Gleichberechtigung / Genderneutrale Sprache

Das stimmt, allerdings passiert das im Positiven wie im Negativen. In meinem Umfeld gibt es Menschen, die das Ganze als sinnvoll erachten und positiv sehen, so wie Du. Mehrheitlich allerdings empfindet es mein Umfeld - und zwar Männlein und Weiblein gleichermaßen (ich kennen niemanden, der "divers" ist), als nervig, sobald es zu erschwerter Lesbarkeit etc. führt. Und etwas, das als nervig empfunden wird, ist nicht positiv besetzt, sondern schadet mMn eher denjenigen, zu deren Nutzen es gedacht ist.
Veränderungen werden wohl oftmals zunächst negativ aufgenommen. Das ganze ist ja auch ein Prozess, der lange dauern wird und an den sich die Leute erst gewöhnen müssen. Natürlich führt die Änderung des Sprachgebrauchs nicht innerhalb kürzester Zeit zu einer Änderung der Denkweise. Aber (hoffentlich) schrittweise.
 
Es ist aber nunmal eine Tatsache, dass Menschen aufgrund von Hautfarbe und Geschlecht diskriminiert werden. Zu sagen, man würde nicht auf Hautfarbe oder Geschlecht achten wollen, ignoriert diese Tatsache und macht eine Diskussion und daraus folgend eine Änderung des Status Quo unmöglich. Wie die Leute, die auf "Black lives matter" immer mit "all live matter" geantwortet haben.

Natürlich gilt "all lives matter".

Die Diskriminierungsvorwürfe werden immer hysterischer.
Ein Schiedsrichter will seinem Kollegen mitteilen, welcher Spieler sanktioniert werden muss und sagt "der Schwarze", weil ein Schwarzer unter mehreren Weißen steht. Da wird gleich ein Riesenfass aufgemacht. Aber er ist doch nun mal schwarz.
Wäre ein Weißer unter mehreren Schwarzen, würde man dann auch so ein Fass aufmachen, wenn gesagt wird "der Weiße"?
Wäre eine Frau unter mehreren Männern, würde man dann auch so ein Fass aufmachen, wenn gesagt wird "die Frau"?

Ich vermute, dass gar nicht so sehr echte Diskriminierungsvorwürfe dahinter stecken, sondern viel mehr der Wunsch, öffentlich auf der "richtigen Seite" wahrgenommen zu werden. Es ist gut fürs Image, wenn man sich gegen Diskriminierung positioniert, auch dort, wo gar keine vorliegt.

Natürlich sind Rassismus und Geschlechterdiskriminierung zu verurteilen.
Das ist eine Selbstverständlichkeit.
Deswegen kann man damit auch nicht besonders glänzen, es sollte der Normalfall sein.
Man muss also immer mehr auch bei Bagatellen laut "Diskriminierung" schreien, um als besonders sensibler Kämpfer für die gute Sache wahrgenommen werden.

Ein besonderes Phänomen ist, dass die meisten Schwarzen überhaupt kein Problem damit haben, wenn sie als Schwarze bezeichnet werden. Dass man das Wort Negerkuss nicht mehr verwendet, finden sie geradezu lächerlich.
Ebenso lehnen auch die meisten Frauen das Gendersternchen und andere sprachliche Verunstaltungen ab.
Die meisten Eiferer sind völlig unbetroffen, was mich in meiner Vermutung bestärkt, dass es nur darum geht, sich selbst zu dekorieren.
 
Veränderungen werden wohl oftmals zunächst negativ aufgenommen. Das ganze ist ja auch ein Prozess, der lange dauern wird und an den sich die Leute erst gewöhnen müssen. Natürlich führt die Änderung des Sprachgebrauchs nicht innerhalb kürzester Zeit zu einer Änderung der Denkweise. Aber (hoffentlich) schrittweise.

Die türkische Sprache kennt kein generisches Maskulinum oder Femininum.
Ich kann aber nicht beurteilen, ob dieser sprachliche Unterschied auch zu einer unterschiedlichen Denkweise geführt hat, so dass es dort weniger Geschlechterdiskriminierung gibt.
 
