Ich weiß nicht, wo ich dich angefeindet hätte
Ne du nicht, das war mehr ein genereller Gedanke, hätte ich deutlicher machen sollen. Mir geht es darum, dass die Debatte in D sich rapide einem Punkt nähert (oder diesen schon erreicht habt, an dem es nur noch den berühmten Spruch von GWB gibt, nämlich das man eine Seite wählen und diese dann verbissen verteidigen muss, wer nicht dafür ist, ist dagegen).
Die russische Propaganda - auch nur in Ansätzen - aufzugreifen, erscheint mir grundfalsch.
Dem sollte man nicht verfallen, völlig klar. Man darf umgekehrt aber auch nicht den Fehler begehen und ihr Nahrung liefern. Würde man beispielsweise in Deutschland lebende Russen in Kollektivhaft nehmen, dann würde das in Russland die Propaganda nähren, nach der man doch einen gerechten Krieg führt weil das Ausland ohnehin gegen Russland sei. Deswegen fand ich zb auch gut, dass dieses Autokorso nicht verboten wurde. Es mag uns wütend machen, aber wenn die denn ihre Meinung ausdrücken wollen, dann sollen sie es tun weil es bei uns eben geht und man in Russland für ähnliches verhaftet wird (so wie es vielen RussInnen passiert ist, die gegen den Krieg auch nur den Verdacht des Protests gestartet haben).
Zumal, was willst du da bei den Grausamkeiten, die passieren, noch inszenieren?
In früheren Konflikten, auf dem Balkan zb, wurden Zivilisten zusammengetragen und an einem Ort "deponiert" um dort der Welt ein Massaker zu zeigen, damit entsprechende Reaktionen auszulösen (zb ein Eingreifen auf einer Seite). Für die Toten macht es keinen Unterschied, aber es zeigte sich: Das waren Menschen, die in irgendeiner Form ins Feuer geraten sind, aber nicht in einem Graben hingerichtet und verscharrt wurden. Und das ist ein gewaltiger Unterschied bei dem in einem Fall euphemistisch von Kollateralschäden gesprochen wird und im anderen Fall von einem Kriegsverbrechen (vergl. Srebrenica beispielsweise). Das ist, wenn man es sehr sehr freundlich ausdrückt, framing. Eher treffend wäre aber Manipulation. Und auch wenn man der Meinung sein mag, dass der Zweck die Mittel heiligt: Ich lasse mich ungern manipulieren.
Ich möchte auch gerne vermeiden, dass wir da NATO-Armee schicken
Ich glaube in dem Punkt brauchen wir nicht groß diskutieren. Das wird eh nicht passieren, dafür sorgt das berühmte Gleichgewicht des Schreckens und genau das wirft ja auch Fragen auf (TF, dazu später).
Und dafür dann auch in Kauf nehmen, dass wir darunter auch "leiden" (wobei sich das Wort in dem Zusammenhang mit dem, was die Ukrainer erleben, total falsch anfühlt).
Ich weiß was du mit letzterem meinst. Zu ersterem: Das tun "wir" (manche mehr, manche weniger) jetzt schon und seit gestern spürt man es bei Lebensmitteln. Das ist für uns aber ein Luxusproblem, hier wird niemand verhungern. Wir werden nur alle etwas ärmer oder, wohl korrekter formuliert, etwas weniger wohlhabend (im Vergleich zum Rest der Welt).
Thomas Fischer Beitrag strotzt meiner Meinung nach nur so von "Whataboutism" - ist zumindest für mich in unserer Diskussion jetzt am Thema vorbei.
Damit spielt er ja auch und schließt den Beitrag damit auch. Er bohrt aber die richtigen Löcher. Beispielsweise die Sache mit der Aufrüstung der konventionellen Armee, für einen konventionellen Krieg den es gar nicht geben kann. Oder doch? Dann braucht es eine neue Doktrin, wie es überhaupt eine Strategie braucht. Statt dessen werfen wir mit Geld. Oder die alternativlose Anteilnahme: Das ist bigott, denn natürlich sind wir in den meisten anderen Fällen dieser Art eher achselzuckend dabei und neutral. 2015 dann waren wir als Gesellschaft ein positives Beispiel, weitestgehend. Das aber auch nur, weil das "Problem" zu uns gekommen ist. Wobei, es ist unschön, flüchtende Menschen so zu bezeichnen, also eher, gezwungendermaßen, weil der Konflikt zu uns gekommen ist. Ansonsten hätten wir mit den Syrern und anderen so viel Mitleid wie mit den Jemeniten.
