Naturkatastrophen

Die Kernkraft ist eben nicht endgültig beherrschbar, das sieht man doch gerade. Wer beherrscht den just die Kernschmelze dort? Die wissen doch nicht einmal mehr, was da genau passiert, weil sich keiner mehr an das Ding herantraut. Meerwasser hineinzuleiten ist doch eher ein Akt der Verzweiflung, als eine geplante Maßnahme aus dem Lehrbuch.

Und auch die Abschaltung bringt doch nichts, weil die Brennstäbe zunächst weiterhin Wärme produzieren. Das ist, als wenn Du bei einem Öltanker bei voller Fahrt die Maschinen abstellst. Das Ding wird nicht auf der Stelle stoppen. Fukushima ist schon seit Freitag abgestellt, was es bringt, kann man eindrucksvoll live und in Farbe sehen.

Hast Du da genauere Zahlen bzw. Infos? Mir gehts da ähnlich wie LaraLara, ich hab keine Ahnung von der Materie. Wenn es bisher immer hieß "Wir haben AKW xy abgeschaltet wg. technischer Probleme", dann hätte das also noch mehrere Tage lang trotzdem hochgehen können, wenn die Kühlung versagt hätte? Wie lange brauchen denn aktive Brennstäbe, bis sie sich von selbst abgekühlt hätten?

Man beschäftigt sich irgendwie viel zu wenig mit dem Thema. Wahrscheinlich, weil einem dann nur unwohl werden würde.
 
Meine Güte, mir tun die Menschen dort so schrecklich leid! Was die die letzten Tage alles erleiden und ertragen mussten und vielleicht noch müssen ist jenseits meiner Vorstellungskraft.

:tnx:

Bis dato fehlten mir doch noch etwas die Worte, meinem Empfinden diesbezüglich Ausdruck zu verleihen. Du hast sie mir hiermit vorweg genommen.

Sowas kann man immer solange behaupten, bis es dann doch passiert ist. Schätze mal, dass die Japaner vor einer Woche noch genauso darüber gedacht haben.

Völlig richtig. Es gibt keine absolute Sicherheit. Die gab es nie und wird es nie geben. Auf so etwas gewaltiges wie in Japan geschehen, kann man sich kaum vorbereiten. Was man für uns Mitteleuropäer aber wohl zumindest weitestgehend ausschließen kann, ist, dass Naturkatastrophen ähnlichen Ausmaßes wie nun in Japan zu ähnlichen Vorfällen in unseren AKWs führen könnten.

Da gibt es eher andere denkbare Szenarien. Das Thema "Terroranschlag" wurde ja zu recht schon angesprochen.



Zum Thema Informationspolitik mancher Medien, die explizit ausführlich über potentielle deutsche Opfer berichteten, möchte ich noch kurz etwas sagen. Ich sehe dies ähnlich wie Lonewolff und empfand manches, was zu lesen/ hören war auch etwas sehr selbstbezogen und vor allem auch recht taktlos den vielen Opfern gegenüber.

Für mich kommt hier erschwerend hinzu, dass das Argument der Information etwaiger Angehöriger hier zu Lande mir massiv überschätzt scheint. Ich verstehe natürlich, wenn man sich in diesem Fall große Sorgen macht, wenn man selbst Angehörige im Gefahrengebiet hat, sehe aber keinen Wert in diesen vorschnellen Meldungen. So grausam dies zu konstatieren ist: Weite Teile des Nordosten Japans gleichen einem Schlachtfeld und niemand kann nun auch nur erahnen, wie viele Menschen dort wirklich betroffen sind. Diese Katastrophe hat doch vor allem auch aufgrund ihres Domino-Effektes dermaßen große Ausmaße, dass es mMn einfach nicht seriös ist, zum jetzigen Zeitpunkt vollkommen auszuschließen, dass unter den Opfern auch Deutsche sein könnten.

