Und zum Thema: "einen defensiven Mittelfeldspieler ins defensive Mittelfeld zu stellen" :
Man kann dort auch ein Flusspferd hinstellen. So lange man mit dieser grundsätzlichen Spielanlage weiter macht, wird es immer große Räume für einen gut eingestellten Gegner geben und der dort "postierte" Spieler schlecht aussehen.
So brachial würde ich das nicht sehen. Der Trainer ist ja nun bei weitem nicht für alles verantwortlich, was auf dem Rasen geschieht, auch wenn dessen Einfluss bei Werder seit geraumer Zeit deutlicher als anderswo erkennbar ist.
Als Werder auf der Destruktivebene der Raute, dem DM, mit Lisztes und Ernst zwei Spieler hatte, die zweikampfstark, laufbereit und klug im Raum spielten, dazu Baumann, der auf der Kreativ-Vertikale im Spiel mit Ball diesen nicht nur schnell ins Mittelfeld abtropfen ließ, sondern auch auf die richtige (freie) Seite und gegen den Ball ein gutes Stellungsspiel im Raum wie beim Verschieben hatte, funzte es besser.
Auch damals hatten wir diese Situationen, fingen (zu viele) Gegentore, liefen oft genug in Konter, nur dass Konter meistens effektiver und mit mehr Leuten hinter dem Ball unterbunden werden konnten, während gleichzeitig das Spiel nach vorne passte. Weil Leute auf dem Rasen standen, die das verkörperten. Die Spielidee und Philosophie von TS war keine andere, mal abgesehen davon, dass er im Frühjahr 2006 die hoch stehende Harakiri-Vorwärtsverteidigung auf massive Weise einführte. Die taktischen Defizite gab`s immer schon, zumindest was die zu eindimensionale Spielführung angeht.
Aus der Analyse dieser Spielzeiten und gemessen an der Spielidee von TS, die solche Protagonisten dringend benötigt, verstehe ich deshalb nicht, warum Trainer und Sportdirektor bei den Premium-Transfers immer wieder auf individuell starke Wundertüten setzen.
Eine Spielanlage ist das eine, die Spieler, die diese mit Leben füllen, ein anderes Paar Schuhe.
Erinnere Dich mal an Rehhagel. Schaaf hat nicht alles, aber einiges von Otto übernommen. Zum Beispiel das Festhalten an Spielern. Bei TS kam Rosenberg immer wieder schnell zum Einsatz, seitdem er gleich in seinem ersten Halbjahr phasenweise wirklich gut spielte. Ähnlich Bargfrede, seitdem er ein gutes erstes BL-Jahr hatte.
Hat Rehhagel genauso gemacht. Wer ihn einmal überzeugte, von dem war er eben überzeugt. Wynton Rufer bekam wochen-, teils monatelang kein Bein auf den Boden, aber er spielte immer. Eilts hatte Phasen, während denen ihm wochenlang gar nichts gelang, er ein einziger Risikofaktor war, aber er blieb seit er sich in jener einen Saison durchgesetzt hatte bei Otto unumstritten. Allofs ließ er immer wieder ran, solange bis Rehhagel ca. 1992 dann doch einsehen musste, dass der gute Klaus endgültig über den Zenit war. Ich glaube nur, dass Otto seinerzeit die Qualitäten der Spieler auch richtig einschätzte. Gerade Rufer, für mich neben "Air" Riedle und Miro Klose der kompletteste Werder-Stürmer seit Rudi Völler.
Und ein anderes Beispiel ist eben die Spielidee/ das System. Bei Otto ging es immer über Außen, die Zeit zwischen 89 und 92 war, was das betrifft, regelrecht quälend. Keine wirklich guten Außenstürmer bzw. Flankengeber mehr, spätestens wenn Otten/ Schaaf auf den AV´ s zurückhaltender agieren mussten. Trotzdem immer wieder Ball auf/ an die Außenlinie, Vorstoß gestoppt oder durchkommend miserable Flanke ins nichts, wo außerdem der Kopfballspieler fehlte. Drei Minuten später wieder der gleiche Müll, 8 min danach genauso. Spielerisch immer grauenvoller und in der Liga mäßige Ergebnisse. Das ging den Fans schon damals nach und nach tierisch auf die Nerven, wobei Rehhagel dennoch fast jedes Jahr einen Titel geholt hat. Bis es mit den richtigen Neuzugängen 1992 (Beiersdorfer, Herzog, Hobsch) gelang, den altgedienten Otto-Fussball wiederzubeleben.
Das wäre ein Beispiel wie es doch noch mal funzen kann, mit den richtigen Spielern.
Andererseits bin ich heute immer noch der Ansicht, dass Rehhagel viel zu lange da war, obwohl er in seinem letzten Jahr fast nochmal Meister geworden wäre. Dieses "Wiederbeleben" von etwas, was irgendwann einmal funktionierte, selbst wenn (kurzfristig) die Renaissance gelingt, halte ich für den falschen Weg. Die Schwierigkeiten nach Rehhagel hatten m. E. zu einem guten Teil mit den letzten Jahren unter Rehhagel zu tun. So ähnlich könnte es Werder nach Schaaf ergehen, wobei ich schon denke, dass Werder diesmal darauf besser vorbereitet wäre als 1995.