Aber ist doch auch bei COVID so: wenn ein Angehöriger oder jemand in deinem Umfeld daran stirbt ist das für dich ganz anders, als wenn du in den Nachrichten hörst, heute sind wieder 200 Leute daran gestorben. Ist glaube ich auch ein Schutzmechanismus, weil wenn du all das Leid dir so zu Herzen nimmst, wie sollst du da deines Lebens froh werden?
Da bin ich bei dir, habe ich in einem anderen Beitrag ja auch schon geschrieben. Aber das ist nicht das große Rad, an dem unsere Regierung jetzt dreht, indem sie es darstellt als wenn der Weiße Ritter Deutschland in solchen Konflikten ja niemals neutral sein und immer nur auf der Seite des Rechts in den Kampf ziehen kann. Bullshit. Das wiederum ist vermutlich eher der Schutzreflex einer Bundesregierung, die die verfehlte Außenpolitik ihrer Kanzlerpartei (Schröder, Steinmeier, Gabriel) verteidigen muss.
Dann sehe ich ein 4-Sekunden-Video in den Nachrichten, wie die kleine 7jährige Tochter vor dem zerbombten Haus nach ihrem Papa schreit und dann zerreisst's mich. Und ja, dann nehme ich eine Rezension in Kauf - mit allen persönlichen Folgen - weil die Gräueltaten der Russen gegenüber den Ukrainern nicht aufhören und ich nicht irgendwann in 10 Jahren mal sagen möchte: "hätten wir mal..." - und wenn wir anstelle der Ukraine wären, würde ich mir auch wünschen, dass alle anständigen Staaten uns helfen. Und wenn sie schon nicht kämpfen wollen, dann zumindest mit den härtesten, möglichen Sanktionen.
Um die Klammer zu schließen die wir oben geöffnet haben: Genau das soll mit (inszenierten) Bildern erreicht werden. Das Problem dabei ist nur: Es sind eben nicht nur deine oder meine Persönlichen Konsequenzen. Es wäre nicht einfach nur eine Rezession. Wenn wir komplette Kraftwerke abschalten müssen gehen ganze Industriezweige in die Knie, übertrieben geht dann das halbe Land vor die Hunde und denk daran, welche Harros schon für Nichtigkeiten schreiend auf die Straße gegangen sind um "Diktatur" zu brüllen. Um also einen destabilisierten Staat im Herzen Europas zu verhindern (denn das hilft auch der Ukraine nicht) würde Deutschland sich anderweitig versorgen müssen. Das würde auch im Grundsatz gehen. Aber: Annalena Baerbock erklärte, was dann die Konsequenzen sind: Andere Staaten auf der Erde gehen leer aus, wenn Deutschland sich "mal eben" anderweitig am Weltmarkt bedient. Aufgrund unserer Wirtschaftkraft können wir das. Und dann bricht die Energieversorgung in ärmeren Staaten zusammen, brechen Bürgerkriege aus, sterben Menschen, stürzen Regionen ins Chaos. Woran dann wir schuld wären. Wir können nicht einfach so von heute auf morgen das korrigieren, was über ein Jahrzehnt verbockt worden ist. So sehr es einem bei den Bildern das Herz zerreißt, aber diesen Konflikt hätte man vorher irgendwie verhindern müssen. Jetzt ist es dafür zu spät, jetzt hilft nur ein Aufstand von Innen gegen Putin und es in der Zwischenzeit für Russland (auf dem Schlachtfeld) so teuer wie möglich machen. Denn die andere Option, Kapitulation, ist für die Ukraine keine. Somit werden weiter viele Menschen sterben.