Das hier unter anderem:

Ist das deine normale Wortwahl im Ruhepuls oder was?


Ach so, aus ihrer subjektiven Warte heraus bestimmen Leute für die Allgemeinheit, was die wahren Probleme sind. Wow.


Was du aber offenbar nicht hinkriegst, ist zu sagen, warum du dieser Ansicht bist. Es kommt immer nur die Behauptung, es würde nichts bringen oder am Thema vorbei gehen. Hab ich verstanden. Aber warum denkst du, dass das so ist?

Was hälst du zum Beispiel hiervon? https://www.tagesspiegel.de/gesells...chlechtergerechte-sprache-wirkt/24906988.html
Jo, mich nervt diese Debatte, weil sie mehr schadet als nützt eben weil dieses Umdenken mMn nicht dazu führt, dass eine Gleichberechtigung (Die ich erstrebenswert finde) damit erreicht wird.
Es mag Leute geben, wie dich, die finden dass das ein Schritt in die richtige Richtung ist, ich finde das eben nicht.
Hab das sprachlich natürlich etwas überhöht aber, glaub mir, mich nervt es nicht so sehr, dass es meinen Alltag irgendwie beeinflusst.
Toll, dass das in Schweden offenbar funktioniert, ob das so auf uns übertragbar ist bezweifle ich aber.
Könnte nun Studien raussuchen, die das Gegenteil ausweisen, dazu habe ich aber keine Lust.:)
 
Jo, mich nervt diese Debatte, weil sie mehr schadet als nützt eben weil dieses Umdenken mMn nicht dazu führt, dass eine Gleichberechtigung (Die ich erstrebenswert finde) damit erreicht wird. Es mag Leute geben, wie dich, die finden dass das ein Schritt in die richtige Richtung ist, ich finde das eben nicht.
Ach so, na klar. Ist halt eigentlich auch nur eine Frage der persönlichen Meinung, ob das was bringt oder schadet, Begründungen dafür sind eh überflüssig.

Und natürlich findest du Gleichberechtigung erstrebenswert, solange das nicht auch für die haarigen Emanzen gilt oder
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Ein besonderes Phänomen ist, dass die meisten Schwarzen überhaupt kein Problem damit haben, wenn sie als Schwarze bezeichnet werden. Dass man das Wort Negerkuss nicht mehr verwendet, finden sie geradezu lächerlich.
Ebenso lehnen auch die meisten Frauen das Gendersternchen und andere sprachliche Verunstaltungen ab.
Die meisten Eiferer sind völlig unbetroffen, was mich in meiner Vermutung bestärkt, dass es nur darum geht, sich selbst zu dekorieren.

Wow. Einfach nur: Wow. Wer bist du, der Lobbyführer von 40mio Frauen und PoC in Deutschland?

Frage an alle: Was genau verliert ihr eigentlich?

Sobald das geschriebene Wort sich nicht ins Gesprochene übertragen lässt, ist es mir persönlich komplett Wumpe ob da Sternchen oder sonstwas stehen denn aussprechen kann man es ja nicht. Wenn man mich auffordert im dienstlichen Umfeld auf dieses oder jenes zu achten: Ja meine Güte, dann mache ich es halt, kostet mich nämlich nichts. Wo man Sprache ohne große Verrenkung "gerecht" verwenden kann, soll man es tun. Wo das nicht geht, soll man es lassen. Zum Beispiel beim heiligen Gral: Der Mensch :D
 
Wow. Einfach nur: Wow. Wer bist du, der Lobbyführer von 40mio Frauen und PoC in Deutschland?

Frage an alle: Was genau verliert ihr eigentlich?

