Natürlich ist es naiv wenn man nur vom Optimalfall ausgeht. Ein Sicherheitskonzept muss immer ein Fehlverhalten einzelner berücksichtigen und jegliches annähernd realistisches Szenario abdecken. Alles andere wäre grob fahrlässig.
Es gibt ja auch noch andere Szenarien als die von Fans durchbrochene Blocksperre. Was ist denn wenn es zu einem Brand kommen sollte? Auch dann werden sämtliche Zuschauer aus dem Block auf die Treppe zustürzen und versuchen über diese zu flüchten. Ist dieses dann auch ein Szenario wo der Fan schuld hätte?
Ich weiß auch gar nicht wo du da nun weitere Einschränkungen für die Fans siehst. Eventuell reicht es ja schon aus die Blocksperre 5 m versetzt durchzuführen. Da wären dann die Einschränkungen nicht größer als es jetzt der Fall ist.
Jedes Sicherheitskonzept geht von einem Fehlverhalten einzelner aus, sonst wäre es ja hinfällig, ein Sicherheitskonzept zu erstellen! Und jetzt stellt sich doch die konkrete Frage, was du unter einem "annähernd realistischem Szenario" betrachtest. Im durchgeregelten Deutschland ist numal alles geregelt. An Fluchtwege werden bestimmte Vorraussetzungen geknüpft. Ein Stadionbau ist genehmigungspflichtig und muss natürlich gewisse Kriterien erfüllen. Insofern hoffe ich, dass die drei Treppen dieses Gästefanblocks durchaus ausreichend sind, um bei einem Brand als Fluchtweg zu dienen, sonst wäre deren Bau wohl so nicht abgenommen worden. Ich glaube Deutschland müsste bei der Regelungen der Sicherheitswege bei Neubauten ganz ganz weit vorne liegen, was ein Grund ist, warum man die Regelungswut der deutschen im Ausland so gerne belächelt.
Nichtsdestotrotz birgt eine Menschenmenge von 4000 Leuten, hier kommt noch erschwerend hinzu "Fußballfans der Auswärtsmannschaft bei einem Risikospiel", immer ein Gefahrenpotenzial, welches man nicht so ohne Weiteres abschätzen kann. Wenn man hier höhere Sicherheit möchte, dann bedeutet dies mehr Polizisten, intensivere Vorkontrollen, möglicherweise Alkoholverbot für Stadionbesucher, ein Separieren der Menge in kleinere Gruppen etc. etc. Da kannst du die Sperre versetzen wohin du möchtest, wenn 4000 Leute dagegen drücken, ist da keine Sperre mehr. Und dass bei einer in Wallung geratenen Menschenmenge Leute stürzen und totgetrampelt werden, weiß man nicht erst seit dem Werder-Spiel. Also müßte man früher in den Block rein mit noch mehr Polizei, einzelne Gruppen Separieren, die Stress machen, eventuell auch Festnahmen, um so etwas auch nur annähernd ausschließen zu können. Schöner wäre es doch, wenn die Fans das selber regeln könnten wie Erwachsene.
Wie gesagt, denkbare Szenarien gibt es tausende. Dafür ein Sicherheitskonzept zu erstellen ist unmöglich. Es ist und bleibt immer ein Kompromiss, bei dem so etwas passieren kann, wenn die Fans da sone "Scheiße bauen".