… in meinen Augen ist es kein Zufall, dass wir mit ihm in Dortmund richtig stark gespielt und gewonnen haben (so als Libero hinter der Viererkette, nette Idee von FK), ohne ihn in Leverkusen nichts gerissen haben und defensiv schwammen und heute, solange er im Spiel war, fast nichts zugelassen haben und dann mit seinem unwürdigen Ersatz Gondorf sofort wieder schwammen.
Er gibt dem Spiel defensive Stabilität …
Mutige Behauptungen.
- in Frankfurt arbeitet erst Kruse nicht mit nach hinten, dann führt ein taktischer Fehler Bargfredes dazu, dass der letzte Pass auf Rebic gespielt werden kann – das 1:0 aus dem Nichts, als Werder besser war
- gegen Hannover hat 96 seine erste Chance, als Bargfrede zuerst den ihm zugeordneten Maier nicht abschirmt, obwohl genügend Zeit und Platz war, und danach auch noch zu spät auf den Passgeber reagiert,
- gegen Hannover die Riesen-Ausgleichschance durch Harnik, als sich Bargfrede nach Ballverlust Delaney falsch im Raum verhält und der Stellungsfehler von Moisander das Ganze dann abrundet
- in Leipzig spielen sich die Gastgeber um unseren 44er herum gleich mehrfach frei, bis Demme mit der Riesenchance an Pavlenka scheitert
- in Leipzig sein Bock vor dem 1:0
- gegen Stuttgart die erste große Möglichkeit für den VFB, weil Bargfrede vollkommen falsch steht und nicht anspielbar ist, wodurch Pavlenka den Fehlpass spielt. Wenn die Innenverteidiger im Aufbau breit machen (na klar, was denn sonst), dann muss er als "abkippender Sechser" (wie es heute so schon heißt) den Ball abholen und nicht irgendwo auf Halbposition versteckt neben dem Gegenspieler herumstehen..
- gegen Stuttgart die Riesenausgleichschance in der 64. Minute, als Bartels nicht eröffnen kann, weil Bargfrede 3 Meter daneben steht, statt sich vernünftig zu positionieren (z. Bsp. anbieten in den Lauf, tiefer oder breit stehen…), somit Ballverlust und die dicke Möglichkeit für Brekalo -> am Ende kaschiert Bargfrede wenigstens seinen eigenen Bockmist, als er da noch rettet
- in Dortmund hebt er vor dem 1:1 das Abseits auf und lässt so zwei Spieler in seinem Rücken weglaufen
- in Dortmund ist Kagawa im Strafraum Bargfrede zugeordnet, was unseren 44er in seinem Rücken nicht im Geringsten interessiert -> gut dass Kagawa aus 3m vorm Tor Aubamayeng am Hinterkopf, statt zum 2:2 trifft
- in Dortmund legt Bargfrede in der Nachspielzeit für Kagawa auf, der das 2:2 verpasst
- gegen Mainz übergibt Delaney Öztunali korrekterweise an Augustinsson, doch Öztunali wird mit dem Rücken zum Tor angespielt, wodurch Augustinsson nicht hinkommt. Nur kann sich Öztunali drehen und abschließen, weil Bargfrede den Spieler im Rückraum anvisiert, den er aber laufen lässt, und sich schließlich völlig falsch zu Ball und Öztunali stellt -> zum Glück landet das Ding nur an der Latte
- gegen Freiburg erkennt Bargfrede viel zu spät, dass nur Kapustka angespielt werden kann, jener Kapustka, der dann die Großchance für Petersen serviert
- gegen Freiburg schafft er es nicht zuzustellen, so dass Kübler in die Gasse zwischen Eggestein und Bargfrede geschickt wird und anschließend unbedrängt im 16er passen kann -> ob der Elfmeter dann zum 1:2 einer war, sei mal dahin gestellt (für mich grenzwertig, würde eher sagen nein)
- gegen Freiburg sein Fehlpass ohne Not vor dem 2:3, was Freiburg zum zweiten Mal aus dem Nichts ins Spiel zurückholt
Das sind nur ein paar Szenen von etlichen, und nur die aus den letzten 8 Spielen, welche direkt zu Torchancen oder Gegentoren führten. Und ganz sicher nicht für defensive Stabilität sorgten. Was aber für Deine These spricht, ist:
- er greift die Gegenspieler in der Umkehrbewegung an, was bspw. Eggestein viel zu selten macht
- seine Ballsicherheit und die Fähigkeit gut abzuschirmen sorgt durchaus für Kompaktheit im Gefüge
Beides gleicht die taktischen und spielerischen Unzulänglichkeiten von PB manchmal aus. Manchmal ja.