Sobald das geschriebene Wort sich nicht ins Gesprochene übertragen lässt, ist es mir persönlich komplett Wumpe ob da Sternchen oder sonstwas stehen denn aussprechen kann man es ja nicht. Wenn man mich auffordert im dienstlichen Umfeld auf dieses oder jenes zu achten: Ja meine Güte, dann mache ich es halt, kostet mich nämlich nichts. Wo man Sprache ohne große Verrenkung "gerecht" verwenden kann, soll man es tun. Wo das nicht geht, soll man es lassen. Zum Beispiel beim heiligen Gral: Der Mensch :D
neuman kannste einfach ignorieren in der Diskussion, kannst ja mal schauen, was er gestern schon alles abgelassen hat. Aber natürlich ist er auch gegen Geschlechterdiskriminierung :D
 
neuman kannste einfach ignorieren in der Diskussion, kannst ja mal schauen, was er gestern schon alles abgelassen hat. Aber natürlich ist er auch gegen Geschlechterdiskriminierung :D

Ja ich weiß, er erklärt auch immer wieder was Rassismus ist und das natürlich dies vom Sender bestimmt wird und nicht vom Empfänger. Aber sich zum Sprecher von, wasweißich, 50mio Menschen zu machen, das hat Rückgrat :D
 
Na offenbar herrscht eben noch nicht die nötige Akzeptanz in der Gesellschaft, dass sich alle Menschen trauen können, sich zu outen. Das Problem existiert also offensichtlich und muss angegangen werden. Und da wären wir dann unter anderem wieder bei Änderungen der Sprache, die Änderungen im Denken beeinflussen kann. Und damit dann auch wieder bei der Gleichstellung der Geschlechter. ;)
:tnx: Unsere Gesellschaft - und damit meine ich nicht nur die des deutschen Michels, sondern generell in demokratisch geprägten Staaten - ist bei aller Entwicklung, die sie in den letzten Jahrzehnten durchlebte, hinsichtlich der Gleichstellung der Geschlechter (ebenso wie in der Akzeptanz von nicht heterosexuellen Orientierungen) noch sehr rückständig. Deswegen sind die Hemmschwellen für ein Comingout entsprechend hoch. Die Änderungen der Sprache sind zwar ein guter Anfang, auch wenn dies ggf. die Lesbarkeit stört. Weil gute Anfänge reichen alleine nicht aus, denn die Gesellschaft muss diesen Wandel auch aktiv gestalten. Denn gute Ansätze hat es mit der sukzessiv erfolgten rechtlichen Gleichstellung in den Jahren 1962, 1979 und 1977 auch schon (wenn auch sehr spät) gegeben, doch in den Köpfen unserer heutigen Gesellschaft ist die Gleichstellung der Geschlechter in vielerlei Hinsicht in den 1950er Jahren nahezu stehengeblieben.
 
Wow. Einfach nur: Wow. Wer bist du, der Lobbyführer von 40mio Frauen und PoC in Deutschland?

Frage an alle: Was genau verliert ihr eigentlich?

Sobald das geschriebene Wort sich nicht ins Gesprochene übertragen lässt, ist es mir persönlich komplett Wumpe ob da Sternchen oder sonstwas stehen denn aussprechen kann man es ja nicht. Wenn man mich auffordert im dienstlichen Umfeld auf dieses oder jenes zu achten: Ja meine Güte, dann mache ich es halt, kostet mich nämlich nichts. Wo man Sprache ohne große Verrenkung "gerecht" verwenden kann, soll man es tun. Wo das nicht geht, soll man es lassen. Zum Beispiel beim heiligen Gral: Der Mensch :D

Sprache ist ein entstandenes Gebilde: die Sonne, der Mond,
da es aber angewandt, sprich gesprochen wird, spricht nichts gegen eine Veränderung.

:)
 
Na dann lies mal den Post, auf den ich reagiert habe. ;)
Auf welchen Post Du geantwortet hast, tut hier nichts zur Sache. Du hast das geschrieben und das nehme als deine Meinung.
Na offenbar herrscht eben noch nicht die nötige Akzeptanz in der Gesellschaft, dass sich alle Menschen trauen können, sich zu outen. Das Problem existiert also offensichtlich und muss angegangen werden. Und da wären wir dann unter anderem wieder bei Änderungen der Sprache, die Änderungen im Denken beeinflussen kann. Und damit dann auch wieder bei der Gleichstellung der Geschlechter. ;)
Fehlende Akzeptanzen für Menschen die sich außerhalb der gesellschaftlichen Norm (so man sie überhaupt festlegen kann) befinden, ist ein alter Hut, dem begegnet man m.M. nicht mit Änderungen der Schriftform, der Sprechweise oder einschlägigen Artikeln. Wenn Frau Will z.B. ihre Sprechpause im Sinne der Sendervorgabe macht, denke ich nicht, "Hoppla, eine "Genderpause". Genau, da müssen wir was ändern."
Bis dato gab es eigentlich kein Problem, jedenfalls nicht in der öffentlichen Wahrnehmung, also sollte man erst einmal die Probleme öffentlich benennen, Sternchen sind zwar plakativ aber sind auch das letzte was dabei hilft.
 
