Quelle: Fansmedia.org
Vielleicht kann man in diesem Fred mal mehrere solcher Aktionen im Verlauf der Saison sammeln.
DSC Arminia Bielefeld - SV Werder Bremen (16.08.2008)
Freitag, 22. August 2008
Nach dem Bundesligaspiel des DSC Arminia Bielefeld gegen den SV Werder Bremen wartete eine größere Gruppe Bremer Fans am Bielefelder Hauptbahnhof auf ihren Zug, der sie gegen 19:06 über Osnabrück nach Bremen bringen sollte. Die Wahl auf einen derart späten Zug ist darauf zurückzuführen, dass eine frühere Verbindung keine frühere Ankunft bedeutet hätte. Dementsprechend entschlossen sich die Fans dazu, auf den Treppen am Hinterausgang des Bielefelder Bahnhofs zu warten. Man saß in kleinen gemütlichen Runden zusammen und trank etwas Erfrischendes. Das Ganze fand unter den wachsamen Augen der Polizei statt, die an diesem Tag noch keinen Anlass hatte, in irgendeiner Form aktiv zu werden.
Dies sollte sich jedoch ändern, nachdem es um ca. 18:50 zu einer Auseinandersetzung zwischen vier Anhängern des Vereins Arminia Bielefeld und ein paar Bremer Fans kam. Die Polizei schritt ein, um die Situation zu beruhigen.
So weit so gut. Nun sollte man eigentlich denken, dass die Polizei beim Fußball ihre Daseinsberechtigung voll unter Beweis gestellt hat. Dem war aber nicht so, wie sich an der folgenden Entwicklung ablesen lässt.
Die Bremer und die Bielefelder wurden nun von den Beamten eingekreist und ihre Personalien wurden überprüft. Keiner der Anwesenden Polizisten konnte jedoch darüber Auskunft geben, wie es denn mit den Bremer Fans weiter gehen sollte. Schließlich wollte man doch noch den Zug bekommen. Der kurz anwesende Bremer szenekundige Beamte bemerkte nur lapidar, dass erst festgestellt werden müsse, wer Täter und wer Opfer sei. An dieser Stelle sei erwähnt, dass weder die Bielefelder noch die Bremer Fans beabsichtigten, jeweils Strafanzeige zu stellen, so dass eine zügige Lösung durchaus im Bereich des Möglichen gewesen wäre.
Diese Personalienfeststellung auf dem Gleis zog sich ca. 30 Minuten hin, so dass irgendwann auch der letzte am Bahnhof anwesende Bremer begriff, dass sich eine Gruppe Bremer Fans in vorläufigem Polizeigewahrsam befand. So beschloss man, den Zug wieder zu verlassen und auf den sitzerprobten Treppen am Hinterausgang auf seine Freunde zu warten. Da sich viele bereits in der Vergangenheit in vergleichbaren Situationen befanden, wollte es keiner den Verhafteten zumuten, nach dem Spiel alleine nach Hause reisen zu müssen. Da der Hinterausgang inzwischen seitens der Polizei abgeriegelt worden war, musste man in der Unterführung des Bahnhofs warten.
Währenddessen wurden die Fans, die oben auf dem Gleis in Gewahrsam genommen worden waren, erstmal zu einem ersten und dann später zu einem zweiten eintreffenden Polizeigefängniswagen gebracht. Immer noch waren die Polizeibeamten nicht in der Lage, anzugeben, wie es denn jetzt genau weitergehen sollte. Versuche, den Polizisten verständlich zu machen, dass man gerne den nächsten Zug nach Bremen bekommen würde, wurden von den Polizeibeamten wenn überhaupt nur spöttisch ( Mal schauen, ob ihr heute überhaupt noch einen Zug bekommt!) zur Kenntnis genommen. Irgendwann wurde klarer, was denn mit den Gefangenen passieren sollte. Sowohl Täter als auch Opfer sollten in Polizeigewahrsam genommen werden, da es ja keine Rolle spielen würde, ob man nun Täter oder Opfer sei. Nach weiteren ca. 10 Minuten wurde den Fans dann mitgeteilt, dass man doch nicht auf das Präsidium müsse und die Feststellung des Tatbestandes vor Ort vollzogen werden könne. Die Personalien wurden erneut festgestellt und Fotos von den Fans angefertigt. Die Polizei schrieb aus der Sicht der Bielefelder Fans Fakten zum Tatverlauf auf. Die Bremer Fans wurden allerdings nicht zur Tat befragt, so dass nur eine subjektive Meinung aus Sicht der Bielefelder Fans notiert wurde. Das Abfotografieren der Fans wurde vor Ort in Nähe des Polizeiautos vollzogen. Dies dauerte wiederum ca. 15 Minuten, so dass die Fans ungefähr nach einer Stunde wieder entlassen wurden und sich auf den Weg machen durften.
