Auch wenn das Interview in der Bildzeitung nun schon vor ein Paar Tagen erschienen ist, möchte ich gerne noch einmal darauf eingehen.
Grundsätzlich muss man sagen, dass Dutt sich in dem Interview meines Erachtens nach sehr gut präsentiert hat, seine Antworten schienen wohl überlegt zu sein. Besonders wichtig waren in meinen Augen folgende Aussagen:
-Dutt möchte Werder eine eigene Handschrift geben, zieht einen Vergleich mit Dortmund
Ich denke, dass diese Herangehensweise genau der richtige Weg ist. Dutt weiss selbst, dass Thomas Schaaf ein Denkmal in den Bremer Herzen innehat, dass er in riesige Fußstapfen treten wird. Wichtig ist dabei in meinen Augen allerdings, dass Dutt sich selbst und seiner Philosophie treu bleibt, also nicht versucht, Schaaf zu kopieren. Schaafs Philosophie hat zuletzt nicht mehr funktioniert, Dutt aber hat seine eigene, individuelle Philosohie/Handschrift. Diese sollte er umzusetzen versuchen.
Dadurch, dass er selbst den Vergleich zu Dortmund zieht, baut er natürlich eine recht große Erwartungshaltung auf. Dies war in meinen Augen allerdings nicht der Kern der Aussage, es ging nicht darum, dass Werder mal so stark wie Dortmund es ist werden könne, sondern darum, dass dieser Prozess, den auch der BVB durchgemacht hat, um das bieten zu können, was man heute bieten kann, nicht von heute auf morgen ablaufen wird. Dutt sagt auf diese Weise indirekt, dass Werder ebenso wie Dortmund Zeit brauchen wird, um den eigenen Fussball zu entdecken, um alle Mechanismen greifen zu lassen. Das ist ein langer Weg und deshalb ruft Dutt indirekt auch zu Geduld und dazu, nicht gleich von einer Champions-League-Teilnahme nach der nächsten Spielzeit zu träumen, auf. Dutt braucht Zeit, um das Potential aus Werder herauszuholen. Also sollte sich die Öffentlichkeit und auch Fans davor hüten, ihn bei ersten Rückschlägen steinigen zu wollen.
-Clemens Fritz und Aaron Hunt stellen wichtige Spieler für ihn dar
Natürlich widerspricht das ein wenig der Aussage, dass grundsätzlich alle Spieler des Kaders, ohne ihre Vorgeschichten zu beachten, bei 0 starten würden. Dennoch ist diese Aussage meines Erachtens nach nachvollziehbar. Denn wer verkörpert Werder denn, wenn es nicht Fritz und Hunt sind? Beide Spieler sind schon lange Zeit hier, Hunt stammt sogar aus der eigenen Nachwuchsförderung, beide sind Identifikationsfiguren, bringen Erfahrung mit und sind die Spieler, auf die auch Schaaf vertraut hat, denen er Verantwortung übertragen hat. Und diese Spieler sind dafür in meinen Augen auch geeignet. Unabhängig von ihrer sportlichen Qualität muss zugegeben werden, dass sich beide, Fritz und Hunt, stets vorbildlich und professionell verhalten, sich bodenständig geben und in die Dienste Werders stellen. Aus diesen Gründen halte ich es für absolut akzeptabel, dass auch Dutt sie als verlängerte Arme ansieht, zumal zumindest bei Hunt ja auch die Leistung auf dem Platz stimmt.
-Niemand dürfe laut Dutt öffentlich kritisiert werden
Ganz, ganz wichtig, meiner Meinung nach. Kritik darf in meinen Augen auch unter Spielern geübt werden. Allerdings intern und auf einer sachlichen Ebene. Ich möchte keinen Werderaner sehen, der sich vor die Kameras stellt und dort einen Mitspieler beschuldigt. Dies kann nämlich verletzen, stärkt den Zusammenhalt nicht unbedingt und schadet auch Werders Außendarstellung. Letztlich ist man nämlich ein Team und ich denke, dass jeder sich bewusst ist, wenn er einen Fehler begeht und dafür auch gerade steht. Schuldzuweisungen sollten aber unterlassen werden. Auf dem Platz stehen nämlich immer (zumindest meistens

) elf Akteure, die gemeinsam für Werder spielen und nicht gegen andere. Fehler unterlaufen, das ist menschlich. Aber dann sollte man nicht die Köpfe hängenlassen und aufgeben, sondern sich darum bemühen, den Fehler gemeinsam wieder gut zu machen.