Der normale Fußball-Zuschauer ist zudem angewiesen auf die Informationen, die ihm den Medien geben; die wenigstens hier im Forum werden näher an der Mannschaft dran sein.
Und die Medien verkaufen einfache Wahrheiten. Daß Özil geldgierig sei, ist eine davon. Eine andere ist, daß Wiese ein Fußball-Proll sei (wegen des HSV-Spieles, einst), der viele Fehler mache (wegen des Juve-Spieles, in grauer Vorzeit), während Manuel Neuer ungeachtet seiner Fehler in der gerade beendeten Saison oder seines Verhaltens am Rande eines Derby gegen Dortmund ein netter, sympathischer Junge wie Du und ich sei.
Wenn man in die Diego-Thread schaut, wimmelt es da von Leuten, die seine Rückkehr befürworten. Hat aber Diego sich anders verhalten als Özil? War er dankbar und dem Verein verbunden, weil der ihn von der Bank aus Porto geholt hat? Vielleicht. Das hat ihn aber nicht gehindert, woanders erfolgreicher sein zu wollen. Es ist der selbe Vorgang. Lediglich Diegos Außendarstellung war eine andere als die von Özil.
Noch mal zu Frings. Wenn er heute in einem
Interview sagt, daß "... für mich persönlich der Wohlfühlfaktor höher einzuschätzen ist als Geld oder andere Dinge" wird er für seine Bodenhaftung und Vereinstreue gefeiert. Daß er das hat lernen müssen (über den Umweg Dortmund und Bayern), wird dabei vergessen.
Vergleichen wir auch mal den Fall Mertesacker, der sich stets geschickt im Interview verhält, über den zuletzt verlautete, daß er anstrebt, in der CL zu spielen. Als das aufkam, habe ich keine Vorwürfe gehört, weil er den Verein verlassen will. Warum ist es in seinem Fall legitim, nach Höherem zu streben? Wenn er gegenüber dem
Kicker zu seinen Abwanderungsgedanken "Was wir mit Werder zum Schluss erreicht haben, war für die Mannschaft gut, aber auch für jeden einzelnen" sagt, ist das meines Erachtens durchaus interpretierbar. Ein deutliches Bekenntnis klingt für mich anders.
Der langen Rede kurzer Sinn: mein Eindruck ist, daß die Spieler mit unterschiedlichen Maßstäben gemessen werden. Und der bei Özil ist nach meinem Verständnis unfair. Ich werde mich daran freuen, daß ein solcher Spieler bei Werder ist, so lange er für uns spielt. Wenn er geht, wünsche ich ihm alles Gute und den Erfolg, den er sich erhofft.
Ich habe ihm nichts vorzuwerfen, sondern für seine Leistungen im Bremer Trikot zu danken.