Während dieser Entwicklungen an den Gefängniswagen schwankte die Stimmung an der Unterführung mehrfach. Die Wartenden fingen zunächst an zu singen und zu tanzen, um sich die Zeit zu vertreiben, da willkürliche Festnahmen doch inzwischen schon zur traurigen Gewohnheit geworden sind. Währenddessen wurden sie eingekesselt und man merkte vielen Polizisten die Anspannung bereits sichtlich an.
Plötzlich wurde ein Bremer Fan von mehreren Polizisten angegriffen und zu Boden gerissen. Die eskalierte die Situation und nahezu alle anwesenden Polizisten rannten blindlings in die feiernde Bremer Menge rein und verteilten munter Knüppel- und Faustschläge. Zusätzlich wurde massenhaft Pfefferspray versprüht, was in geschlossenen Räumen immer eine besonders intelligente Lösung ist; vor allem vor dem Hintergrund, dass Bahnhöfe ja nur von Schwerverbrechern a.k.a. Fußballfans benutzt werden. Weswegen diese Maßnahmen seitens der Polizei so durchgeführt werden mussten, wurde den anwesenden Bremer Fans zu keinem Zeitpunkt mitgeteilt.
Aus der Gruppe der Fußallfans wurde dann wiederum eine gute Hand voll Leute in vorläufiges Gewahrsam genommen. Als Augenzeuge muss ich sagen, dass ich erschüttert bin, wie mit den wahllos ausgewählt wirkendenden Personen seitens der Polizei umgegangen wurde. Menschen wurde der Kopf minutenlang in Richtung Nacken gezogen, als handele es sich um Hannibal Lector. Ein Anderer versuchte bei seiner Ingewahrsamnahme seine Brille zu schützen, indem er sie hochhielt. Dieses wurde seitens eines Beamten damit beantwortet, dass er ihm die Brille aus der Hand riss, sie auf den Boden schmiss, um anschließend anständig darauf herumzutreten.
Diese Personen wurden dann zur Wache oder zu den Gefängnistransportern gebracht, erkennungsdienstlich behandelt und gerade so freigelassen, dass alle Bremer die letztmögliche Verbindung gen Bremen nutzen konnten. Der Rest der Bremer Fans wurde dementsprechend mehrere Stunden am Bahnhof auf einem Gleis am Bielefelder Bahnhof festgehalten. Während der meisten Zeit war es den Fans nicht erlaubt, die sanitären Anlagen des Bahnhofs aufzusuchen oder sich mit Proviant einzudecken.
Fassungslos und voller Wut auf den Staat fuhren dann die Bremer Anhänger ruhig, trotz des unwohlen Bewusstseins noch immer in Begleitung derselben Staatsdiener zu sein, welche vorher die rechtlichen Grundsätze, die sie eigentlich verteidigen sollten, kräftig mit Füßen getreten hatten, zurück in die Heimat.
Noch Tage nach den Vorfällen am Bielefelder Hauptbahnhof herrscht Fassungslosigkeit bei den Betroffenen darüber, dass auf am Boden liegende Personen, die teils minderjährig waren, mit Knüppeln eingeschlagen wurde. Darüberhinaus gibt das provokative und aggressive Verhalten, dass viele Beamte an den Tag legten, doch zu denken. Was wird diesen Menschen (so dieser Begriff aufgrund des wenig menschlichen Verhaltens noch zutrifft) erzählt, mit wem sie es zu tun haben, dass eine derartige Angriffslust nachzuvollziehen ist? Wieso werden wahllos Leute verhaftet, die sich sogar abseits des Ortes der Eskalation befanden? Wieso sind in solchen Momenten weder Fanbeauftragte noch Zivilbeamte vor Ort, um eine derartige Eskalation zu verhindern? Oder warum (für den seltenen Fall, dass sie vor Ort sind) wird Ihnen kein Gehör geschenkt? Kann ein Staat, der für derartige Handlungen verantwortlich ist, weiterhin Rechtsstaat genannt werden, wenn bspw. nach der Durchführung polizeilicher Maßnahmen die Motive für die geschilderten Aktionen noch aus den Fingern gesogen werden müssen? Die Vorwürfe Körperverletzung, Widerstand gegen die Staatsgewalt und Gefangenenbefreiung dürfen auf jeden Fall durch die Bank als aus der Luft gegriffen betrachtet werden.
Zu hoffen bleibt einzig und allein, dass die Verfehlungen der Beamten keine Stadionverbote nach sich ziehen. Die Grenzen des Rechtsstaates zu erkennen ist schon hart genug, insbesondere für jugendliche Mitmenschen. Aufgrund dieser Grenzen dauerhaft in seinem Leben und der Ausführung seiner Hobbys beschränkt zu sein, ist noch um ein Vielfaches härter.
Fansmedia Bremen
Vielleicht kann man in diesem Fred mal mehrere solcher Aktionen im Verlauf der Saison sammeln.