Auf welchen Post Du geantwortet hast, tut hier nichts zur Sache. Du hast das geschrieben und das nehme als deine Meinung.

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Hä, wenn du mir vorwirft, das ins Spiel gebracht zu haben?

Fehlende Akzeptanzen für Menschen die sich außerhalb der gesellschaftlichen Norm (so man sie überhaupt festlegen kann) befinden, ist ein alter Hut, dem begegnet man m.M. nicht mit Änderungen der Schriftform, der Sprechweise oder einschlägigen Artikeln.
Aha. Und warum bist du dieser Meinung? Warum denkst du, Änderungen der Sprache könnten, gerade auch auf lange Sicht gesehen, keine Veränderung der Denkweisen bewirken?
 
Das stimmt, allerdings passiert das im Positiven wie im Negativen. In meinem Umfeld gibt es Menschen, die das Ganze als sinnvoll erachten und positiv sehen, so wie Du. Mehrheitlich allerdings empfindet es mein Umfeld - und zwar Männlein und Weiblein gleichermaßen (ich kennen niemanden, der "divers" ist), als nervig, sobald es zu erschwerter Lesbarkeit etc. führt. Und etwas, das als nervig empfunden wird, ist nicht positiv besetzt, sondern schadet mMn eher denjenigen, zu deren Nutzen es gedacht ist.

Ich war anfangs auch kritischen gegenüber geschlechtergerechter Sprache, da ich diese als sperrig und insbesondere die kurze Pause an der Stelle des Sternchens bei gesprochener Sprache künstlich empfand. Ich kann aber aus eigener Erfahrung berichten, dass das in erster Linie mit Gewöhnung zu tun hat. Mittlerweile lese ich einen gegenderten Text genauso schnell und unstockend wie einen nichtgegenderten und kann auch mündlichen Redebeiträgen mit Gendersternchen ohne jeglichen Mehraufwand problemlos folgen.

Und wenn man mal von der Sprachästhetik absieht: Was spricht denn gegen das Gendern? Viele Menschen haben das Gefühl, es nicht zu brauchen. Aber was wird denen genommen, wenn trotzdem gegendert wird? Denn es gibt nun mal viele Menschen, denen gegenderte Sprache als Zeichen von Partizipation und Einbeziehung wichtig ist, insbesondere auch vielen Menschen, die sich nicht-binär ins klassische Geschlechterbild einordnen können oder möchten. Und auch für diejenigen, die der Meinung sind, dass ihnen Gendern nichts bringen würde, sollte man festhalten: Sprache schafft Realität. Dementsprechend ist Gendern keine linguistische Fiktion zur Sprachverstümmelung. Verkürzt gesagt: Gleichberechtigung in der Sprache kann einen Beitrag zu gesellschaftlicher Gleichberechtigung leisten.

Ich muss selbstkritisch zugeben: Vor allem aus Faulheit oder Gedankenlosigkeit nutze ich in der Alltagskommunikation - zu der ich insbesondere auch meine Beiträge hier im Forum zähle - häufig keine gegenderte Sprache, aber prinzipiell halte ich es für richtig, sie immer stärker in den Alltagsgebrauch einzubeziehen. Gerade da auch in Zeitungen, Zeitschriften und öffentlichen Dokumenten in Zukunft zunehmend gegendert werden wird, wird es einem*r jeden häufiger begegnen, wodurch eine Gewöhnung einsetzt und das Gendern späteren Generationen selbstverständlich vorkommen wird.

