Aus Stadionperspektive fand ich, dass wir in den ersten 20 Minuten zwar individuell und spielerisch deutlich unterlegen waren - logisch -, aber dass die Mannschaft das zumindest taktisch und von der Grundeinstellung her gar nicht so schlecht gemacht hat. di Santo und Petersen haben viel gearbeitet, nach vorne wie nach hinten, Hunt auffällig als Ideengeber, wenn Werder denn tatsächlich mal in Ballbesitz war und Elia, der individuell durchaus Entlastung schaffte. So hatten wir zwei Möglichkeiten, in Führung zu gehen, durch Hunt und Elia, wenn ich mich recht erinnere. Danach nutzen die Bayern gleich ihre zweite, was ein dämliches, unnötiges Gegentor. Das zweite Gegentor mit der dritten Torchance gleich hinterher, wieder so ein völlig vermeidbares Ding. Aber selbst nach dem 0:2 fand ich Werder noch einigermaßen diszipliniert. Und wir hatten wieder die klare Chance zum 1:2, die dritte. In derselben Minute fällt dann das 0:3. Die waren einfach neben ihrer fussballerischen Klasse eben auch unheimlich effizient bis zu dem Zeitpunkt.
Und wenn so ein Gegner, der über dermaßen brutale Qualität im spielerischen Bereich mit Thiago, Müller oder Kroos verfügt, die einfach immer alles richtig machen - in die Breite oder Tiefe spielen/ laufen, mit dem richtigen Timing, mit extrem hoher Passqualität wie Ballsicherheit agieren, mit 3:0 in Führung geht, gegen einen Gegner, der im Rahmen seiner Möglichkeiten bis dahin gar nicht so viel falsch gemacht hat, dann sind die Messen halt gelesen. Gegen einen Gegner, der zudem unbeschreibliche Schwachstellen wie Selassie, Garcia, Fritz und vor allem Makiadi oder Lukimya im Team hat. Sowie einen Torhüter, der in der Strafraumbeherrschung unsicher wirkt.
Dann greifen moralische Mechnismen auf dem Rasen. Du weisst als Team, dass Du eigentlich keine Chance hast, spielst relativ diszipliniert, hälst den Favoriten vom Tor recht gut fern, hast dann sogar Tormöglichkeiten, verpasst aber die Führung und fängst unglaublich dusselige Gegentore. Dann kommt das Kopfproblem sofort und das Körperliche gleich hinterher, während der Gegner parallel dazu seine Qualität ausspielt.
Mit Bargfrede und Ekici hat Dutt zu allem Überfluß das (personifizierte) Waterloo eingewechselt und mit Hunt das letzte Fünkchen Entlastung ausgewechselt. Hätte nicht gedacht, dass es noch schlechter als Makiadi gehen kann, aber es ging. Von da an hatten die Bayern neben dem Vorteil der hohen individuellen Überlegenheit bei 3:0 im Rücken auch noch unendlich Platz und Raum in der Zentrale ohne in irgendeiner Form gestört zu werden.
Erschwerend hinzu kommt, dass unabhängig von allen Versuchen, taktische und strategische Aspekte umzusetzen, nach wie vor keine Spielidee zu erkennen ist.