

Schiedsrichter Stark war keiner einfachen Situation. Das eigentlich spätestens ab der 70. Minute. Allerdings gibt er auch kein gutes Bild als Zeuge ab. Genauso wie übrigens der Verantwortliche vom DFB und von der DFL. Zumindest wenn man die Fetzen der Aussagen betrachtet, die über die verschiedenen Ticker veröffentlich wurden.
Zu Starks Aussage, dass die Spieler keine Angst gehabt haben könnten, weil sie ihn attackierten: Habe tatsächlich noch mal nachgelesen und Angriff kann tatsächlich eine Angstreaktion sein. Der Körper schaltet im Angstzustand entweder auf Flucht- oder Angriffsmodus. Hinzu kommt, dass es eben auch, dass es sich da wohl um vier oder fünf Herthaspieler handelte. Insgesamt waren ja nun aber 10 Herthaner zu dem Zeitpunkt noch auf dem Platz, andere saßen noch auf der Bank. Häufig hörte man in den Aussagen, dass sich gerade die Südamerikaner Sorgen um ihre Familien auf den Tribünen machten. Das kann man, vor dem Hintergrund dessen, was teilweise in südamerikanischen Stadien passiert, nicht einfach von der Hand weisen.
Zu den Aussagen der Leute von der DFL und vom DFB: Auch diese sind, zumindest, wenn man die Aussagefetzen aus den Tickern betrachtet, äußerst fragwürdig. Der eine Sprach davon, dass der Innenraum bei Wiederanpfiff "frei" gewesen sei. Der andere sagte, dass sich dort nur noch vereinzelt Zuschauer aufgehalten hätten. Auch hier muss man sich noch mal die Fernsehbilder vor Augen rufen. Die belegen, dass der Innenraum nicht frei gewesen ist bei Wiederanpfiff. Was man nun unter "vereinzelt" versteht, muss man selbst interepretieren.
Insgesamt wunderte mich wie wenig kritische Nachfragen an diese Zeugen von Seiten des Gerichts kamen. Auch verwunderte mich, dass man die Fernsehaufnahmen nicht als Beweis zugelassen hat. Wobei die Verwunderung ein wenig abgemildert wurde, weil ich schon das Gefühl hatte, dass das Gericht in eine bestimmte Richtung hinarbeitete.
Was nun die Frage der regulären Bedinungen angeht. Habe es gestern ja schon mehrfach gesagt, dass laut Durchführungsbestimmungen keine Personen im Innenraum sein dürfen, die dazu nicht speziell berechtigt sind. Das war seit 86. Minute der Fall. Hier liegt auf dem Papier eine Regelübertretung vor. Ob nun diese Regelübertretung ausreicht, um das Spiel abzubrechen kann ich nicht beurteilen. Hier muss man eben sagen, dass der Herr Stark dies offensichtlich nicht so gesehen hat. Auch hier kann man, wenn man böse ist sagen, dass Stark mit der Fortsetzung des Spiels auch die für sich bequehmste (sicherste) Lösung gewählt hat. In meinen Augen in dem Moment auch die richtige Lösung, da alles andere die Situation hätte eskalieren lassen können. Aber noch von regulären Bedinungen zu sprechen, ohne Eckfahnen, ohne Elfmeterpunkt, mit Zuschauern am Spielfeldrand, halte ich dann doch für sehr fragwürdig.
Insgesamt ist die Situation nicht leicht zu beurteilen. Und ich persönlich komm mir hier im Forum schon ein wenig komisch vor die Seite der Herthaner stärker zu vertreten, da diese eigentlich ebenso wenig mag wie die meisten hier. Allerdings versuche ich die Sache ein wenig neutral zu betrachten. Und da komme ich einfach zu dem Schluss, dass man der Hertha Unrecht tut, wenn ihnen hier Kalkül und Schmierentheater vorwirft. Die Situation in Düsseldorf war in den letzen 12 Minuten (86. - 90. + Nachspielzeit) eine schlichte Katastrophe. Genauso wie rund um die die 70igste. Und ich glaube auch, dass einige Spieler der Hertha stark verängstigt waren. Sicher nicht alle. Aber durchaus einige. Das reicht für mich schon aus, um dieses Argument nicht einfach vom Tisch zu wischen.
Und auch dkbs hat es eben noch mal richtig angesprochen, was wäre wohl passiert, wenn Hertha nach der 86. Minute noch ne Bude gemacht hätte, mit dem Mob da an der Seitenlinie (und bitte zeigt mir jetzt nicht wieder das Foto von den zwei Kids, dass ist genauso albern wie der Begriff "Todesangst").
Ich bleibe dabei, dass beide Vereine unabhängig von der Beurteilung dieses Spiels, sehr hart bestraft werden müssen. Auch die Spieler müssen entsprechend bestraft werden.
Mitterlerweile halte ich ein Entscheidungs-(kein: Wiederholungspiel) auf neutralem Platz ohne Zuschauer für die richtige Entscheidung.