Bei Bremen dagegen hatte Grillitsch dort wegen des Nachrückens von Fritz in Richtung Holtby nicht immer genug Unterstützung. Allerdings schien Werder die Szenen gar nicht so sehr über den zuschiebenden Rückzug regeln zu wollen. In einer diesmal insgesamt sehr mannorientierten Ausrichtung gingen immer wieder direkt die Innenverteidiger herausrückend in die Kopfballduelle mit Gregoritsch und Co. Dieses Vorgehen setzte auf die Dynamik gegen die Ballrichtung, war in der großräumigen Konstellation und ohne weitere Absicherung aber auch sehr riskant. Schon ein erfolgreicher Luftzweikampf von Gregoritsch oder auch mal Lasogga, bei dem der Ball unangenehm verlängert würde, konnte gefährliche Folgen haben.
Im Verlauf der ersten Halbzeit hatte Bremen so mehrere brenzlige Szenen zu überstehen und in der Anfangsphase, als sich der HSV mit vielen langen Bällen erstmals vorne festsetzte, war das schnelle 1:0 genau das Paradebeispiel für die Problematik: Drobny schlug den Ball nach rechts, wo Gregoritsch sogar bis auf den Bremer Linksverteidiger wich. So konnte Djilobodji nicht so gut eingreifen, Gregoritsch verlängerte und Nicolai Müller wurde hinter García frei, um in den Raum zu starten – ein offener Durchbruch. Im Ansatz spielten auch die in vielen anderen Szenen auffallenden Mannorientierungen mit, deren zu klare Ausführung destabilisierend wirkte.
Die Probleme zu klarer Zuordnungen

Grundformationen erste Halbzeit
Das zeigte sich an verschiedenen Stellen. Bremen verteidigte häufig in klaren Zuordnungen gegen den Mann, so etwa gegen die langen Bälle in der Viererkette. Es fehlte an Unterstützung aus den vorderen Linien, wo sich die Spieler nicht immer so sehr an einzelnen Gegnern orientierten, sondern als Mannschaftsteil etwas schematisch an der gegnerischen Linie. Szenen wie vor dem 1:0 waren daher schwieriger abzusichern. Auch auf den Flügeln wirkten sich die Mannorientierungen aus. Bremens Außenverteidiger hatten Probleme mit ihren einrückenden Hamburger Gegenspielern – wie weit sollten sie folgen? Manchmal hatten sie keinen Zugriff auf deren Dribblings, manchmal öffneten sie die Außenbahn. Gerade die linke HSV-Seite tat sich hervor, daraus Kapital zu schlagen.
Über Ostrzoleks Vorstöße und nach außen gehende Rochaden Holtbys ließen sich die dortigen Lücken attackieren. So bereitete der Mittelfeldtechniker kurz vor dem 2:0 einen gefährlichen Lasogga-Kopfball mit einer Flanke vom Flügel vor. Auch der zweite Treffer selbst entstand aus diesem Bereich, jedoch unter anderen Vorzeichen – aus einem Konter. Dass Bremen den erfolglosen Vorstoß von Gebre Selassie nicht ausreichend absichern konnte, lag an schwachem bzw. eher fehlendem Gegenpressing. Statt die Ballrückeroberung zu suchen, schienen sie schnell wieder in ihre Grundzuordnungen kommen zu wollen. Das machte in der Situation aber wenig Sinn: So verhinderten die Mannorientierungen erst das Gegenpressing und in der Rückzugsbewegung auch noch das Zuschieben des Flügels.
Eine letzte Negativwirkung gab es schließlich im Anlaufverhalten, bei dem Werder die erste Aufbaureihe des Gegners sehr klar stellte: Sprang der Ball ins Mittelfeld zurück, waren sie in ihrer Rückzugsbewegung dort oft einen Schritt zu spät, um noch die Ballungszone verdichten zu können, stattdessen wurden die Hamburger Sechser offen und konnten wiederum von den Stürmern der Gäste noch nicht unmittelbar rückwärtsgepresst werden. So fand Bremen in den Bewegungen der Linien zueinander nicht ausreichend Kohärenz. Der HSV konnte darüber zwischendurch wieder Kontrolle aufbauen und den Gegner zurückdrängen. Daher hatte Bremen vor der Pause lange Zeit große Probleme, mit Zugriff ins Spiel zu kommen, sondern lief oft einen Schritt hinterher.