Politik und Fußball in Bremen

@syker1983


Daß der Fußball vor den entscheidenden Massnahmen nicht nur bei Pyros zurückscheut, ist in der Tat kein werderspezifisches Problem. Jedoch wenn jeder beim ersten Schritt auf den anderen wartet, dann wird sich dahingehend auch nichts ändern. Und daß bei einem Spiel des Chemnitzer FC eine Schweigeminute für einen bekannten Neo-Nazi abgehalten werden konnte bzw. rechtsextreme Ultras die Fanszene von Energie Cottbus kontrollieren, ist auch eine Folge dieser Passivität von Verbands-/Vereinsoberen - und es ist gänzlich nicht auszuschließen, daß dies bei der bisherigen Passivität keine Einzelfälle bleiben, egal ob politisch motiviert oder nicht.
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Ich verstehe den Vergleich nicht. In erster Linie wurde dort eines Toten gedacht. Ich finde es bedenklich, wenn wir bei Toten jetzt schon eine
Gesinnungsprüfung durchführen.
 
@syker1983

Einserseits zutreffend analysiert, andererseits offenbart es auch Widersprüche. Denn wenn die hohen/hochnäsigen Herren von Verbänden und Vereinen die Ultras nicht ernst nehmen, dann wäre es doch ein leichtes, die entscheidenen Maßnahmen gegen zündelnde Ultras umzusetzen, oder? Im Durchziehen von zweifelhaften Entscheidungen, gerade wenn es um das Thema Geld geht, sind sie doch auch nicht gerade zimperlich.

Ich sehe es wie Du, daß Pyro der Ausdruck einer Opposition gegenüber den Fußballmächtigen ist. Doch darauf baut die Frage auf, inwiefern die Pyromanen den Verein ernst nehmen, der ihnen scheinbar am Herzen liegt, aber gleichzeitig ihn mit ihrem Zündeln wiederholt massiv vorsätzlich schädigen? Werder durfte in den letzten 4 Jahren knapp 340.000 € an Strafen wegen dem Zündeln im Fan-Block zahlen, sieht so etwa Liebe zum Verein aus? Wohl kaum, den wenn man etwas ernsthaft mag oder liebt, egal ob ideell, materiel oder menschlich, schädigt man dieses nicht vorsätzlich.
Es ist wohl eher eine krude Machtdemonstration aus den Reihen der Ultras auf dem Rücken des von ihnen angeblich geliebten Vereins, um den Oberen zu zeigen, daß sie ihre eigenen Regeln / Vorstellungen haben und diese über die geltenden Regeln stellen. Somit tanzen die Zündler den Vereins-/Verbandsoberen auf der Nase herum, weil sie wissen, daß diese unpouläre Maßnahmen scheuen. Und das ist die eigentlich Krux der Sache, denn so entsteht der Eindruck, daß die Vereins-/Verbandsoberen sich von "Ultras + Pyros oder keine Stimmung" erpressen lassen. Doch gute Stimmung braucht keine Pyros. Wer das nicht glaubt, sollte sich mal die letzten WM- und EM-Turniere mit der Beteiligung der Mannschaften von Irland, Island und Nordirland in Erinnerung rufen. Z.B. bei der Euro 2012, wo ca. 20.000 irischen Fans beim Stand von 0:4 gegen Spanien ihre Mannschaft mit "Fields of Athenry" dermaßen singend abfeierten, daß selbst Tom Bartels für ein paar Minuten den Mund hielt.

Daß der Fußball vor den entscheidenden Massnahmen nicht nur bei Pyros zurückscheut, ist in der Tat kein werderspezifisches Problem. Jedoch wenn jeder beim ersten Schritt auf den anderen wartet, dann wird sich dahingehend auch nichts ändern. Und daß bei einem Spiel des Chemnitzer FC eine Schweigeminute für einen bekannten Neo-Nazi abgehalten werden konnte bzw. rechtsextreme Ultras die Fanszene von Energie Cottbus kontrollieren, ist auch eine Folge dieser Passivität von Verbands-/Vereinsoberen - und es ist gänzlich nicht auszuschließen, daß dies bei der bisherigen Passivität keine Einzelfälle bleiben, egal ob politisch motiviert oder nicht. Muß erst der Gesetzgeber eingreifen, daß es zu entscheidenden Maßnahmen kommt, so wie zB in England? Dort wurde das Hooligan-Problem nicht nur durch horrende Ticketpreisen und den Only-Seaters weitesgehend eingedämmt, denn u.a. herrscht in den Stadien ein striktes Alkoholverbot, schier unzählige Kameras filmen jeden Zuschauerplatz lückenlos, bei Top-Spielen sind bis zu 800, überwiegend vom Club bezahlte (!) Einsatzkräfte tätig, Stadionverbote fallen nicht unter das Hausrecht der Clubs, sondern werden strafrechtlich verhängt, so daß es zB auch möglich ist, daß schon an den Bahhöfen oder Zufahrtswegen randalierende Fans zu Stadionverboten verurteilt werden können.

