Zum Frage verstehen: Arbeitsteilung gab es noch nicht immer
Dem würde ich widersprechen. Arbeitsteilung gab es bereits bei den Jägern und Sammlern, sonst hießen sie ja nicht so. Es ist nur so, dass erst in dem Maße, in dem man sicher sein kann, für Geld die Dinge des täglichen Bedarfs, also für die Reprduktion, zu bekommen, man sich selbst nicht mehr darum kümmern muss. Und erst dieser Schritt, dass der einzelne Mensch sich nicht mehr um seinen täglichen Bedarf zu kümmern braucht, ermöglicht eine viel weitergehende Arbeitsteilung als die, dass einer jagen und einer sammeln geht.
Arbeitsteilung hängt insofern auch mit der Entwicklung von Privateigentum und Staatlichkeit zusammen. Solange Menschen in der Horde umherziehen und das jagen und sammeln, was sie (ver-) brauchen, solange müssen sie auch nicht darüber nachdenken, wie sie tauschen. Unter ihnen herrscht eine Art "Frühkommunismus". Privater Besitz und die rechtmäßige Garantierung desselben beginnt erst dort an Bedeutung zu gewinnen, wo der Übergang zu systematischem Ackerbau und einer Viehzucht beginnt. Denn wer das bessere Land und mehr von den besonders fetten Viechern hat, der hat auch am Ende des Tages etwas übrig, das er tauschen kann. Tausch funktioniert aber nur, wo die Tauschpartner sich als "Gleiche" gegenüber stehen und wo "Vertragsfreiheit" herrscht. Der Ackerbauer und Viehzüchter braucht also jemanden, der ihm garantiert, dass er die Viecher und den Acker besitzen darf - den Souverän, den Staat. Denn sonst müsste man nicht mit ihm tauschen, sondern könnte ihn totschlagen und sich die Viecher einfach nehmen.
Der Staat ist deswegen für die Entwicklung und Tausch wichtig, aber vor allem auch deswegen, weil er dafür garantiert, dass die Münze, die Währung, überhaupt gilt. Nicht umsonst wurde fast überall das Gesicht des Herrschers auf die Münzen gedruckt. Der Übergang zu einer warentauschenden Gesellschaft setzt voraus, dass das Privateigentum gesischert wird und dass für die Gültigkeit eines allgemein anerkannten Tauschmittels gesorgt wird, dass es ein Gesetz gibt und dass dieses auch durchgesetzt wird.
Um den Bogen zur Ausgangsfrage zurückzuspannen: Ich denke so wird ein wenig deutlicher, wie sich der Übergang von der Subsistenz- oder Natural- zur Geldwirtschaft gesellschaftlich durchgesetzt hat und warum das Geld als allgemein anerkanntes, staatlich garantiertes Tauschmittel hierfür eine so wichtige Rolle spielt. Besonders interessant ist die Aktualität dieser Frage in der sogenannten "Staatsschuldenkrise" heute, die in Wirklichkeit eine Währungskrise ist. Das bedeutet, dass etliche Menschen die Gültigkeit des Zahlungsmittels, der Währung Euro z.B., bezweifeln. Geld ist ein abstraktes Konzept und wenn man darüber nachdenkt, was die "10" auf dem Geldschein eigentlich bedeuten soll, 10 von was überhaupt, könnte man fast verrückt werden. Darum ist die Frage, was Geld eigentlich ist (und vor allem die, ob es "Geld" überhaupt geben kann und nicht nur Währungen) eine, an der selbst die Gelehrten verrückt werden.