Ich habe den Eindruck, dass hier immer noch viele in der Zeit stehen geblieben sind und mehr von Werder erwarten als möglich ist. Das beziehe sich nicht auf das Spiel von gestern, sondern auf die komplette Saison. .
Unter der Vermutung, dass du als Erwartungshaltung die Zeiten meintest, in denen Werder noch zu der Spitze des deutschen Fußballs gehörte, gibt es deren zwei davon:
Die Erwartung, dass Werder wieder an die Spitze der Bundesliga zurückkehren, sehe ich ebenfalls als überzogen an. Jedoch habe ich auch nicht den Eindruck, dass solche Erwartungen geäußert geschweige denn in dem Maß geäußert werden, dass sie eine "5%-Hürde" überwinden könnten.
Wo ich jedoch eine breit gefächerte Erwartung sehe, ist die, dass Werder zu dem zurückkehrt, worin die einst die guten Jahre begründet waren: kluge, weitsichtige Transfers sowie einer zielführenden Nachwuchsförderung. Letztere geöhrte zusammen mit der vom VfB Stuttgart zu den Vorzeigeobjekten in Deutschland, was u.a. auch daran zu erkennen war, dass die U23 (vorher Werder Amateure) zu den Spitzenteams in der drittklassigen Oberliga Nord gehörte bzw. später sich als eine der ganz wenigen U-Mannschaften der zumindest ein paar Jahre in der 3. Liga halten konnte. Und heute? Steckt Werders U23 nach einem 0:2 im Derby beim Bremer SV am Panzenberg in unmittelbarer Nähe der Relegationsplätze in der viertklassigen Regionalliga - während z.B. die U23 vom SC Freiburg in der 3. Liga oben mitspielt. Auch das sagt einiges darüber aus woran es bei uns hapert. Das ist nicht gleichbedeutend mit einer Erwartung, das Werder gleich wieder um Europa mitspielt. Jedoch bin ich überzeugt, dass eine Rückbesinnung auf die Tugenden, die einst Werders Stärken waren und in Zeiten, in denen Geld eine oft gewichtige Rolle spielt, umso wichtiger für Werder ist und somit bzw. generell keine überzogene Erwartung darstellt. Denn wenn das einigermaßen funktioniert, wird das Gros der Werder-Fans zufrieden sein, egal ob eine Saison auf Platz 8 oder 12 endet.
Letztendlich ist Werder Aufsteiger und müsste nach MW auf dem Relegationsplatz landen. Mit Stuttgart, Augsburg,Hertha, Hoffenheim hat Werder 4 Mannschaften unter sich, die eigentlich vor Werder stehen müssten. Nur Schalke und Bochum haben einen niedrigeren MW.
Das Hauptproblem bei Werder scheint die Konzentrationsfähigkeit vieler Spieler zu sein. Sie können nicht 90 Minuten vollkonzentriert auftreten und die Gegner nutzen das eben auch brutal aus.
Ist eine der Frage der nicht ausreichenden Fähigkeit oder der einigermaßen Konstanten Bereitschaft dazu? Ich vermute eher letzteres, denn wenn es den Spieler generell an der Fähigkeit zu Konzentration fehlt, hätten die wenigen guten Spiele / Ergebnisse wohl eher nicht stattgefunden.
Übrigens war ich gestern im Panzenbergstadion beim v.g. Regionalliga-Derby Bremer SV - Werder II. Und nicht nur wegen der Trikots Blau-Weiß vs. Lachsfarben erinnerte mich diese Partie an das Bundesliga-Spiel Schalke - Werder, denn auch Werders II. agierte gegen einen fokussierten, leidenschaftlichen Gegner sehr phlegmatisch und verlor dementsprechend mit 0:2. Diese Parallelen mögen natürlich Zufall gewesen sein ,machte einem jedoch auch deshalb nachdenklich, weil Werder II mit 3,05 Mio. € über den höchsten Marktwert der RL Nord verfügt und trotzdem nach dieser Niederlage bim BSV (MW 0,63 Mio, €) sich wieder im Abstiegskampf befindet.
Es ist kein Vergleich zu der Abstiegssaison, wo sie in den letzten 10 Spielen eigentlich von Anfang an chancenlos waren. In der Hinrunde sind eben weniger Fehler passiert und daher konnte Werder mehr Punkte sammeln, Szenen, die in der HR noch gut für Werder ausgingen, gehen aktuell zu Ungunsten Werders auch. Aber irgendwo auch normal bei einer Mannschaft, die eben nicht durchgängig mit Klassespielern gespickt ist. Um das zu verändern, muss man eben einfach ein Händchen für talentiertere Spieler haben.
Aber eins ist auch klar..Werner muss sich für die kommende Saison auch reflektieren und schauen, ob er dieses System so weiterspielen lässt...
Na ja, bei der Anzahl von Gegentoren, Heimniederlagen und einem Kader der im Laufe einer Saison eher stagniert als sich weiterentwickelt, sind Parallelen zum Abstiegsjahr schon erkennbar. Auch wenn im Fall eines Klassenerhalts die Perspektiven etwas besser... weniger schlecht sind, als vor 2 Jahren. Doch diese können nur dann genutzt werden, so wie du richtigerweise auch schreibst, wenn OW sich selbst reflektiert. Doch nicht nur er, sondern auch sowohl seine verantwortlichen Vorgesetzten als auch die Mannschaft. Denn eine nachhaltige Besserung ist nur dann möglich, wenn alle Zahnräder ineinandergreifen.