Auch geil ist natürlich die Vorstellung, Gendern wäre eingeführt worden, um von echten Problemen abzulenken. :D

:tnx: Mich überzeugen derartige Argumente nicht. Natürlich gibt es größere Probleme und selbstverständlich wäre der Gleichberechtigung mehr geholfen, die Gender Pay Gap zu schließen als Mailanreden zu gendern. Aber es ist doch nicht so, als könnte man sich immer nur genau um ein einziges Problem kümmern und alles andere müsste man beiseite lassen. (Ganz abgesehen von der Verbindung sprachlicher und gesellschaftlicher Gleichberechtigung von der ich oben sprach!)
Eine kleine Analogie: Unsere Ecken sind meistens ausgesprochen ungefährlich. Wenn das Trainerteam sich darum bemühen würde, die Standards zu verbessern, würde ich das sehr begrüßen anstatt mich über die unfähigen Trainer zu beschweren, die versuchen das Eckenproblem zu lösen und damit "von echten Problemen" (bei uns beispielsweise die Schwierigkeiten ins letzte gegnerische Drittel vorzudringen) ablenken würden.
 
Zuletzt bearbeitet:
Was wird uns genommen? Im ersten Moment gefühlt mal gar nichts. Aber ich hatte das durchaus in einen Kontext gesetzt. Deswegen hätte ich statt einem eigenen Thread eine Verschiebung in den allgemeinen Politikthread, der hier mal sehr aktiv bepostet wurde, gestellt.

Diese sogenannte gendergerechte Sprache ist selbst nicht das Problem sondern einfach nur ein Auswuchs. Genauso wie die Debatte um den Begriff „Rasse“ in der Verfassung des Landes Bremen oder dem Grundgesetz. Lustigerweise kannte den die Bremische Landesverfassung den Begriff Rasse nicht bis die Grünen, die ihn heute wieder gestrichen haben wollen, ihn hineinverhandelt hatten.

Und jetzt komme ich zudem Problem: wir kümmern uns politisch seit einigen Jahren eben um Randprobleme. Die großen Diskriminierungen haben wir längst beseitigt. Klar gibt es da auch noch Dinge, die nachzujustieren sind. Das streitet keiner an. Allerdings fühlen sich große Teile der Bevölkerung mit ihren Sorgen mittlerweile alleine gelassen. Dies ist ja auch ein Grund für das erstarken der AfD obwohl sie nach dem Ende der Eurokrise und dem Abflauen der Migrationskrise diese Partei fast tot war.
Dazu kommt, dass man kaum noch unbeschwert durch das Leben gehen kann. Wenn ich mich in einer Email anscheissen lassen muss, dass ich keine genderneutrale Anrede verwendet habe - der Ton war eben schon unverschämt - dann hört es auf. Würde ich mich darüber öffentlich beschweren, dann wäre mir Shitstorm - die heutige Form des Prangers - nahezu sicher.

Deswegen leben und leben lassen. Wer seine Texte so schreiben oder sprechen möchte, der kann es meinetwegen tun. Ich beschwere mich darüber nicht. Ich beschwere mich darüber, dass man dies von mir verlangt und einfordert.

Das gleiche ist im Grunde auch schon dieses unterteilen in vermeintlich „Privilegierte“ und diejenigen, die da nicht sind. Wahlweise wird ja auch gerne der „alte weiße Mann“ bemüht. Das ist am Ende alles nicht weniger diskriminierend. Es kollektiviert in vermeintlich gute und schlechte Menschen. Ja, natürlich weiß ich, dass ich in gewisser Weise privilegiert bin, wobei es eben immer auf den Vergleichsmaßstab ankommt. Alleine das Glück in einem Land wie Deutschland geboren zu sein, ist weltweit gesehen schon ein Privileg. Gleichzeitig unterliegt jedes Leben - auch meines - Schicksalsschlägen und man begegnet immer wieder neuen Herausforderungen. Ein jeder hat so seine Päckchen zu tragen. Und wo ich sagen würde „stell dich nicht so an“ ist es für andere durchaus eine kaum nehmbare Hürde und umgekehrt.

