Es wird nochmal richtig spannend um Platz 3
Bedingt. Erfreulicherweise. Mit etwas Glück ist für den HSV sogar noch Platz 2 drin. Aber St. Pauli (sowie Düsseldorf bzw Paderborn, sofern sie nicht am Wochenende gewinnen) dürften es sehr schwer haben, noch an den Relegationsplatz dranzukommen.
Das Spiel war eine Achterbahn der Gefühle. Ähnlich wie die Saison insgesamt. Extrem spannend, viel Drama, etwas Glück und mit einem positiven Ausgang für den HSV. Die Fans sind mindestens bundesligareif. Das Team... naja. Offensiv vielleicht, defensiv wird es vermutlich noch mehr Gegentore geben bei den Patzern im Defensivverhalten. Da wird man schon etwas Glück brauchen nächste Saison, um nicht gleich wieder abzusteigen.
Ein paar Worte zu Trainer und Management. Fachlich glaube ich ist Tim Walter durchaus ein guter Trainer. Er hat eine recht klare Spielphilosophie, die er offenbar auch recht gut vermitteln kann und die erfolgreich ist. Defensiv braucht es noch etwas (siehe oben), aber offensiv ist das schon wirklich gut, zumindest teilweise. Die dritte Saison in Folge mit 60+ Toren (ich gehe davon aus, dass der HSV in den verbleibenden fünf Spielen noch mehr als ein Tor erzielt). Das gab es im Volkspark schon länger nicht mehr.
Menschlich finde ich Tim Walter schwierig. Vorsichtig ausgedrückt. Sicher, er brennt für seine Mannschaft, den Verein. Aber mit ihm brennt es manchmal auch durch. Und das nervt. Gewaltig. Und nicht nur im Umfeld des HSV. Diese Szenen während und nach dem Derby erinnerten an Gernot Hassknecht, den bekanntesten Choleriker Deutschlands

, und waren gelinde gesagt zum Fremdschämen

. Und eigentlich nicht das Bild, dass ich mir von einem HSV-Trainer vorstelle. Da wären eher so Typen wie Horst Hrubesch oder Felix Magath für mich die Vorbilder, denen man nacheifern sollte. Oder, noch besser, Ernst Happel. Naja, der hat eh Gottstatus im Volkspark. Zurecht.
Was Jonas Boldt angeht, kann ich zu seinen fachlichen Kompetenzen wenig sagen, da man ja nicht über alle Details etc informiert wird. Das ist ja nicht (ganz) so wie auf Schalke oder an der Säbener Straße. Aber auch Boldt könnte etwas zurückhaltender in der Außendarstellung seiner Emotionen sein.
Naja. Insgesamt sehe ich das "Projekt 4" nun ernsthaft gefährdet, wenn nicht noch auf der Zielgeraden gerade gegen Gegner wie Sandhausen die Niederlagen kommen. Nach dem gestrigen Spiel werde ich aber den Rest des Wochenendes mit einem Grinsen zubringen. Und aus reinem Eigennutz den grün-weißen in Berlin die Daumen drücken. Nicht dass meine Frau sauertöpfisch daherkommt, während ich so guter Laune bin.