Natürlich konnte Kohfeldt Bargfrede in Dortmund und in Leverkusen nicht auf 6er bringen, weil deren Spieleröffner diese Gasse schnell gefunden und bespielt hätten. Der war auch nicht in Leverkusen angeschlagen, behaupte ich. Wir haben dort schlecht ausgesehen, weil uns in diesem Vergleich deutlich Ballsicherheit fehlte, das System nicht auf die Leverkusener Stärken abgestimmt war, wir kein Tempo in den Umkehrfußball bekamen und die hinten nicht beschäftigen konnten. Und weil wir schlimme Leistungen von Kainz, Selassie oder Sane mit durchschleppen mussten.
Im Übrigen fand auch ich es zunächst eine nette Idee von Kohfeldt, in Dortmund mit dem zentralen Spieler Bargfrede in der Dreierkette. Verblüffend war dann aber (nicht nur wegen der Statistiken), dass wir in Leipzig, gegen Stuttgart oder Hannover noch die Torschüsse frei vor dem Raum zwischen Abwehr und OM zugelassen haben, während wir in Dortmund ähnliche Schwierigkeiten, nur unmittelbar vorm Tor hatten. Zum Glück waren die völlig verunsichert.
Bargfrede gegen Mainz im DM zu bringen, hat wieder Sinn gemacht, fand ich. Und sehe es wie Kohfeldt, dass uns da sein Ausfall wehtat. Aber nicht weil allein PB grandios gespielt hat, sondern aufgrund der Positionsverschiebungen. Eggestein mit Organisation und Delaney mit gutem Auge und Antizipation haben Mainz im Spielaufbau extrem effizient gestört. Als Delaney dort weggenommen wurde, verlor Werder die Kontrolle und Mainz kam in die Partie, was letztlich ausschlaggebend war. Das hat Kohfeldt etwas vercoacht mMn.
..gewinnt wichtige Zweikämpfe
Jein.
Wenn er die wichtigen Zweikämpfe oft führen würde, würde ich dem zustimmen. Das ist aber (noch) zu oft nicht der Fall. Dass er viele Zweikämpfe gewinnt, ist dagegen unstrittig.
.. und leitet den Ball schnell weiter.
Grundsätzlich eine Eigenschaft, die durchaus sehr wichtig sein kann. Vorausgesetzt es passiert mit Sinn und Verstand. Davon kann aber bei Bargfrede nur selten die Rede sein. Das Problem beginnt eigentlich schon bei seiner Positionierung, bevor er den Ball überhaupt bekommen kann. Es tut manchmal weh mit anzusehen, wie Moisander, Vjelkovic & Co nicht vernünftig eröffnen können, weil Bargfrede entweder falsch steht (bspw. zu eng) oder sich hinter dem Gegenspieler versteckt. Und wenn am Ball, spielt er zwar sauber, aber es kommt gerade auf den kurzen Wegen viel zu viel Unfug dabei raus. Die Kunst den falschen Mann anzuspielen, die Mitspieler in Bedrängnis zu bringen und solche Sachen. Den Raum nicht zu sehen.. Sein "Tunnelblick" lässt eben nur eine Spielübersicht von ca. 30 Grad und 10m vor/ um ihn zu. Das ist fatal, weil es gut als ausgemachte Pressingfalle oder mit Ball zum Überspielen für taktisch und spielerisch versierte Gegner taugt.