Alleine die Tatsache, dass kein bisher geborgenes Opfer Deutscher ist, sagt da mMn überhaupt nichts aus. Dies ist mir persönlich viel zu spekulativ. Da könnte man ebenso darauf vertrauen, dass die Anzahl der Opfer auch nur ansatzweise in den Bereichen bleiben würde, die nun spekuliert werden. Ich gehe davon aus, dass es v.A. auch durch die teils zerstörte Infrastruktur noch eine ganze Weile dauern wird, bis man einen groben Überblick über das ganze Ausmaß dieser Katastrophe haben wird. Wie gesagt: Auf SO ETWAS ist niemand vorbereitet, nicht einmal eine solch hochtechnisierte Nation wie die japanische.

Einfach schrecklich, diese Geschichte.... man kann nun nur noch hoffen, dass nicht noch eine große, umfassende Atomkatastrohe im Landesinneren ins Haus steht. Denn wie in der derzeitigen Situation Hunderttausende, geschweigedenn Millionen Japaner evakuiert werden sollen, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. :(
 
Hast Du da genauere Zahlen bzw. Infos? Mir gehts da ähnlich wie LaraLara, ich hab keine Ahnung von der Materie. Wenn es bisher immer hieß "Wir haben AKW xy abgeschaltet wg. technischer Probleme", dann hätte das also noch mehrere Tage lang trotzdem hochgehen können, wenn die Kühlung versagt hätte? Wie lange brauchen denn aktive Brennstäbe, bis sie sich von selbst abgekühlt hätten?

Man beschäftigt sich irgendwie viel zu wenig mit dem Thema. Wahrscheinlich, weil einem dann nur unwohl werden würde.

Das Problem liegt in der Nachzerfallswärme, die von den Brennelementen ausgeht. Diese Wärme kann die Brennelemente zum Schmelzen bringen, wenn kein Kühlmittel vorhanden ist.
Das geschmolzene Material sammelt sich am Boden des Reaktors und kann sich durch dessen Wände "fressen".
Dieses soll durch Kühlung verhindert werden, infolge des Tsunamis ist die Kühlung ausgefallen / unreichend vorhanden. Wie lange die Brennelemente zur Abkühlung brauchen ist mir nicht bekannt.


http://de.wikipedia.org/wiki/Nachzerfallswärmehttp://de.wikipedia.org/wiki/Nachzerfallswärme
 
Das mehrstufige Sicherheitskonzept kann dennoch in die Hose gehen, wie Japan eindrucksvoll beweist. Da hat vorher auch kein Mensch gedacht, dass mal alle 13 Ersatzgeneratoren ausfallen könnten. Über Pläne lacht Gott am meisten.

Das irrwitzige ist doch, dass man nach Tschernobyl (und trotz Harrisburg) meinte, so etwas könne halt nur im maroden Ostblock passieren, aber doch nicht in den sicheren Kraftwerken westlichen Standards. Jetzt kommt Fukushima und dann heißt es: "Ja schon, es kann natürlich auch in Industrienationen passieren, aber nur bei Tsunamis und Erdbeben." Es sind halt immer alles nur Einzelfälle und wenn Brunsbüttel oder Isar I sich verabschieden oder bei Biblis mal mehr als nur falsch gesetzte Dübel und vergessene Absperrventile dazwischen funken, sind auch das für alle anderen nur wieder die berühmten Einzelfälle.

Die Kernkraft ist eben nicht endgültig beherrschbar, das sieht man doch gerade. Wer beherrscht den just die Kernschmelze dort? Die wissen doch nicht einmal mehr, was da genau passiert, weil sich keiner mehr an das Ding herantraut. Meerwasser hineinzuleiten ist doch eher ein Akt der Verzweiflung, als eine geplante Maßnahme aus dem Lehrbuch.

Und auch die Abschaltung bringt doch nichts, weil die Brennstäbe zunächst weiterhin Wärme produzieren. Das ist, als wenn Du bei einem Öltanker bei voller Fahrt die Maschinen abstellst. Das Ding wird nicht auf der Stelle stoppen. Fukushima ist schon seit Freitag abgestellt, was es bringt, kann man eindrucksvoll live und in Farbe sehen.

