Noch einige Kommentare meinerseits zum Eröffnungsbeitrag:
Das Ganze fand unter den wachsamen Augen der Polizei statt, die an diesem Tag noch keinen Anlass hatte, in irgendeiner Form aktiv zu werden.
An dem Punkt hier muss ich das erste mal die Neutralität des Autors sowie den Wahrheitsgehalt des Artikels anzweifeln. Woher weiß der Verfasser des Artikels denn, ob die Polizisten im Vorfeld bereits in irgendwelchen Situationen eingreifen mussten oder nicht. Dies spielt zwar eigentlich keine große Rolle, sagt aber dennoch schon mal was über den Autor und dessen lineare Sichtweise der Dinge aus.
An dieser Stelle sei erwähnt, dass weder die Bielefelder noch die Bremer Fans beabsichtigten, jeweils Strafanzeige zu stellen, so dass eine zügige Lösung durchaus im Bereich des Möglichen gewesen wäre.
An dieser Stelle sei bemerkt, dass jeder Polizeibeamte in der Bundesrepublik Deutschland einer Strafverfolgungspflicht unterstellt ist, sobald der Kenntnis einer Straftat erlangt. Ob der Geschädigte einen Strafantrag stellen möchte (die Strafanzeige stellt sowieso nicht der Geschädigte sondern der Polizeibeamte) ist in dem Fall erstmal egal.
Diese Personalienfeststellung auf dem Gleis zog sich ca. 30 Minuten hin, so dass irgendwann auch der letzte am Bahnhof anwesende Bremer begriff, dass sich eine Gruppe Bremer Fans in vorläufigem Polizeigewahrsam befand. So beschloss man, den Zug wieder zu verlassen und auf den sitzerprobten Treppen am Hinterausgang auf seine Freunde zu warten. Da sich viele bereits in der Vergangenheit in vergleichbaren Situationen befanden, wollte es keiner den Verhafteten zumuten, nach dem Spiel alleine nach Hause reisen zu müssen. Da der Hinterausgang inzwischen seitens der Polizei abgeriegelt worden war, musste man in der Unterführung des Bahnhofs warten.
An dieser Stelle muss ich mich schon sehr wundern, dass die in Gewahrsam befindlichen Personen dort völlig ohne Grund waren. Und noch verwunderlicher ist, dass deren am Bahnhof wartenden Freunde sich größtenteils selbst schon einmal in selbiger Situation befanden.
Ich selbst war schon bei sehr vielen Spielen von Werder, sowohl in Bremen als auch auswärts. Auch schon lange bevor ich den Beruf des Polizisten ergriffen habe. Komischerweise befand ich mich noch nie annähernd in einer solchen Situation und das obwohl ich mit Trikot und Schal zum Spiel gehe. Und das obwohl ich zu sehr vielen Spielen mit der Bahn an- und wieder abgereist bin.
Hatte ich bisher einfach immer nur Glück oder hat mein Verhalten evtl. auch dazu beigetragen, dass ich noch nie in einer solchen Situation war?
Plötzlich wurde ein Bremer Fan von mehreren Polizisten angegriffen und zu Boden gerissen. Die eskalierte die Situation und nahezu alle anwesenden Polizisten rannten blindlings in die feiernde Bremer Menge rein und verteilten munter Knüppel- und Faustschläge. Zusätzlich wurde massenhaft Pfefferspray versprüht, was in geschlossenen Räumen immer eine besonders intelligente Lösung ist; vor allem vor dem Hintergrund, dass Bahnhöfe ja nur von Schwerverbrechern a.k.a. Fußballfans benutzt werden. Weswegen diese Maßnahmen seitens der Polizei so durchgeführt werden mussten, wurde den anwesenden Bremer Fans zu keinem Zeitpunkt mitgeteilt.
Spätestens an dieser Stelle sollte jedem Leser klar werden, dass der Wahrheitsgehalt des Artikels nicht gerade sehr hoch ist. Denn wer wirklich glaubt, dass Polizisten auf eine Gruppe friedlich tanzender und singender Menschen zugeht und diese mit Schlagstöcken und Pfefferspray attackiert, der ist einfach nur voreingenommen und interessiert sich nicht für die Wahrheit.
Ich selbst war schon bei sehr vielen Großeinsätzen, seien es Demonstrationen, Fußballspiele, Castor-Transporte oder die Mai-Krawalle in Berlin. Hierbei bin ich schon desöfteren in Situationen gewesen, die zu eskalieren drohten oder bereits eskaliert waren. Meinen Schlagstock habe ich hierbei noch nie eingesetzt, da der Einsatz des Schlagstockes eines der letzten Mittel ist, um eine Situation zu bereinigen. Die Aussage, dass von den Fans lediglich eine friedliche Stimmung ausging und die Polizei völlig grundlos mit den Schlagstöcken auf diese losging, halte ich schlichtweg für gelogen.
Und zum Einsatz des Pfeffersprays: Es ist schon korrekt, dass das Pfefferspray in geschlossenen Räumen nicht ideal ist, in bestimmten Situationen lässt es sich aber nicht vermeiden. Zumal das Pfefferspray eigentlich ein milderes Mittel als ein Faustschlag oder ein Schlagstockeinsatz darstellt, da, nachdem man sich die Augen mit Wasser ausgewaschen sind, keinerlei Folgen zurückbleiben.
Aus der Gruppe der Fußallfans wurde dann wiederum eine gute Hand voll Leute in vorläufiges Gewahrsam genommen. Als Augenzeuge muss ich sagen, dass ich erschüttert bin, wie mit den wahllos ausgewählt wirkendenden Personen seitens der Polizei umgegangen wurde. Menschen wurde der Kopf minutenlang in Richtung Nacken gezogen, als handele es sich um Hannibal Lector. Ein Anderer versuchte bei seiner Ingewahrsamnahme seine Brille zu schützen, indem er sie hochhielt. Dieses wurde seitens eines Beamten damit beantwortet, dass er ihm die Brille aus der Hand riss, sie auf den Boden schmiss, um anschließend anständig darauf herumzutreten.
Hier gilt im Prinzip selbiges wie schon zuvor. Wer wirklich glaubt, dass ein Polizist einem die Brille aus der hand reißt und anschließend bewusst darauf herumtritt, ist an der Wahrheit nicht interessiert.
Fassungslos und voller Wut auf den Staat fuhren dann die Bremer Anhänger ruhig, trotz des unwohlen Bewusstseins noch immer in Begleitung derselben Staatsdiener zu sein, welche vorher die rechtlichen Grundsätze, die sie eigentlich verteidigen sollten, kräftig mit Füßen getreten hatten, zurück in die Heimat.
Selbstverständlich blieben die friedlichen Fans weiterhin friedlich, wie sie es schon den ganzen Tag über waren.
Bei diversen Zugfahrten habe ich mich im Zug schon sehr unwohl gefühlt, als ich von Fans des eigenen Vereins, die nur darauf auf Konflikt aus waren, aufs Übelste angepöbelt wurde.
Und noch zu dem letzten Abschnitt des Artikels, den ich jetzt nicht zitiere:
Ich kann euch nur sagen, dass in kaum einem anderen Land eine so hohe Einschreitschwelle herrscht wie in Deutschland. Hierzulande kann man sich deutlich mehr erlauben, als in fast jedem anderen Land dieser Welt. Es gibt tatsächlich genügend Länder, auch in Europa, in denen die Polizei willkürlich handelt und überaus korrupt ist. In Deutschland hingegen herrscht wie gesagt eine sehr hohe, meiner Meinung nach in einigen Situationen sogar zu hohe Einschreitschwelle für die Polizei.