Auch werden wir im Leben immer wieder Ungerechtigkeiten erleben. Das gehört zum Leben dazu. Vielleicht wird dies an äußern Merkmalen festzumachen sein (weil man den Plauze, Brille, Glatze oder eben dunkle Haut hat) oder weil man nicht das Glück hat über ein dickes Bankkonto zu verfügen. Aber ich bin davon überzeugt, dass wir bis zu einem gewissen Grad damit leben müssen. Denn bei jedem Versuch staatlicherseits einen Ausgleich zu schaffen kommt es nicht selten eben zu neuen Ungerechtigkeiten. Davon sind dann eben Gruppen betroffen, die gerade keine große Lobby haben.
 
Das gleiche ist im Grunde auch schon dieses unterteilen in vermeintlich „Privilegierte“ und diejenigen, die da nicht sind. Wahlweise wird ja auch gerne der „alte weiße Mann“ bemüht. Das ist am Ende alles nicht weniger diskriminierend. Es kollektiviert in vermeintlich gute und schlechte Menschen. Ja, natürlich weiß ich, dass ich in gewisser Weise privilegiert bin, wobei es eben immer auf den Vergleichsmaßstab ankommt.

Das Privileg vieler Männer in diesem Land ist es, so gut wie nie im Leben mit einer wirklichen Diskriminierung konfrontiert zu werden und damit klarkommen zu müssen. Ich lasse das "alt" weg. Ein Weißer Mann in einem der reichsten Staaten dieses Planeten auf einem der friedlichsten Kontinente dieses Planeten, ohne Krieg und größere Umweltkatastrophen wie Flächenbrände, Tornados, Erdbeben, Tsunamis, Vulkanausbrüche, hat es vergleichsweise einfach. Der reiche Weiße Mann muss nicht mit Alltagsrassimus klarkommen. Der reiche Weiße Mann muss nicht mit Alltagssexismus klarkommen. Der reiche Weiße Mann muss sich nicht seiner Sexualität stellen oder sich dafür rechtfertigen. Er muss sich nicht verstecken, nicht verstellen und nicht verbiegen, er muss nicht hungern, nicht den Tod fürchten, keiner Vertreibung, keiner Unterdrückung Opfer werden, das einzige was er muss ist sich in diesem priviligierten System einzurichten und dafür zu sorgen, dass es seinen Kindern idealerweise mindests so gut geht wie ihm selbst. Und der Vergleichsmaßstab ist der: So gut wie allen anderen die nicht reiche Weiße Männer sind, geht es schlechter (und der Weiße Mann ist reich im Vergleich mit fast jeder anderen Gruppe dieser Welt, wobei die Han aufholen). Sei es weil sie in autokratischen oder diktatorischen Systemen leben, sei es weil es Frauen sind die natürlich immer auf dumme (sexistische) Sprüche mit Humor reagieren sollen obwohl sie bei gleicher Ausbildung weniger verdienen. Oder sei es eben weil sie sich äußerlich von der Mehrheitsgesellschaft unterscheiden. Es mag einen nerven wenn es Menschen gibt die auch an den kleinen Stellschrauben der Gerechtigkeit drehen wollen. Aber dieses Kreuz wird der reiche Weiße Mann wohl noch tragen können ohne das es zum Untergang des Abendlandes führen wird. Und bitte auch ohne aus dem bequemen priviligierten Sessel heraus Betroffenen zu erklären was sie hinzunehmen haben und was nicht.
 
Wie vielen dieser „reichen weissen Männer“ gibt es denn wirklich? Da wird eine Figur bemüht, die ich gar nicht so oft in meinem Alltag begegne. Das ist doch der Punkt.

