Es ist ja im Moment auch schwierig, auf alles einzuhauen. Zumindest die Vielzahl der Chancen zeigt ja dass nicht alles verkehrt gemacht wird. Und seite dem Gladbach-Spiel sieht man auch wieder spielerische Elemente die zu Torchancen führen. Man ist nicht in erster Linie von Sonntagsschüssen oder abgefälschten Bällen abhängig, sondern erarbeitet sich so langsam wieder Chancen durch überlegte Kombinationen und schnelles Spiel. Leider braucht Almeida trotz seiner bisherigen Torerfolge doch recht viele Chancen dafür, auch Pizarro vergibt derzeit Dinger, die er normalerweise im Schlaf macht.
Dem Mittelfeld scheint im Moment eher die Gedankenschnelligkeit zu fehlen, um bei einem Ballverlust schnell umzuschalten und draufzugehen bzw. dichtzumachen. Dass der Einsatzwille und die Laufbereitschaft nicht unbedingt als Begründung herhalten müssen, hat das Enschede-Spiel gezeigt. Nur frage ich mich, warum man diese Einstellung nicht konstant mitbringen kann. Es kann doch nicht sein, dass man immer erst mit dem Rücken zur Wand stehen muss.
Die Abwehr stellt sich derzeit leider von selbst auf. Lediglich Merte ist wieder besser drauf als noch zu Saisonbeginn vor seiner Verletzung. Prödl macht seine Sache ordentlich, zeigt aber dennoch die eine oder andere Unsicherheit und hängt in Sachen Spielaufbau immer noch etwas hinterher, insofern hat sich bewahrheitet dass Naldo langfristig nicht aus den eigenen Reihen zu ersetzen ist. Nach einer bisher guten Saison fehlte außerdem Clemens Fritz - der einzige, der momenatan als Außenverteidiger eine normale Form bringt.
Und dann geht's los: biete ich zur Vervollständigung der Viererkette die Etatmäßigen Verteidiger auf oder baue ich so um, dass ich Spieler auf ungewohnten Positionen einsetze? Das ist derzeit alles nicht optimal, entsprechend anfällig sind wir hinten.
Soviel zur Situation.
Bis auf die mentale Frische vieler Spieler ist es verdammt schwierig, auf die oben genannten Probleme einzuwirken. Für die Chancenverwertung ist es das beste, wenn einfach mal der Knoten platzt. Da kann man trainieren wie man will, da kann man Gespräche führen bis es dunkel wird, ein Stürmer kann sich seine Blockade am besten durch Tore nehmen.
Und hinten sind dem Trainer auch erstmal die Hände gebunden. Personal lässt sich frühestens im Winter aufstocken - aber auch nur wenn entsprechendes Material zu angemessenen Konditionen zur Verfügung steht und man nicht in blinden Aktionismus verfallen muss.
Lauf- und Einsatzbereitschaft passten jedenfalls in den letzten 3 Pflichtspielen wesentlich besser als in den Wochen davor - insofern scheint man zumindest hier etwas bewirkt zu haben.
Dass eben vieles doch funktioniert, macht die Lage so schwierig. Es wäre daher unangemessen, die Keule zu schwingen und eine Krise herbeizureden. Die mag angesichts der Ergebnisse nicht allzu weit wegliegen - aber rein spielerisch hat man derzeit immer noch viele positive Elemente, an denen man sich wieder hochziehen kann. Nichts anderes wird derzeit ja auch nach außen kommuniziert - was natürlich bei Betrachtung der Ergebnisse aussieht wie Schönreden der Situation.