Köhler war ein guter Präsident. Der einzige Vertreter des Volkes in Berlin.
Bei aller berechtigter Kritik an den Volksvertretern: Nicht alle sind schlecht. Insbesondere bei den weniger bekannten, den sog. Hinterbänklern, finden sich parteiübergreifend sehr viele kluge Köpfe. Leider macht es ein guter Charakter aber recht schwer, sich in der Parteihierarchie durchzusetzen, so dass viele "Größen" der Politik wirklich viel Angriffsfläche bieten.
Es gab in der Politik mal gewisse Grundsätze, die alle befolgt haben. Der Bundespräsident wurde nicht kritisiert. Dass sich ein Gysi nicht daran halten kann, hat sicherlich auch mit seiner Abneigung gegenüber der BRD zu tun.
Wenn es solche Grundsätze mal gegeben haben sollte, war Gysi beileibe nicht der Erste, der sie gebrochen hat.
Edmund Stoiber hat Johannes Rau mehrfach sehr hart angegriffen. Weil der eine einstige RAF-Terroristin begnadigt hatte. Und wegen dessen Position im Kopftuchstreit. Sogar die Antrittsrede von Rau war kritisiert worden, der damalige CSU-Generalsekretär Thomas Goppel kommentierte: "Ein Mann von gestern hat eine Rede von vorgestern gehalten".
Gysi war nach den Äußerungen Köhlers im Deutschland-Radio Kultur zudem weder der einzige noch der schärfste Kritiker. Er hat zwar gesagt: "Für Export und Freihandel kann man alles Mögliche tun, aber sicher keine Kriege führen.", aber auch gesagt, Köhler sage immerhin ehrlicher als andere, worum es in Afghanistan gehe.
Thomas Oppermann, Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion hat Köhlers Äußerungen als abwegig und lebensfremd bezeichnet. Und Jürgen Trittin hat den Bundespräsidenten mit seinem Vorgänger Heinrich Lübke verglichen.
Und auch die Medien haben schon früher Bundespräsidenten angegriffen. (Teilweise leider auf recht niedrigem Niveau, ZAK hat sich mal über Satzbau, Körperhaltung und Kopfform von Roman Herzog lustig gemacht.)
Kritik am Bundespräsidenten finde ich allerdings auch legitim und angebracht. Wenn er sich zu einem politischen Thema äußert, müssen Andersdenkene (ob Politiker oder nicht) das Recht haben, diese Position anzugreifen. Leider werden dabei zusehends Grenzen überschritten. Aber würde jeder Politiker, der als "dämlich" oder ähnliches bezeichnet wird deswegen den Hut nehmen, wäre es verdammt leer auf der Regierungsbank.