Zum wiederholten Mal genauestens analysiert …….. danke für deinen Langmut! :tnx::top:
 
Das Bundesverwaltungsgericht hat den Weg für eine Kostenbeteiligung der DFL an Hochrisikospielen frei gemacht. Die Mehrkosten für die Polizeikräfte dürfen grundsätzlich in Rechnung gestellt werden. DFL-Geschäftsführer Christian Seifert (49) bezieht im großen kicker-Interview (Print-Ausgabe am Montag) Stellung und übt harte Kritik an Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (67): "Es wird Zeit, dass Herr Mäurer den Werder-Fans die Wahrheit sagt."

Noch wartet die DFL auf die schriftliche Begründung des Urteils des Bundesverwaltungsgerichts vom 29. März. Noch dessen Prüfung wird entschieden, ob danach das Bundesverfassungsgericht angerufen wird.

Herr Seifert, die Mehrheit der Bevölkerung ist für eine Beteiligung der Klubs an zusätzlichen Polizeikosten bei Risikospielen.

Das Thema hat unterschiedliche Dimensionen. Die öffentliche Wahrnehmung, die juristische Beurteilung und die finanziellen Konsequenzen. Ich verstehe, dass Menschen angesichts der im Umlauf befindlichen Summen und auch unschöner Bilder speziell im Umfeld einiger Stadien bei Risikospielen eine Kostenbeteiligung befürworten. Das müssen wir auch annehmen. Die öffentliche Meinung kann aber nicht der Maßstab für die juristische Beurteilung sein. Mir sagen sehr gute Juristen, das Urteil ist mit Blick auf gewisse gesetzliche Grundlagen in diesem Land ein Dammbruch. Namhafte Juristen raten uns, vor das Bundesverfassungsgericht zu gehen. Die finanzielle Dimension ist im Kontext unseres Gesamtumsatzes in der Tat überschaubar. Was aber klar ist: Es wird niemals einen Solidarfonds geben.

Dieser Vorschlag stammt von Bremens Innensenator Ulrich Mäurer.

Er wusste von Anfang an, dass Werder Bremen Veranstalter dieses einzelnen Spiels ist, um das es geht. Die DFL hat gar nicht die Möglichkeiten, auf Sicherheitsvorkehrungen dieses Spiels Einfluss zu nehmen. Die DFL zieht aus diesem Spiel auch keinen Gewinn. Monatelang hat Herr Mäurer die DFL als gewissenloses Unternehmen, das Milliardengewinne scheffelt, dargestellt. Eine simple Recherche reicht aber, um zu wissen, dass die DFL zwar Milliarden bewegt, aber knapp 94 Prozent davon an die Klubs ausschüttet. Die DFL hat keine Milliardengewinne. Hingegen erzielt Werder Bremen für das Land Bremen über 300 Millionen Euro Wertschöpfung. Und erst recht bedenklich wird es, wenn man weiß, dass die Freie Hansestadt Bremen an der Stadiongesellschaft beteiligt ist, Herr Mäurer sogar im Aufsichtsrat sitzt und es tatsächlich Bremen ist, das indirekt in der Stadiongesellschaft Gewinne realisiert aus diesem Spiel. Dann zu behaupten, die Gewinne lägen nur bei der DFL, das Land wolle Werder nichts Böses, das ist an Dreistigkeit nicht zu überbieten.

Was erwarten Sie von Herrn Mäurer?

Herr Mäurer hat mit diesem Urteil Werder Bremen einen Standortnachteil verschafft - dazu soll er stehen. Mit welchem Recht soll die DFL Vereine wie Sandhausen, Freiburg, Heidenheim oder Hoffenheim an einem Polizeieinsatz in einem anderen Bundesland beteiligen? Es wird Zeit, dass Herr Mäurer den Fans des SV Werder die Wahrheit sagt.

Quelle: Kicker
 
Nun hat DFL-Seifert im Interview zurückgeschlagen. Betroffen ist alleine Werder und es wird keinen Fonds geben. Er will sogar das Bundesverfassungsgericht anrufen laut Kicker-Interview. Das bleibt ihm unbenommen.
Am Ende des Tages hat das BVG schon ein weitreichendes Urteil gefällt, das nicht nur den Fußball betreffen kann und wohl auch wird. Zuallerst wird der SVW zahlen müssen. Das ist damit klar. Damit liegt der Ball wieder im Strafraum des SVW. HHG läuft in der DFL gegen eine Wand.
Nun muss der Kostenbescheid vom OVG Bremen auf seine Höhe überprüft werden.
 
