Johan "Le Chef" Micoud

Einen Spitznamen, den bekommt man nicht geschenkt als Fußballer, man muss ihn sich erspielen, erkämpfen, erschießen. Franz Beckenbauer wird auf alle Zeiten der Kaiser sein, Helmut Rahn war der Boss, Gerd Müller der Bomber. Kein vernünftiger Mensch wäre je auf die Idee gekommen, Andreas Möller einen Spitznamen zu geben. In Bremen, da nannten sie Johan Micoud Chef - nein, sie nannten ihn Le Chef.

2002 war er aus Parma gekommen. 29 Jahre war er damals, vielleicht schon ein wenig abgehalftert, jedenfalls kein Vergleich zu Zinedine Zidane, den alle nur Zizou nannten und der in der französischen Nationalelf Micouds Position besetzte.

In Bremen leitete er Zuspiele direkt weiter, lange bevor der Begriff One-Touch-football erfunden wurde. Er führte Werder Bremen 2004 zum Double, beim Spiel in München - das die Meisterschaft entscheiden sollte - drosch er den Ball nicht ins Tor, er hob ihn elegant über den verdutzten Oliver Kahn hinweg.

2006 ging er aus Bremen fort, zwei Jahre später beendete er seine Karriere, obwohl er zahlreiche Angebote vorliegen hatte. Es sei der richtige Moment aufzuhören, sagte Micoud damals. Er kaufte sich ein lieber ein Weingut und brachte vor zwei Jahren seinen ersten eigenen Bordeaux heraus. Einfach so.

(jüsc)

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