Frag doch mal Depressionskranke, die einigermaßen gut therapiert wurden, was sie am allermeisten nervt. Sehr oft wirst Du hören, dass sie wie ein rohes Ei behandelt werden, dass keiner mehr normal mit ihnen redet etc. pp. Das sagen die oft selbst. Zudem ist Mitleid immer eine äußerst gefährliche Angelegenheit. Erstens ist Mitleid immer beschränkt, d.h. nie genug. Zweitens stellt es eine teilweise Entmündigung dar. Und drittens erhebt sich der Mitleidende über den Leidenden, es findet keine Beziehung auf Augenhöhe mehr statt.
Wie der Widerspruch bei welchem Patienten zu äußern ist, dazu gibt es in der Therapie verschiedene Methoden und Konfrontation ist nur eine davon, die in der Tat mit Vorsicht zu genießen ist. Aber einem Depressiven klarzumachen, dass man ihn unterstützt und dass er andere Möglichkeiten hat als in seinem Loch zu bleiben, ist mit Sicherheit kein Fehler. Immer nur Mitleid und "och Du armer, geht es Dir wieder schlecht" zu sagen, wird es nicht besser machen.
Man muss von Depressiven und Antriebslosen eben Unterstützung anbieten, sie eventuell an die Hand nehmen, mit ihnen zusammen etwas tun. Das Mitleid hilft vielleicht kurzfristig. Falsche Vorstellungen aber werden dadurch nicht beseitigt. Man sieht es an RLP, der blockt ab. Ist ja ok, aber Erkenntnis bricht nicht plötzlich durch. Da muss man Geduld haben und die Leute wieder und wieder bearbeiten. Betroffene leiden oft darunter, dass sie nur dieses Mitleid, das den Mitleidenden nichts kostet, erhalten, aber keinen Widerspruch, keine konkrete Unterstützung in den Fragen des Alltags, die sie nicht hinbekommen. Denn das würde den Helfenden Mühe kosten. Darum sind auch viele mit Mitleid schnell dabei, das wehrt das Leid des Betroffenen von der eigenen Seele ab.