@syker1983
Einserseits zutreffend analysiert, andererseits offenbart es auch Widersprüche. Denn wenn die hohen/hochnäsigen Herren von Verbänden und Vereinen die Ultras nicht ernst nehmen, dann wäre es doch ein leichtes, die entscheidenen Maßnahmen gegen zündelnde Ultras umzusetzen, oder? Im Durchziehen von zweifelhaften Entscheidungen, gerade wenn es um das Thema Geld geht, sind sie doch auch nicht gerade zimperlich.
Ich sehe es wie Du, daß Pyro der Ausdruck einer Opposition gegenüber den Fußballmächtigen ist. Doch darauf baut die Frage auf, inwiefern die Pyromanen den Verein ernst nehmen, der ihnen scheinbar am Herzen liegt, aber gleichzeitig ihn mit ihrem Zündeln wiederholt massiv vorsätzlich schädigen? Werder durfte in den letzten 4 Jahren knapp 340.000 € an Strafen wegen dem Zündeln im Fan-Block zahlen, sieht so etwa Liebe zum Verein aus? Wohl kaum, den wenn man etwas ernsthaft mag oder liebt, egal ob ideell, materiel oder menschlich, schädigt man dieses nicht vorsätzlich.
Es ist wohl eher eine krude Machtdemonstration aus den Reihen der Ultras auf dem Rücken des von ihnen angeblich geliebten Vereins, um den Oberen zu zeigen, daß sie ihre eigenen Regeln / Vorstellungen haben und diese über die geltenden Regeln stellen. Somit tanzen die Zündler den Vereins-/Verbandsoberen auf der Nase herum, weil sie wissen, daß diese unpouläre Maßnahmen scheuen. Und das ist die eigentlich Krux der Sache, denn so entsteht der Eindruck, daß die Vereins-/Verbandsoberen sich von "Ultras + Pyros oder keine Stimmung" erpressen lassen. Doch gute Stimmung braucht keine Pyros. Wer das nicht glaubt, sollte sich mal die letzten WM- und EM-Turniere mit der Beteiligung der Mannschaften von Irland, Island und Nordirland in Erinnerung rufen. Z.B. bei der Euro 2012, wo ca. 20.000 irischen Fans beim Stand von 0:4 gegen Spanien ihre Mannschaft mit "Fields of Athenry" dermaßen singend abfeierten, daß selbst Tom Bartels für ein paar Minuten den Mund hielt.
Daß der Fußball vor den entscheidenden Massnahmen nicht nur bei Pyros zurückscheut, ist in der Tat kein werderspezifisches Problem. Jedoch wenn jeder beim ersten Schritt auf den anderen wartet, dann wird sich dahingehend auch nichts ändern. Und daß bei einem Spiel des Chemnitzer FC eine Schweigeminute für einen bekannten Neo-Nazi abgehalten werden konnte bzw. rechtsextreme Ultras die Fanszene von Energie Cottbus kontrollieren, ist auch eine Folge dieser Passivität von Verbands-/Vereinsoberen - und es ist gänzlich nicht auszuschließen, daß dies bei der bisherigen Passivität keine Einzelfälle bleiben, egal ob politisch motiviert oder nicht. Muß erst der Gesetzgeber eingreifen, daß es zu entscheidenden Maßnahmen kommt, so wie zB in England? Dort wurde das Hooligan-Problem nicht nur durch horrende Ticketpreisen und den Only-Seaters weitesgehend eingedämmt, denn u.a. herrscht in den Stadien ein striktes Alkoholverbot, schier unzählige Kameras filmen jeden Zuschauerplatz lückenlos, bei Top-Spielen sind bis zu 800, überwiegend vom Club bezahlte (!) Einsatzkräfte tätig, Stadionverbote fallen nicht unter das Hausrecht der Clubs, sondern werden strafrechtlich verhängt, so daß es zB auch möglich ist, daß schon an den Bahhöfen oder Zufahrtswegen randalierende Fans zu Stadionverboten verurteilt werden können.