Darüber hinaus haben wir, wie Japan auch, hierzulande keine geeigneten Notfallmaßnahmen für einen GAU in der Schublade. Wenn so etwas hier passiert, dann sind doch die Folgen dermaßen unabsehbar, dass ich immer noch nicht verstehe, wie man sich hinstellen und behaupten kann, die Dinger seien sicher und das Risiko händelbar. Nichts im Leben ist sicher und dazu gehören auch Atomkraftwerke. Im Gegensatz zu dem (auch gestern im Fernsehen wieder) getroffenen Vergleich zu Verkehrsunfällen, kann man hier aber nicht einfach die Scherben wegräumen und weiter machen, wenn etwas passiert. Versagen Technik oder Mensch in einem deutschen Kernkraftwerk, kannst Du hier im wahrsten Sinne des Wortes das Licht ausmachen.

111% agree
:tnx: :tnx:
 
Dann habe ich deine Anmerkung falsch verstanden. Ich dachte, dass es dir einzig um die Länge ging. Im TV kam es eigentlich so rüber, dass das Publikum diese Schweigeminute gut durchgeführt hat. Diese zu stören ist natürlich schwach von denjenigen..

ich habe gestern genau zu dem zeitpunkt eingeschaltet und mich gewundert, warum der ton aus ist. kam also wirklich sehr gut rüber. grundsätzlich bin ich aber natürlich auch bei hasenbommels meinung.

wollen wir hoffen, dass die evakuierung, die man im gegensatz zu tschernobyl ja durchführen konnte, die auswirkungen wenigstens etwas eingedämmt hätte, falls es tatsächlich noch schlimmer kommen sollte in fukushima.
 
aber verhindern indem man abstand von so einer technologie nimmt ... vorallem weil es mittlerweile genug alternativen gibt

Ich verweise einfach mal auf diesen Post. Natürlich gibt es Alternativen. Die sind jedoch nicht in der Lage, AKW's zu ersetzen, solange nicht jeder bereit ist, auf viel Energie zu verzichten. Natürlich könnte man auch Strom aus dem Ausland importieren, nur dann wird es teuer (abgesehen von der Tatsache, dass dafür die entsprechende Infrastruktur geschaffen werden muss).
 
Wir gehen mit der der Nutzung der Kernenergie bewusst ein kalkuliertes Risiko ein. Und alle, die jetzt hier am lautesten Schreien, dass wir die Kernenergie nicht bräuchten, sollten am besten gleich den PC, Laptop, Fernseher und alle anderen elektrischen Geräte abschalten.

Zum Ökostrom. Als ökologisch kann man wahrscheinlich nur Wasser- und Windkraft bezeichnen, wobei bei der Wasserkraft auch schon gehörige Abstriche machen muss. Zur Photovoltaik habe ich mich ja schon lang und breit in einem anderen Thread geäußert. Ökostrom kann nur in den Netzen fließen, wenn dies durch konventionelle Kraftwerke (Kohle, Gas oder Atom) abgesichert ist. Da zum einen die Grundlast aufrecht erhalten werden muss und zum anderen Spannungspitzen abgefedert werden müssen.

Und wenn wir von der Kernenergie weg wollen, dann müssen wir neue Kohle-, Gas- und Biomassekraftwerke bauen. Dazu off- und onshore Windparks. Und neue Netze. Das Problem ist, die will auch keiner vor seiner Haustür haben. Aus völlig unterschiedlichsten Gründen. Meist werden irgendwelche Umweltgründe vorgeschoben. Meist geht es aber um handfeste wirtschaftliche Interessen: Der Wert der eigenen Immobilie.


Was die Sicherheit der Atomanlagen in Deutschland angeht. So haben wir tatsächlich die höchsten Sicherheitsstandards weltweit. Nur eine 100%ige Sicherheit gibt es nicht. Zur Terrorgefahr kann ich nur sagen, dass es aktive Sicherheistmaßnahmen gibt, die bewusst nicht an die Öffentlichkeit dringen. Aber auch hier gibt es keine 100%ige Sicherheit.
 
So haben wir tatsächlich die höchsten Sicherheitsstandards weltweit.
Ist das wirklich so oder ist das nur die deutsche Sichtweise? Ich kann mir das nicht so ganz vorstellen, da

a) eben z.B. Japan aufgrund von Erdbeben da ganz andere Sicherheitsstandards ansetzen müsste und

b) wir seit vielen Jahren keine AKWs mehr bauen und nun nur die "alten Dinger" immer länger am Netz halten.

Die alten Meiler wurden ja damals unter anderen Gesichtspunkten und sogar noch vor Tschernobyl geplant und errichtet, und sind noch immer die besten bzw. sichersten weltweit?

