Vielleicht für den einen oder anderen ein paar Gedanken zum Nachdenken:
Eigentlich liest man die letzten 2 Jahre im Worum immer die gleich Phrase, nämlich das Werder durch die CL-Teilnahmen mehr oder weniger im Geld schwimmen müsste. Dabei wird leider übersehen, dass es genau diese vielen CL-Teilnahmen waren, die dazu geführt haben, dass Werder den Status besitzt, den wir uns erarbeitet haben. An dieser Stelle bitte die enttäuschende Hinrunde einmal ausblenden, da diese einfach ein ärgerlicher Ausreißer nach Unten darstellt.
2003/2004 war eine sehr entscheidende Station auf Werders Weg nach Oben. Ohne die Meisterschaft und die damit verbundene CL-Quali wären all die guten Spieler nicht zu Werder gekommen, die man in den Folgejahren verpflichten konnte. Klose, Frings, Wiese, Mertesacker, Fritz, Diego, Özil, Pizarro, Marin und Arnautovic wären nicht zu Werder gekommen, hätten sie hier nicht die Möglichkeit gehabt in der CL zu spielen, sich dort weiterzuentwickeln und auch den einen oder andern Euro mitzunehmen.
Gemessen an den finanziellen Möglichkeiten Werders, wären diese Spieler in der Summe nicht zu finanzieren gewesen, weder in der Transfersumme, als auch im Unterhalt. Die meisten hier erinnern sich sicher noch an das Theater eines Willi Lemke, als um die Ablöse von 5 Mio. Euro für Klose gng. Dieses war ein Meilensteine in der Historie Werders. Gemessen an dem vorherigen Transferrekord Tonis mit rund 5 Mio. DM, als 2,5 Mio. Euro, was dies ein Quantensprung, der auch eine neue Ära Werders einleitete. Und selbst mit den CL Millionen musste KA um den Klosetransfer kämpfen, viel mehr sogar, als an die Öffentlichkeit gedrungen ist.
Deshalb ist die Teilnahme an der CL mittelfristig für Werder so wichtig, nämlich um die Mannschaft unterhalten zu können. Denn die von mir aufgezählten Spieler, hätten bei anderen Vereien deutlich mehr verdienen können, als bei Werder. Weil Werder ihnen aber die Perspektive CL bieten konnte und die Spieler, überdurchschnittlich an den Einnahmen dort beteiligen konnte. Somit war das Gehalt der Spieler, bestehend aus Grundgehalt und Erfolgsprämien sowie CL-Boni sehr attraktiv und Werder konnte über diesen Weg finanziell mit den Gehältern der Konkurrenz mithalten. Zumindest solange, wie die Spieler nicht eine höheres Garantiegehalt forderten. Hieran scheiterten in der Regel auch die meisten der heißen Kandidaten der letzten Jahre, da die Spieler sich nicht auf die quasi Abo-Teilnahme Werders an der Champions League verlassen wollten.
Aus diesem Grund liegen auch keine Milliarden bei Werder im Keller, die man dort hortet um einmal die Woche ein Goldbad zu nehmen. Sondern sie stecken größtenteils in den Spielern. Da es hier den Kreislauf gibt, dass die Spieler Werder die CL ermöglicht haben, aber nur zu Werder wegen der CL gekommen sind.
Gemäß einem festen Verteilschlüssel, der sich nach dem Status des Spielers richtet, werden 50 Prozent der Einnahmen aus der CL an die Mannschaft ausgeschüttet. Desweiteren fallen Steuern auf alle Einnahmen an und Werder bildet aus dem vorhandenen Geldern noch Rücklagen und Rückstellungen, die auch für neue Transfers genutzt werden, gebildet.
Werder hat die Philosophie, das ein Saisongrundetat immer als Reserve zur Verfügung stehen sollte, damit kurzfristig ein "Europalose" Saison überbrückt werden kann, ohne auf externes Kapital angewiesen zu sein.
