Der war gut.
Spielverlagerung schreibt:
Das ist mein Lieblingszitat über die Ära Dutt.
Das stimmt auch auf das Hertha-Spiel bezogen. Im Gegensatz zur Analyse vom Team der Spielverlagerung verwendest du das allerdings pauschalisierend auf die ganze Saison bezogen - und das ist inhaltlich sehr dünn.
könntest du das erläutern? welche total sinnvolle grundordnung und welches klar vorhandene konzept erkennst du denn?
Womit du recht hast ist, dass Dutt viele taktische Ausrichtungen im bisherigen Saisonverlauf umgestellt hat. Das bringt automatisch den Nachteil, diese taktischen Maßnahmen (denn vollständige Systeme sind es nicht) über einen relativ kurzen Einraum einstudieren zu müssen und demnach zwangsläufig als Mannschaft Defizite darin haben zu müssen, diese auch umzusetzen. Andererseits lässt sich mit der anderen Seite der Medaillie argumentieren: An einer Stelle läuft es nicht, also wird eine entsprechende Maßnahme ergriffen, um dort nach zu justieren (mit welchem Erfolg zeigt sich dann immer hinterher).
Unser Offensivspiel hat sich z.B. im Vergleich zum Saisonbeginn insgesamt verbessert, was mMn auch daran liegt, dass die Sturmreihenausrichtung mit Hunt im Zentrum und Petersen als Außenstürmer verändert wurde. Ich denke, dass es eine ursprüngliche Idee der früheren Grundausrichtung mit Petersen, Hunt und Elia nebeneinander war, das Offensivspiel über eine höhere Feldbreite auszudehnen. Als in der Mitte der Abnehmer fehlte und Hunt als Umschaltspieler und Ideengeber im Mittelfeld weggefallen ist, wurde also umgestellt, um zum Beispiel diesen Nachteil zu kompensieren:
Indem z.B. im Aufbauspiel Kroos oft in die IV einrückt und für diese Situation auf Dreierkette umgestellt wurde, rücken Garcia und Fritz ins Mittelfeld vor, um dort
1) Überzahl zu schaffen,
2) kürzere Laufwege in die Offensive zu haben und schneller vorne anspielbar zu sein. Dass Garcia bereits kurz nach seiner Verpflichtung den linken Flügel offensiv verstärkt hat ist in meinen Augen auch ein angestoßener Dominostein dieser veränderten Defensivanordnung.
Durch Fritz und Garcia sollten dann womöglich Offensivpositionen auf den Außen ersetzt werden, die zuvor durch die Umstellung geringer vorhanden waren.
Auf der anderen Seite wurde dadurch auch ein anderes Risiko automatisch mitgeöffnet: Bei Ballverlusten im Aufbauspiel waren die Schnittstellen zwischen Mittelfeld und Abwehr umso offener, weil sich mindestens vier Mittelfeldspieler nach vorne bewegt haben. Nun verlieren gerade wir extrem viele Bälle im Aufbauspiel - und machen uns selber blank. Das ist ein ganz gutes Beispiel für den Kontrast zwischen einem grundsätzlich vorhandenem Konzept Dutts mit großen Problemen in der Umsetzung.
Dies stellt ein beispiel für das gesamte Phänomen dar. Es zeigt, dass Dutt sich vermutlich vollkommen im Klaren darüber ist, dass taktische Umstellungen Konsequenzen bedeuten und diese zudem zu bedenken versucht (wenn auch mit bisher sehr durchwachsenem Erfolg). Damit deutet Dutt zumindest schonmal ein hohes Verständnis für gesamttaktische Zusammenhänge an. Außerdem schafft Dutt Formationen, die situationsabhängig variieren und (um im o.g. Beispiel zu bleiben) situationsabhängig eine Dreierkette oder Viererkette bedeuten. Beides sind schonmal relativ komplexe Überlegungen.