Schlafen die anderen Nationen? Gibt es keinen Fortschritt seit 30 Jahren?

Das passt für mich nicht so wirklich zusammen..
 
Ist das wirklich so oder ist das nur die deutsche Sichtweise? Ich kann mir das nicht so ganz vorstellen, da

a) eben z.B. Japan aufgrund von Erdbeben da ganz andere Sicherheitsstandards ansetzen müsste und

In Deutschland dürfen bzw. durften keine AKWs in seismischen aktiven Gebieten gebaut werden. Es wurd eienmal ein Genehmigungsfehler gemacht, so dass das KKW Mühlheim-Kärlich damals in einer seismisch aktiven Zone gebaut wurde. Folge war, dass das Kraftwerk nach 100 Tagen wieder vom Netz genommen wurde.
Die Sicherheitsstandards sind hier schon noch mal höher.


b) wir seit vielen Jahren keine AKWs mehr bauen und nun nur die "alten Dinger" immer länger am Netz halten.

Die alten Meiler wurden ja damals unter anderen Gesichtspunkten und sogar noch vor Tschernobyl geplant und errichtet, und sind noch immer die besten bzw. sichersten weltweit?

Schlafen die anderen Nationen? Gibt es keinen Fortschritt seit 30 Jahren?

Das passt für mich nicht so wirklich zusammen..

Es ist zwar richtig, dass bei uns die "alten Dinger" laufen aber sich immer den neusten Stand der Technik anpassen müssen. Das heißt sie werden sukzessive immer auf neusten Stand der Technik gebracht. Das ist in Deutschland eben so vorgeschrieben. Es gab da mal eine kurze Zeit - nämlich im seit dem vom Rot/Grün ausgehandelten Ausstiegskompromiss - mussten die Kraftwerksbetreiber nicht ständig nachrüsten. Das ist mit der Laufzeitverlängerung wieder geändert worden.
 
In Deutschland dürfen bzw. durften keine AKWs in seismischen aktiven Gebieten gebaut werden. Es wurd eienmal ein Genehmigungsfehler gemacht, so dass das KKW Mühlheim-Kärlich damals in einer seismisch aktiven Zone gebaut wurde. Folge war, dass das Kraftwerk nach 100 Tagen wieder vom Netz genommen wurde.
Die Sicherheitsstandards sind hier schon noch mal höher.
Das lässt sich natürlich nicht auf Japan übertragen, solange man dort Kernenergie betreiben will. Seismisch aktiv ist ja das komplette Land. Es fällt uns also leichter dieses Auswahlkriterium so zu treffen. Davon abgesehen stehen aber auch bei uns AKWs in gefährdeten Gebieten, z.B. Biblis im seismisch aktiven Oberrheingraben. So gesehen bringt und dieses Kriterium wenig, wenn wir es nicht einmal konsequent anwenden.

Auch wurde in Japen erst vor wenigen Jahren ein neu errichtetes AKW direkt wieder stillgelegt, da dieses bei einem möglichen Erdbeben als zu unsicher eingestuft worden ist.

Ich erkenne da nun nicht, dass wir den Japanern entscheidend voraus sind.
 
Und das steht jetzt wo? Behaupten die Japaner übrigens auch. Zudem rühmen sich doch gerade die Finnen, das ihre neuen Druckwasserreaktoren die weltweit sichersten seien. Passt also irgendwie nicht zusammen.

Es gibt Gesetze und Verordnen zum Betrieb der Kraftwerke. Und wenn die weltweit vergleicht, dann setzen wir die höchsten Anforderungen.

Apropos Finnland und ihre neuen Kraftwerke. Der Reaktorblock 3 vom KKW Olkiluoto wird derzeit gebaut, soll 2013 ans Netz gehen und dann 60 Jahre laufen. Reaktorblock 4 ist in Planung und soll 2018 ans Netz gehen. Insgesamt befinden sich in Europa derzeit 13 neue Reaktorblöcke im Bau. Selbst wenn wir in D aus der Atomenergie augestiegen sind, werden unsere europäischen Nachbarn uns mit der Technologie noch ein paar Jahrzehnte beglücken.
 
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