Wir bewegen uns ja im Moment auch auf einem sehr schmalen Grat.
Nehmen wir mehr Geld in die Hand um wieder weiter nach vorn zu kommen, und machen am Ende doch keinen Tabellenplatz gut weil die Spitzengruppe größer geworden und enger zusammengerückt ist? Dann hätten wir unsere Reserven ganz schnell verbraucht und der Kader würde womöglich schneller zerfallen als uns lieb ist, und was das für die Folgejahre bedeuten könnte mag ich mir gar nicht ausmalen.
Oder aber halte ich mich mit Investitionen etwas zurück, so dass wir auch bei Nicht-Erreichen der CL den Kader noch 2-3 Jahre zusammenhalten können? So würde man zumindest das Risiko etwas minimieren, innerhalb einer kurzen Zeit noch tiefer zu fallen.
Es ist ja auch nicht so, dass gar kein Geld in die Hand genommen wird.
Man darf ja auch nicht nur die Ablösesummen und Gehälter sehen, sondern auch Handgelder, Beraterhonorare und später noch mögliche Prämien.
Und: in den Jahren, wo teure Spieler geholt wurden, gab es auch entsprechende Abgänge die das ermöglicht haben. Dieses Jahr hat Diego geholfen, letztes Jahr hingegen hat nur Owo ansatzweise etwas in die Kassen gebracht. Davor haben wir für Klose, Andreasen, Schulz, Valdez oder Charisteas gutes Geld bekommen - auch Micoud und Zidan sind nicht verschenkt worden.
Das ausgegebene Geld wurde also nicht ausschließlich aus der CL-Teilnahme verdient wie viele meinen. Im Zeitalter stark leistungsabhängiger Verträge wäre das sicher auch kaum möglich, denn ich denke wir können getrost davon ausgehen dass Mannschaft und Trainerstab ganz gewaltig daran mitverdient haben.
Unterm Strich glaube ich, dass wir Abgänge meistens gut kompensiert haben. Wir haben einen Keeper, der mit zur WM fährt. Unsere Stamm-IV hat ein hohes Niveau, im Mittelfeld gibt es eine hohe Qualität und ordentliche Alternativen. Im Angriff ist zumindest immer einer dabeigewesen, der für mindestens 12 Tore gut ist.
Dann geht's leider los mit der Außenverteidigung. Hier muss man zwei Dinge bedenken: erstens, wird hier ein Spieler gefordert, der möglichst internationalen Ansprüchen genügen soll. Zweitens wird hier ein System gespielt, wo dieses Niveau in der Defensive wie auch in der Offensive gefragt ist. Neben gutem, kompromisslosem Zweikampfverhalten und guten Stellungsspiel muss also noch eine Pferdelunge her, ein gutes Kurzpassspiel, eine gewisse Grundschnelligkeit, die Fähigkeit 1-gegen-1 zu gehen und vor allem ordentliche Flanken möglichst von der Grundlinie aus zu schlagen. Dass hier ein Spieler mit internationalem Format gutes Geld kostet, sollte klar sein. Das trifft erstrecht für die linke Seite zu, wo ein Spieler möglichst einen Linksfuß haben sollte. Die sind allein in Deutschland schon sehr rar gesäet. Da kommt m.E. nach einem fitten Lahm erstmal eine ganze Zeit nichts.
Im Sturm verhält es sich ähnlich. Es wird auf komplette Stürmer geachtet, die in moderne Spielsysteme passen - also nicht allein an Toren gemessen werden, sondern auch an mannschaftsdienlichen Faktoren. Und da Offensivspieler tendenziell eine ganze Ecke mehr kosten, ist es auch hier nicht einfach, mal so eben "ins Regal zu greifen" und einen Kracher nach Bremen zu holen.
Deshalb wird es auch immer wieder Transfers von jungen Spielern geben, von denen man sich erhofft, dass sie diese Lücken erst nach einer gewissen Anlaufzeit schließen können. Bei diesen Spielern kann man aber eben keine 100%ige Trefferquote erwarten, insofern ist eine gewisse Fluktuation bei diesen jungen Leuten nicht wirklich verwunderlich.
Der Transfermarkt ist eben kein SB-Laden - sobald ein Spieler nicht nur Werder Bremen auffällt, bietet man eben nicht allein. Da gibt es aben auch mal andere Clubs mit besseren sportlichen Ambitionen oder anderen finanziellen Möglichkeiten. Da werden dann eben auch mal oben ein paar Namen auf dem Kandidatenzettel gestrichen und zwangsweise Kompromisse eingegangen.
Deshalb kriege ich auch immer die Krätze, wenn ich hier die Verwendung des Begriffs "Personalpolitik" verfolge. Die Personalpolitik ist m.E. der Grundgedanke, der hinter den Transfers steckt. Aufgrund der oben genannten Problematik sieht das Transferergebnis allerdings oft anders aus. Es macht für micht daher durchaus einen Unterschied, ob man die Personalpolitik oder das Ergebnis dieser Politik beurteilt bzw. kritisiert.
Die Personalpolitik mag durchaus stimmig sein, nur das was davon ausgehend wirklich realisiert werden kann, hat uns eben nicht immer zufriedengestellt.
Das liegt aber ganz sicher nicht daran, dass man nicht gern anderes Spielermaterial geholt hätte. Stattdessen wird oft unterstellt: Spieler XY ist nicht gekommen, also wollte man auf dieser Position auch nichts unternehmen, weil man ja immer öffentlich sagt, man vertraue dem Kader.
Womit wir beim nächsten Punkt sind: auch diese Aussagen werden mir oft zu ernst genommen und auf die Goldwaage gelegt. Natürlich stellt man sich öffentlich eher vor sein Team als wenn man es schon vor der Saison an den Pranger stellt, sein Misstrauen öffentlich kundtut und von vorn herein die Qualität abspricht. Da ist man - für mich logisch - eher darauf bedacht, das Team zu stärken, ihm das nötige Selbstvertrauen einhaucht und vor allem darauf achtet, dass keine Unruhe reinkommt.
Was intern passiert, steht auf einem völlig anderen Blatt.