Vor allem der komplette Ausstieg aus der Kernenergie war ein riesiger Fehler, den man kaum noch korrigieren kann, weil das Expertenwissen fehlt.
Nach den verfügbaren Daten war Kernenergie in Deutschland nie der dominierende Energieträger insgesamt, sondern nur ein Teil der Stromerzeugung; ihr Höchststand lag grob bei etwas über 30% der Bruttostromerzeugung Mitte der 1990er und erneut um 2000 herum
Das scheint hoch, aber eben nicht gleichbedeutend mit einem Anteil an der gesamten Energieversorgung des Landes.
Diese Aussage - streng auf die Gesamtenergie bezogen - überzeichnet die frühere Rolle der Kernenergie erheblich.
Die Aussage, das Expertenwissen sei „weg“, kann nicht überzeugen.
Deutschland hat weiterhin Fachleute in Reaktorsicherheit, Strahlenschutz, Rückbau, Abfallmanagement, nuklearer Mess- und Regeltechnik sowie in Forschungseinrichtungen und Behörden; was verloren gegangen ist, ist vor allem der Betriebs- und Neubau-Fokus im Inland, nicht das gesamte technische Wissen.
Dass einige Kompetenzen schrumpfen, ist plausibel, aber ein völliger Verlust wäre für ein Land mit laufendem Rückbau, Zwischenlagerung und internationaler Kerntechnik-Kooperation nicht belegt.
Praktisch heißt das: Der Know-how-Bestand ist eher abgebaut und fragmentierter geworden als verschwunden. Für einen späteren Wiedereinstieg wäre der Aufbau bestimmter System- und Projektkompetenzen schwierig und teuer, aber nicht unmöglich.
Im täglichen Betrieb scheint Kernenergie zwar relativ niedrige Brennstoffkosten zu haben - doch die
Gesamtkosten steigen durch hohe Investitionen, sehr teuren Rückbau und die Entsorgung stark an. Neuere Darstellungen zeigen, dass die langfristigen Kosten des Weiterbetriebs bzw. der Atomfolgen nicht einfach verschwinden, sondern oft nur zeitlich verschoben oder auf andere Träger übertragen werden.
Für die Kosten-Nutzen-Abwägung ist der entscheidende Punkt: Kernenergie wirkt nur dann „billig“, wenn man die Folgekosten ausblendet oder stark unterschätzt. Nimmt man Rückbau, Abfalllagerung, Langzeitüberwachung und Risikoabsicherung mit hinein, dann ist Kernenergie ein
kostenintensiver Energieträger mit stark verteilten Lasten über sehr lange Zeiträume. Deshalb ist ein Satz wie „Kernenergie ist eine günstige Lösung“ in Deutschland nur sehr eingeschränkt haltbar.