Yps-Gimmick
Wetten, dass? - Moderator
Jetzt kommen alle Aktivisten aus ihren Löchern. Die Presse geilt sich an ihren Schlagzeilen auf, im Fernsehen können Organisationen wie Greenpeace ihre Idelogien jedem Sender erzählen und ehemalige Bundesumweltminister die nicht wie ihre Parteifreunde in Lobbyverbänden und in der Energiewirtschaft untergekommen sind, klopfen große Sprüche. Die Menschen in Japan haben keinen Strom, die Lebensmittelversorgung wird schwierig, ganze Landstriche sind nicht mehr. Die Menschen dort brauchen Hilfe und hier wird instinktlos über die eigene Energieversorgung diskutiert. Wem ist jetzt damit geholfen? Diese Diskussion kann gerne in ein paar Wochen geführt werden. Aktuell gibt es andere Dinge zu tun, aber scheinbar interessiert sich in diesem Land keiner für 500.000 (!) Obachlose und 6 Millionen ohne Stromversorgung.
Stattdessen reisst der häßliche Deutsche wieder seine Maske runter und meint den Japanern erzählen zu wollen, wie doof sie doch sind und für wie doof ihre Regierung sie doch verkauft. Von Hilfe ist nicht die Rede...schlimm, ganz schlimm.
Tur mir leid, aber ich kann Dir hier nicht ganz folgen. Dieses ewige Gerede, in dem sich "Besserdeutsche" als erstes gerne über die Mentalität der eigenen Landsleute aufregen, sie als "häßliche Deutsche" bezeichnen und sich quasi als etwas Besseres fühlen und aufführen, geht mir langsam auf den Senkel.
Wo ist denn nicht die Rede von Hilfe? Was denkst Du denn, was der THW dort drüben gerade macht? In kurzen Hosen, Sandalen und Strümpfen Handtücher über Liegestühle werfen? Die helfen dort, das DRK und andere Organisationen auch. Und es gibt hierzulande viele Menschen, die zumindest spenden. Was soll der Ottonormalverbraucher sonst auch machen hierzulande? Hinfliegen?
Wann dürfen wir denn Deiner Meinung nach Auswirkungen auf die deutsche Innenpolitik wieder diskutieren? In 5 Wochen? In 10 Wochen? Gibt es da eine allgemeingültige Regel? Und was hilft das bitteschön denn den Japanern mehr, wenn wir nicht über Auswirkungen bei uns sprechen? Du tust so, als gäbe es da ein entweder oder? Entweder, wir diskutieren über uns, oder wir helfen anderen. Ich habe die Tage sowohl Geld an das DRK gespendet, als auch mir erlaubt, über deutsche Atomkraft zu diskutieren. Warum macht mich das jetzt zum häßlichen Deutschen? Bin ich ein besserer Deutscher, wenn ich zwar spende, aber nicht diskutiere und mir stattdessen von morgens bis abends nur die Horrobilder aus Japan reinziehe?
Ich glaube, dass kein Teilnehmer der Diskussionen, die in Deutschland stattfinden aktuell, das Leiden in Japan vergisst oder hauptsächlich als politische Chance begreift. Dass Du hier kollektiv einem ganzen Volk unterstellst, sich nicht für die Katastrophe dort zu interessieren oder gar zu helfen, ist in meinen Augen gelinde gesagt widerwärtige Polemik.
Eines noch: Wenn sowas in Deutschland passieren würde: die Polizei müsste mit Schußwaffen die Trinkwasserausgabestellen bewachen. Die Leute würden sich gegenseitig umbringen für Nahrungsmittel und in vollkommene Panik verfallen und was weiß ich was noch alles passieren würde. Das zivilisiert Japan bewahrt Haltung.
Abgesehen davon, dass die japanische Mentalität schon wirklich recht speziell ist, weiß ich nicht, was hierzulande (oder in anderen europäischen Ländern - verstehe da Deine Versteifung auf Deutschland nicht so ganz) passieren würde. Da will ich mir auch kein Urteil erlauben.