Einer der besten DMs der Liga...
Tut mir leid, aber das halte ich für Unsinn. Jedenfalls fällt mir auf den ersten Blick kein einziger zentraler Stamm-Mittelfeldmann der Liga ein, mit solchen spieltaktischen Defiziten, wie sie Bargfrede uns regelmäßig präsentiert. Eigentlich reicht schon die Hinrunde 2015/16 im Vergleich zu Darmstadt, als z. Bsp. ein gewisser Gondorf das dümmliche Bargfrede- Gekicke über 10 bis 12 Spiele in den Schatten stellte. Mit einfachstem Fußball und schwachen Nebenleuten. Und ohne herausragende Spielintelligenz. Natürlich ist Bargfrede im Vergleich zu Gondorf der klar bessere Fußballer. Offenbar aber auch der Dümmere.
Demgegenüber stehen allerdings Stärken Bargfredes, veranschaulicht bspw. in:
- seiner Balleroberung gegen Hannover und anschließendem Assist zum 2:0
- seinem Ballgewinn gegen Stuttgart, was Werder die erste Torchance beschert
- seinem Tor zum 1:0 gegen Mainz
- seinem Rückraum-Torschuss aus 25m gegen Freiburg
- seinem Anlaufen, Ballgewinn und anschließendem Tor zum 3:1 gegen Freiburg
Szenen im letzten Spielfelddrittel, im hohen Pressing oder Gegenpressing. Dort wo Bargfrede seine Physis, sein technisches Zweikampfverhalten, seine Passqualität (auf einfachen Wegen!) ausspielen kann und inzwischen sogar für Torgefahr sorgt. Wo er wenig über Spielzüge denken muss und hauptsächlich intuitiv reagieren kann. Da liegen seine Stärken. Nicht auf der Sechs. Gerade das letzte Spiel gegen Freiburg hat die Diskrepanz der Stärken und Schwächen Bargfredes ziemlich gut aufgezeigt.
Genau deshalb wäre Bargfrede in Hoffenheim mE der ideale Ersatz in der Delaney-Rolle.
und ohne ihn fehlt Werder ein ganz wichtiger Mann. Lasst alle von Delaney, Grillitsch und Eggestein schwafeln, Bargfrede ist wichtiger für Werder.
Wer schwafelt das? Der einhellige Tenor – so nehme ich es jedenfalls wahr - sind doch eher die nicht enden wollenden Lobgesänge. Der taktisch versierte und spielmachende Sechser. Der Überspieler der Liga. Der praktisch in der N11 vor Kroos und Khedira gesetzt und längst bei Barca, ManU oder Juve im Stamm, wenn er fit geblieben wäre. Selbst im worum (vor Jahren) stand PB 44 in meiner Erinnerung bereits mehrfach kurz vor der Seligsprechung.
Und auch die "Kerzenanzünd-dass-er-sich-nicht-verletzt" – Fraktion, weil wir ohne Bargfrede kein Spiel gewinnen können, ist doch in großer Mehrheit vertreten oder?
Das geht zwar an der Realität vorbei, denn gerade in jüngerer Vergangenheit waren wir ohne PB 44 erfolgreicher, darüber hinaus mit besserem Fußball. Aktuell haben wir punktemäßig die schlechteste Hinrunde der Vereinsgeschichte von 15/16 gerade erst wiederholt. Beide Hinrunden übrigens weitestgehend mit dem Stamm-6er Bargfrede. 2016 bekamen wir die Kurve nach der Auswechslung Bargfredes zur Halbzeit auf Schalke, spielten danach die beste Rückrunde seit 8 Jahren. Und 2017 war die Rückrunde ebenfalls erfolgreich. Bis zu den letzten 4 Spielen und der Bargfrede-Rückkehr. Das wiederrum ist in meinen Augen kein Zufall.
Aber egal. Der allgemeine Fan-Mainstream spricht ne andere Sprache. Eine, die Dein Beitrag exzellent bedient.