Nun hat DFL-Seifert im Interview zurückgeschlagen. Betroffen ist alleine Werder und es wird keinen Fonds geben. Er will sogar das Bundesverfassungsgericht anrufen laut Kicker-Interview. Das bleibt ihm unbenommen.
Am Ende des Tages hat das BVG schon ein weitreichendes Urteil gefällt, das nicht nur den Fußball betreffen kann und wohl auch wird. Zuallerst wird der SVW zahlen müssen. Das ist damit klar. Damit liegt der Ball wieder im Strafraum des SVW. HHG läuft in der DFL gegen eine Wand.
Nun muss der Kostenbescheid vom OVG Bremen auf seine Höhe überprüft werden.
Ich sehe das nicht so einfach.
Der Adressat der Klage war die DFL Namens "DFL Deutsche Fußball Liga GmbH", demnach wäre die DFL erst einmal zahlungspflichtig.
Die "SV Werder Bremen GmbH & Co. KGaA" ist nicht Mitglied dieser GmbH. Nach meinem Verständnis müsste die DFL GmbH der Werder KGaA demnach eine Rechnung schreiben und dann könnte es spannend werden. Mir will nicht eingehen, das Zahlungs-Ansprüche einfach so weiter gegeben werden können und der Empfänger damit aus der Verpflichtung entlassen wäre. Es bleibt spannend.
 
Soll er mal machen. "Namhafte" Juristen hätten ihm dazu geraten. Und das bevor es die Urteilsbegründung gibt. Also entweder labert der Kerl Unsinn oder die "namhaften" Anwälte sind Scharlatane.
Also ich wäre ja für eine neue "Firmenkonstellation" des Vereins. Zuständiges Firmenbüro in Niedersachen und alle Gewinne zur Besteuerung dort hin. Da läßt sich doch bestimmt was drehen. Mal sehen was der Herr Mäurer dann sagt.
 
Also ich wäre ja für eine neue "Firmenkonstellation" des Vereins. Zuständiges Firmenbüro in Niedersachen und alle Gewinne zur Besteuerung dort hin. Da läßt sich doch bestimmt was drehen. Mal sehen was der Herr Mäurer dann sagt.

Oh ja, Erpressung. Eine tolle Idee. Wenn mir die Rechtssprechung nicht passt, dann halte ich die Luft an und werde bockig. Hälst du das nicht für ein wenig infantil?
 
Oh ja, Erpressung. Eine tolle Idee. Wenn mir die Rechtssprechung nicht passt, dann halte ich die Luft an und werde bockig. Hälst du das nicht für ein wenig infantil?
Nein, halte ich nicht, da ich diese Rechtsprechung höchst suspekt finde. Wer definiert denn demnächst was ein Risikospiel ist, wie viel Polizisten da sein müssen.... Außerdem ist an einem "Hochrisikospiel" auch nicht der gastgebende Verein alleine in der Verantwortung, sondern der Gast ebenso.

Wird demnächst der Kirche der Polizeieinsatz in Rechnung gestellt, wenn der Papst zu Besuch kommt? Ich bin evangelisch und möchte meine Steuergelder, nicht dafür verschwendet wissen...............

Das ist genau der Weg, den das Gericht nun geöffnet hat, und ob ich den richtig finde, weiß ich nun wirklich nicht.
 
da ich diese Rechtsprechung höchst suspekt finde

Was genau daran?

Wird demnächst der Kirche der Polizeieinsatz in Rechnung gestellt, wenn der Papst zu Besuch kommt?

Der Papst ist eine kommerzielle Veranstaltung?

Und zu der anderen Frage wer was definiert: Das steht in dem entsprechenden Bremer Gesetz. In den anderen großen Ligen Europas ist es übrigens länger schon üblich, daß die Vereine sich an Mehrkosten beteiligen. Und auch in Deutschland gibt es lange schon Regelungen nach denen eine Gebühr anfällt wenn man die Polizei anrücken lässt. Einfachstes Beispiel: Bagatellschaden an deinem Auto und du rufst die Polizei. Dafür darfst du bezahlen.
 
Was genau daran?



Der Papst ist eine kommerzielle Veranstaltung?

Und zu der anderen Frage wer was definiert: Das steht in dem entsprechenden Bremer Gesetz. In den anderen großen Ligen Europas ist es übrigens länger schon üblich, daß die Vereine sich an Mehrkosten beteiligen. Und auch in Deutschland gibt es lange schon Regelungen nach denen eine Gebühr anfällt wenn man die Polizei anrücken lässt. Einfachstes Beispiel: Bagatellschaden an deinem Auto und du rufst die Polizei. Dafür darfst du bezahlen.

na, dass sich nun jedes Bundesland Gesetzte macht um an Geld zu kommen. Das sind Dinge, die gehören einfach auf Bundesebene geregelt und beschlossen. Meine Meinung.

Und ja, natürlich ist die Kirche für mich eine kommerzielle Veranstaltung.
Wenn ich bei einem Bagatellschaden am Auto, den mir jemand zugefügt hat, die Polizei rufe und dann den Einsatz bezahlen soll, warum muss das dann nicht die Kirche oder wer auch immer sonst, der sich seine Veranstaltung polizeilich sichern lässt auch?
 
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