Ich verstehe nicht, wieso diese Diskussion immer gleich so sehr in Polemische abdriften muss.
Kann man nicht auch ganz normal darüber diskutieren, ohne gleich alles in einen Topf zu werfen, um jenen dann mit Häme über denjenigen mit gegenteiliger Meinung auszukippen?
Ich denke, man sollte mal ein wenig differenzieren:
1. der Wiesenhofdeal. Es ist sicher für einen Verein wie Werder schwieriger, potente Sponsoren ans Land zu ziehen, so dass es - wenn es finanziell stimmen soll - dann eher mal Firmen mit eher zweifelhaftem Ruf werden, die auf Werders Brust landen. Die Vorgeschichte mit Sponsoren wie Bwin, Kik und CitiBank lässt schon ein wenig verwundern, dass jetzt gerade der Wiesenhofdeal solche Wellen geschlagen hat. Mir wäre auch ein eher cooler Sponsor für Werder viel lieber, aber ich fürchte, diese Kröten muss man einfach schlucken oder aber sich komplett vom Profifußball abwenden, denn ändern wird man ihn sicher nicht können.
2. die Außendarstellung von Werder. Hier würde ich mir ein wenig mehr Souveränität wünschen. Es ist klar, dass man seinen Sponsor unterstützen muss und nicht für Dinge kritisieren darf, die schon bei der Vertragsunterzeichnung offensichtlich waren. Trotzdem gehen mir Aussagen ziemlich gegen den Strich, die Kritiker als fremdgesteuert darstellen oder aber der Brief an ausgetretene Mitglieder, denen zwischen den Zeilen vorgeworfen wird, damit das soziale Engagement von Werder zu negieren. Und auch die Reaktion auf Trittins war in meinen Augen sehr wenig souverän. Hätte man nicht einfach sagen können, dass man die Entscheidung bedauert, aber respektiert, und Trittin für sein Engagement bei Werder (was auch immer er gemacht hat) dankt? Nicht viel sagen, den Wind aus der Geschichte nehmen und fertig?
3. Trittins Rücktritt von seinem Engagement ist eigentlich nur zwangsläufig. Er wird es sich als Politiker der Grünen gar nicht leisten dürfen, in die Nähe von Wiesenhof gesetzt werden zu können. Spätestens zur nächsten Wahl wäre irgendein Aufklärungsblatt gekommen und hätte eine Story daraus gemacht. Vielleicht gab es ja schon die ersten Kommentare etc., die ihn zu diesem Schritt veranlasst haben. Werder wird ihm bei weitem nicht so wichtig sein, dass er dafür schlechte Nachrichten über sich lesen möchte. Das hätte jeder Politiker so gemacht. Das kann man mögen oder nicht, aber so sieht der politische Alltag aus. Wieso man sich da jetzt groß drüber aufregen muss, kann ich nicht verstehen.
Fassen wir zusammen:
- neuer Sponsor: suboptimal, aber wohl nicht zu vermeiden gewesen
- Werders Außendarstellung: verbesserungswürdig, da oft wenig souverän
- Trittins Rücktritt: Reissack in China
So, und jetzt drei Punkte gegen den HSV und alles ist gut. :applaus: