@Klasnic#17
Natürlich hat Diego gefehlt. Aber Spiele, besonders Titel, gewinnst Du in erster Linie hinten. Davon kann gerade Werder ein Lied singen. Das erste Gegentor war ein kapitaler Stellungsfehler, beim zweiten konnten sich die Ukrainer im Strafraum die Bälle zuspielen. Ich glaube nicht, dass das mit Merte
und Naldo in dieser Art und Weise passiert wäre. So hätten wir dann ja auf dem Papier trotzdem 1:0 gewonnen, oder? Daher hat Merte mindestens genauso gefehlt wie die individuellen Geniestreiche eines Diego.
Ausserdem - das Potential von Naldo hatte ich nicht in Abrede gestellt.
@Sopho
Sehr richtig. Im Gegensatz zur Balltechnik, die ab einem bestimmten Alter nur noch geringfügig ausbaufähig, ist Antizipation gewissermaßen erlernbar, zumindest aber im Laufe einer Fussballerkarriere um einiges verbesserbar. So gesehen nur teilweise eine Frage des Talentes, aber eben vor allem auch eine Frage der Erfahrung, die Naldo seinerzeit fehlte. Bei Werder`s riskantem Spiel wurde er schnell gezwungen, in dieser Hinsicht dazuzulernen. Ich kann mich an zahlreiche Szenen in den vergangenen Jahren erinnern, wo er im letzten Moment noch die Schuhspitze dazwischen hatte, um den entscheidenden Pass zu verhindern. Dies gelang ihm anfangs weniger, und wenn dann durch seine Schnelligkeit, durch die er das vorher schlechtere Stellungsspiel und die noch nicht ausreichende ,,mentale Vorwegnahme eines Bewegungsablaufes"

, welches ihn erst in solche Situationen brachte, so wieder ausglich. Naldo lernte ,,in diesem Bereich dadurch sehr schnell und viel dazu". In seinem ersten Jahr fehlte da einiges, wobei ich Klasnic#17 zustimme, dass das auch ein Problem der Anpassung an die jeweilige Mannschaft ist. Im Laufe der Jahre fand er eine bessere Balance, auch weil er an Merte`s Seite lernte und zeitgleich eben seine Antizipation verbesserte.
Ein weiteres Beispiel ist auch Sami Hyypiä. Wer sich noch an die CL-Duelle Liverpool-Leverkusen erinnert, ich glaube das war 2001, wie oft der da nur durch seine Zweikampfstärke, aber weniger durch Stellungsspiel und Antizipation auffiel und wer mal genau hinschaut, wie der Finne jetzt - mit 36 - bei Bayer spielt....
Im Übrigen hast Du auch beim zweiten Aspekt völlig recht, denn Antizipation ist eine Form des Reagierens, eine Vorrausetzung für das richtige Reagieren. Bei Ecken und Freistößen sich vorne richtig einzuschalten oder einen Pass erlaufen ist eine Form des Agierens. Dafür wiederum kann unter anderem Spielintelligenz eine wichtige Vorrausetzung sein. Nur hat das eine mit dem anderen vom Ablauf her rein gar nichts zu tun. Auch in kurzen Beiträgen kann also ,,wesentliches" sachlich falsch sein.