Ein, zwei gute Aktionen in einem spiel sind gemessen an seinen zahlreichen Ballverlusten, dem mangelnden Durchsetzungsvermögen und seinem sturen Blick nach unten, eine bedenkliche Quote.
Vor rund einem Jahr hätte ich das noch vorbehaltlos unterschrieben. Damals hatte er noch das Gladbach-Syndrom inne, fand keinen Mittelweg zwischen Sinnlos-Aktionen und sinnvollem Mannschaftsspiel. Inzwischen sehe ich das aber deutlich differenzierter.
Während Hunt oder Wesley, wie auch Mesut letzte Saison, eher die einfacheren Passwege nutz(t)en, zumindest versuch(t)en, die Bälle direkt und präzise zu spielen, hat Marin zusätzlich noch unberechenbarere Dinge im Repertoire. Natürlich wirkt das im Abschluss immer noch ab und an eigensinnig. Aber das ist eher vordergründig, er geht sehr intelligente Laufwege, um Räume zu schaffen, kreuzt im richtigen Moment, wechselt situationsbedingt klug die Seite etc. Hinzu kommen immer mal ansatzlos Steil- oder Flachpässe in die Schnittstellen, die nur wenige spielen können. Hinzu kommt fast immer voller Einsatz und - nicht selten sucht er die Zweikämpfe dort, wo es absolut notwendig ist. Ein strategischer Vorteil, den er bspw. gegenüber MÖ hat. Da ist Spielintelligenz und Handlungsschnelligkeit, die nur wenige in der Liga haben. Qualitäten, die er noch mehr ausspielen wird, wenn das Mannschaftsgefüge besser zusammenwächst, da bin ich sicher. Und dann werden auch seine Schwächen in der Rückwärtsbewegung nicht mehr so auffallen. Was das angeht, ist es sowieso immer schwierig, wenn derjenige, der für Kreativität sorgen muss und die Ideen hat, in einem völlig ungeordneten Mf wie zuletzt noch Passwege zustellen und Räume zulaufen soll. Das wird mir aber in den Bewertungen hier zu sehr vorrangig kritisiert.
Ich finde, Marin hat bei Werder einen enormen Schritt in seiner Entwicklung gemacht. Dass er zu Saisonbeginn teils mit unterging, ist fraglos wahr. Aber auch erklärbar. Ich sehe es ähnlich wie Klasnic#17.