Du machst die Hoffnung diesen "Effekt", das wir die Lücken (Pizza, Baumann) aus den eigenen Reihen, bzw. dem vorhandenen Personal schließen können, jetzt aber nicht wirklich an diesem einen Testspiel fest, oder?!
Sicher nicht. Deswegen der Verweis auf die Vergangenheit, die mehr als einmal zeigte, wie Werder aus solchen Situationen hervorgegangen ist.
Zunächst einmal sehe ich das DM mit Niemeyer und Frings bei weitem nicht so schlecht besetzt wie der ein oder andere hier. Dazu Vranjes oder Ikeng. Wichtig dürfte sein, dass ein DM neben Frings in der Lage sein sollte, One-Touch zu spielen bzw. ein Spiel schnell zu machen, also einen, der die Baumann-Qualitäten einbringen könnte. Der fehlt momentan tatsächlich, Vranjes oder Ikeng haben die Anlagen, wobei Ersterem derzeit irgendwie Ehrgeiz und Einsatz abgehen, Letzterer noch zu unerfahren ist. PN hat es in Holland bewiesen, bei Werder bisher weniger. Er ist mir Frings zu ähnlich, zwei gleiche Typen auf den Positionen schätze ich allerdings als Nachteil ein. Trotzdem traue ich dem vorhandenen Spielermaterial zu, sich im Saisonverlauf zu finden.
Offensiv glaube ich, weniger Probleme erkennen zu können, vor allem dann nicht, wenn Boro als zusätzliche Alternative dazustößt. Ich halte es auch nicht für ausgeschlossen, dass die Abgänge von zwei Spielern der Qualität Pizarro und Diego in diesem Bereich plötzlich andere Reserven und Kräfte freisetzen.
Aber
am wichtigsten ist aus meiner Sicht, endlich den Schritt weg zu machen vom langsamen, ineffektiven Breitwandfussball mit 75% Ballbesitz und 35:5 Torschüssen, wo destruktive, fussballerisch unterlegene Gegner letztlich das Spiel defensiv kontrollieren konnten und Werder zunehmend ideenloser, mit der Brechstange agierte, weil Überraschungsmomente, Tempo und taktisches Variieren fehlten. Auch wenn er ebenso sympathisch wie ein Riesenfussballer ist, hielt ich gerade deswegen den Verkauf von Diego für wichtig und richtig.
Überhaupt wird mir zu oft herausragenden Einzelspielern zu viel Bedeutung beigemessen, weil ich der Meinung bin, dass
die Wertigkeit einer funktionierenden Mannschaft höher einzuschätzen ist. Diego und Pizarro haben, speziell im Europacup viele wichtige Tore erzielt und in Spitzenspielen den Unterschied ausgemacht. Aber warum haben sie den Unterschied ausgemacht? Ich denke, vor allem deshalb, weil a) das Zusammenspiel im Team als solches immer weniger funktionierte und b) dadurch auch etwas der Mannschaftsgeist verlorenging. Wie ein Team unter schwierigen Bedingungen, wie z.Bsp. mit langer Verletztenliste, zusammenrücken kann, bewies Werder schließlich in der Hinrunde 07. Ich weiss noch, im März 08 liefen im alten Forum heisse Diskussionen, dass der erste Stürmer, der Sturmführer fehlte, weil der Unaussprechliche nie ersetzt wurde. Das war sicher einerseits richtig. Andererseits kam auch damals schon zu kurz, dass das Trio Rosenberg, Sanogo, Almeida über 30 Tore geschossen hatte, obwohl sich keiner als Nr. 1 herauskristallisieren konnte. Das war nun mit Pizarro anders, dafür konnte keiner der drei, am ehesten noch Hugo, an die Form von 07/08 anknüpfen. Warum wohl? Und letzte Saison? Als Diego und Pizarro zu Rückrundenbeginn gesperrt fehlten, konnte die Mannschaft den Schalter nicht mehr umlegen, schon da war, anders als in der Vorsaison, bereits eine gewisse Abhängigkeit von Einzelspielern entstanden. Im EC, DFB-Pokal oder in Spielen wie gegen Bayern München konnte Werder so glänzen, im Ligaalltag aber nicht. Auch nicht in der CL, wo wir an Panathinaikos, Famagusta oder Olympiakos scheiterten und nicht an Real, Inter oder Chelsea. Nur ist gerade die Liga nunmal das tägliche Brot, wo Vorrausetzungen geschaffen werden und Punktverluste oder -gewinne, egal gegen wen, erheblich sind.
Ich sehe in Abgängen von Stars auf der anderen Seite auch eine Chance für die Mannschaft, die ich ausserdem qualitativ für nicht so schlecht halte, wie immer gerne geurteilt wird. Aussagen wie: ,,Ohne Verstärkungen gegen den Abstieg" oder ähnliches sind schlicht und einfach Unsinn. Nicht nur deswegen, sondern auch wegen dem unhektischen Bremer Umfeld und dem geringeren Reizklima kann sich eine Mannschaft hier entwickeln und zusammenfinden. Wie sich schon oft zeigte.
Natürlich brauchen wir für den absoluten Schritt zurück in die Spitze, unter die ersten drei, zweifellos eine gewisse Qualität. Doch 1.) ist die immer noch vorhanden und 2.) muss es jetzt erstmal darum gehen, wieder in der Liga den Anschluss zu finden. Und wer weiss schon, wie sich manche Talente noch entwickeln (oder auch nicht entwickeln) werden?
Dennoch bin ich auch weiterhin der Meinung, daß wir uns mit 2 Spielern noch verstärken sollten.
Berechtigterweise. Aber wie gesagt, mit der Politik der kleinen, gut durchdachten Schritte, ist Werder stets am besten gefahren. Das Schlimmste wäre, ad hoc Verpflichtungen zu tätigen, denen jede wirtschaftliche Grundlage und Vernunft abgeht. Denn soviel ist klar: Letztlich wird Werder Bremen irgendwo immer ein Ausbildungsverein bleiben, wenn auch, wie derzeit, auf hohem Niveau. Damit dieses allerdings gehalten werden kann, bedarf es der tradierten Handlungsweise mit kaufmännischem Kalkül und dem Sinn für Innovation, ohne dabei den Blick für die Realität zu verlieren.