Was mir hierbei auffällt: wir schauen doch immer mit einer gewissen Häme nach Schalke, die ihre Zuschauereinnahmen auf Jahre verpfändet haben. Allerdings ist die Situation bei Werder doch nicht ganz unähnlich: wenn die Zuschauereinnahmen in die Stadiongesellschaft fließen und dort zur Tilgung der Kredite benutzt werden, bekommt doch auch Werder auf Jahre weniger (wenn nicht gar nichts) aus den Zuschauereinnahmen. Wo ist der Unterschied zu Schalke (wenn man mal die Laufzeiten außer acht läßt)? Auch Werder wird für längere Zeit Geld aus Zuschauereinnahmen fehlen, das sonst hätte in die Mannschaft investieren können. Also gibt Werder zwar kein Geld für den Stadionumbau aus, sondern nimmt aufgrund des Umbaus weniger Geld ein. Unter dem Strich läuft das doch qualitativ aufs Gleiche heraus: Werder hat weniger Geld für die Mannschaft. Oder verstehe ich da etwas völlig falsch?
P.S.: mir ist schon klar, dass ein Umbau irgendwie finanziert werden muss und dass das Gled irgendwo her kommen muss. Ich möchte es nur verstehen, wie genau das funktioniert.
Die Antwort ist hier eher ein Jein. Die Finanzierung ist nicht linear angelegt, sondern eher regressiv, mit zunehmender Dauer verringert sich also die jährlichen Aufwendungen. In den ersten Jahren laufen hier noch ein paar alte Verbindlichkeiten parallel, die sofern sie nicht schon im neuen Darlehen mit abgelöst wurden, dann wegfallen. Somit wird dann auch der Ertragsanteil wieder merklich ansteigen, den Werder aus der Stadionsgesellschaft erhält. Diese Übergangsjahre sind aber teilweise mit in der Finanzierung eingeplant, damit der Verein nicht gravierend weniger Geld bekommt. Generell ist es aber auch in der privaten Immobilenfinanzierung so, dass man dann an anderen Stellen einsparen muss, z. B. der zweite Urlaub fällt weg, die langfristigen Vorteile aber klar überwiegen. Den Bayern z. B. geht es nicht anders.
Um den Vergleich zu den Schalkern herzustellen, ist es schon eine etwas andere Situation. Werder hat einen festen Betrag den das Stadion kosten wird und der klar in das finanzielle Gesamtkonzept eingebunden ist. Es ist klar wann dieser abgetragen ist und welchen Spielraum man hat und wie man diesen einhalten muss.
Bei Schalke ist es auch ein fester Betrag, der sich aber in den Jahren vergrößert hat, da immer neue Verbindlichkeiten hinzukamen anstelle die alten langsam abzutragen. Hier werden ständig neue Gesellschaften gegründet, die immer wieder neue Schulden aufnehmen, um diese dann an die anderen Gesellschaften umzubuchen, damit es dort finanziell nicht zuende geht.
Ein kleines praktisches Beispiel anhand einer Familie:
Vater hat viele Schulden und die Bank wil ihn die Dispokredite kündigen, wenn er diese nicht zeitnah ausgleicht. Also eröffnet Mutter bei einer anderen Bank ebenfalls ein Konto mit Dispo, den sie ausreizt um die Gelder an Vater zu überwiesen. Irgendwann kommt auch Mutter an die Grenzen und der Sohn steigt in das Spiel an und muss mittlerweile für Vater und Mutter die Konten ausgleichen. Als er nicht mehr kann, muss die Tochter mit ihrer Binität haften und die anderen drei Familienmitglieder ausgleichen. Und so weiter und so weiter...
In diesem Konstrukt wachsen die Schulden Jahr für Jahr an, obwohl es zumindest beim Vater, den alle anderen primär versorgen, gut ausschaut. Ähnlich muss man es sich bei Schalke vorstellen. Dummerweise ist nur der Vater, also die Schalke GmbH" für die Lizensierung wichtig und dort sieht es immer noch einigermaßen gut aus. Würde man das Gesamtkonstrukt betrachten, wäre es hier sehr düster.
Hier unterscheidet sich Werders Situation mehr als deutlich von der Schalker. Hoffe, Du verstehst es so ein bisschen besser.
Solche Aussagen muss man nicht verstehen oder?
. In diesem Sinne wünscht euch allen ein frohes neues Jahr der mezzo. GWG!
By the way die wollten ja sogar Leute kaufen weil sie günstig rankommen ohne aber einen Trainer zu haben. Ich schweife ab..
