert, wenn er dann mal ausgewechselt wird (was ja auch kaum vorkommt), würde ich ihn mit Absicht immer wieder auswechseln, bis das mosern in der Form aufhört.
Alles in allem hab ich das Gefühl, dass wir nach der kurzen Erfolgswelle wieder im schlechten Jahr 2023 angekommen sind. Die Saison ist jetzt anscheinend schon für uns beendet, wie so oft in den letzten 10 Jahren, wenn es was Positives zu erreichen gilt. Da hat die Mannschaft dann nicht die Motivation für. Es fehlt dann irgendwie der letzte Biss in Bremen oder man meint, dass dann so im Vorbeigehen mitnehmen zu können, statt weiter zu kämpfen, die Spannung hochzuhalten. Ich bin es leid zu schreiben/lesen "da war mehr drin". Wenn das immer wieder das Fazit ist, dann muss man vielleicht auch einfach resümieren, dass eben nicht mehr drin ist, weil die Einstellung fehlt. Der letzte Wille. Das Können. Ein Trainer, der auch mal mehr ins Risiko geht - ich mein, was hätte man nach 0:2 heute noch verlieren können, wenn man in der Halbzeit mal 2-3 Neue bringt, weil man ein Mann mehr ist und die Taktik anpasst? Eben... ich bin dankbar, dass es wohl eine Saison ohne große Abstiegssorgen wird, durch das kurze Zwischenhoch. Aber auch frustriert, das man es nicht schafft, mal länger eine positive Überraschung zu bleiben. Spielerisch war schon während unserer Siegesphase vorauszuahnen, dass das nicht mehr lange gut geht. Aber wir haben ja gewonnen, also wieso was ändern? Ich finde Werner einfach viel zu behäbig in seinen Anpassungen. Kurzfristig im Spiel, als auch mittelfristig im Saisonverlauf. Ruhe ist ja schön und gut, aber man muss aufpassen, dass das nicht zu sehr in Behäbigkeit umschlägt.