Wir sind eben kein Branchenprimus wie der FC Bayern München, wo eine Adidas oder Audi mit einem dreistelligen Millionenbetrag einsteigen und die Telekom bis zu 20 Mio. jährlich für die Trikotwerbung zahlt.
Auch sind wir Gott sei Dank kein FC Schalke, die es nur noch deshalb gibt, weil dort an der Spitze ein Clemens Tönnies sitzt, der mehre hunderte Millionen schwer ist und mit der Privatschatulle für die Transfers bürgt. Dort sind Werbe- und Zuschauereinnahmen für mehrere Jahre im Voraus verpfändet oder schon als Vorschuß kassiert wurden. Zudem subventioniert die Gemeinde den Verein über die Arenabeiltung des regionalen Energieversorgers, ansonsten wären im letzten Jahr bei Schalke schon die Lichter ausgegangen.
Ich könnte hier jetzt auch noch den HSV anführen, dem der Großteil der Rechte an der eigenen Mannschaft schon gar nicht mehr gehört, weil hier Rechte an Banken und Investoren abgetreten wurden.
Auch ist Werder keine Betriebssportgruppe des weltweiten Automarktführers, der Jahr für Jahr gigantische Summen bereitstellt, um damit die Mannschaft auszubauen.
Deshalb bin ich persönlich unheimlich stolz auf meinen Verein Werder Bremen, weil er einen Status erreicht hat, den kein Schalke, kein HSV, kein Leverkusen, kein Wolfburg, kein Hoffenheim, kein BVB und auch kein FC Bayern erreicht hätten, würden sie mit den gleichen Bedingugen wie Werder arbeiten müssen.
Natürlich könnte KA morgen zu einer Bank gehen und sich 20 Millionen für Transers besorgen. Dieses wäre kein gar Problem und durchaus realistisch. Nur garantieren diese Gelder den Erfolg, sodass die Mannschaft auch für die Re-Finanzierung sorgen kann? Erfolg ist im Fußball nur bedingt planbar und mit vielen Unwägbarkeiten versehen. Verletzungspech hat auch den großen FCB dieses Jahr in der Tabelle nach unten rutschen lassen und es läuft dort nicht nach Wunschprogramm.
Deshalb geht Werder nicht diesen Weg und erkauft sich den Erfolg um jeden Preis. Glaubt mir, ich hätte es auch gerne, wenn Werder man eben so 15 - 20 Mio. für einen Star ausgeben könnte, der uns die Meisterschaft im Alleingang holt. Nur ist das nicht die Philosophie Werders und wird es glücklicherweise in absehbarer Zeit niemals sein.
Noch einen kurzen Einwurf zum Thema Stadion. Es ist tatsächlich nicht so, dass Werder intern Gelder aus dem Spieleretat oder den Transfererlösen an die Stadionsgesellschaft transferieren muss und es tut. Hier ist tatsächlich kein einziger Cent hingeflossen. Der Stadionsausbau wird komplett aus Darlehen realisiert und die Einnahmen aus dem Stadion fließen auch hier wieder in die Gesellschaft um die Raten zu tilgen. Es bleibt in den nächsten Jahren nur weniger als Erträge übrig, die von dort an die Werder GmbH, als Anteilseigner, ausgeschüttet werden können. Was aber ganz normal ist, weil Kredite immer auch Verzicht bedeuten, sowohl in der Wirtschaft als auch im Privaten. Langfristig wird es dem Verein aber sehr großen Nutzen bringen, vorallem dann, wenn Werder endlich 100 % Inhaber der Stadionsgesellschaft ist, was das große Ziel Werders für die kommenden Jahre ist.
Vielleicht konnte ich dem einen oder anderen ein bisschen Hintergrundwissen vermitteln, sofern es mir aus meiner glücklichen beruflichen Situation heraus möglich ist, ohne Internas zu verraten, um die Situation unseres Verein ein bisschen unaufgeregter und differenzierter zu betrachten.
Allen schon mal ein schönes neues Jahr und eine noch schöne und erfolgreiche Rückrunde.