Also ich bin ja nun nicht alt und eben auch noch weiß, aber ganz ehrlich, ich sehe viele weiße Männer, die sich ebenso sorgen um ihren Job oder ihre Gesundheit machen müssen wie jeder andere auch. Oder gerade in meiner Gegend viele, die sich auf den Werften oder im
Stahlwerk im wahrsten Sinne des Wortes den Rücken krumm gemacht haben, heute eine kleine Rente bekommen, während der Staat sich damit beschäftig zweihundertachunddröflzigsten Gender-, Antirassismus-, Frauen-, LGBTQIA- oder Sonstwasbeauftragten auf hoch besoldeten Posten zu schaffen.
Der ehemalige Werftarbeiter mag nicht wegen seiner Hautfarbe diskriminiert worden sein, dafür darf er sich mit seiner Asbestose auseinandersetzen. Vielleicht wurde er bei der Arbeit gemobbt weil er Segelohren hatte? Weiß kein Mensch. Aber ist eben weiß sind ein Mann und deswegen automatisch privilegiert? Das ist eben genauso eine diskriminierende falschannahme wie dass jeder Schwarze an der Sielwallkreuzung mit Drogen deale.
 
Wie vielen dieser „reichen weissen Männer“ gibt es denn wirklich?

Du, ich, die vermutlich meisten hier im Forum. "Reich" meint nicht reich im Vergleich zu den unteren 95% in Deutschland sondern reich im Vergleich zu fast dem kompletten Rest der Welt. Nicht nur materiell, ich habe es ja aufgezählt. Du kannst morgen kündigen, dich beim Amt melden und wirst nicht verhungern, nicht erfrieren, nicht verdursten, nicht auf der Straße landen, kein Vulkan wird dich töten, kein Tsunami ins Meer ziehen, keine Erdbebenspalte dich in den Abgrund ziehen. Deine Kinder können kostenlos zur Schule, zur Uni, zum Arzt oder ins Krankenhaus. Mithin, hast keine existenziellen Ängste. Da müsstest du schon dein Haus vor dem Deich eines Überflutungsgebietes bauen und gleichzeitig dein Schlafzimmer ins Souterrain legen. Du wirst niemals eine Ablehnung auf eine Bewerbung kassieren, wegen deiner Herkunft oder deines Namens (bei uns kürzlich passiert), niemand wird dir für dein ausgezeichnetes Deutsch gratulieren weil du in einer Schublade steckst in der alle mit ö und ü im Namen nicht richtig Deutsch können. Es mag dir nicht gefallen, aber du gehörst zu der priviligiertesten Gruppe auf diesem Planeten. Ich im übrigen auch, wenn auch etwas weniger priviligiert als du.

Aber ist eben weiß sind ein Mann und deswegen automatisch privilegiert?

Im Mittel ja, aus genannten Gründen.
 
Keine Ahnung, ob ich schon eine Ablehnung auf eine Bewerbung wegen meines klar erkennbaren arabischen Namens bekommen habe. Interessiert mich nicht, denn es ist deren Verlust nicht meiner. Und ich habe mich nie und werde mich nie von irgendwelchen Menschen mit einem krankhaften Helferkomplex in eine Opferrolle drängen lassen.

Dass wir alle aufgrund der Tatsache in Deutschland geboren zu sein, alleine schon in gewisser Weise privilegiert sind, habe ich oben schon geschrieben, weswegen ich von dem Begriff in solchen Diskussionen wenig halte.

Aber um es mal an einem Beispiel festzumachen, wo eben der vermeintliche Gerechtigkeitsgewinn zu neuen Ungerechtigkeiten führt:

Weil in früheren Jahren zu wenig Frauen in den Justizdienst eingestellt wurden, gibt es heute eine Frauenquote. Gut für die heutigen Bewerberinnen ungerecht für die heutigen Bewerber. Was kann den ein heute 25jähriger Mann dafür, dass der Staat vor 30 Jahren Frauen bei der Einstellung in den Justizdienst benachteiligt hat? Nichts! Und dennoch wird er staatlicherseits und von Bundesverfassungsgericht abgesegnet aufgrund seines Geschlechtes diskriminiert. Mittlerweile schlagen ja schon Landejustizminister Alarm, weil denen die RichtER fehlen.

Deswegen nochmal lasst die Menschen leben. Mischt euch nicht in die Dinge anderer Leute ein. Bis zu einem gewissen Grad ist das in Ordnung, aber wir werden langsam gerade durch Massenshitstorms und staatliche Eingriffe in unserer Freiheit doch arg beschränkt.
 
Und dennoch wird er staatlicherseits und von Bundesverfassungsgericht abgesegnet aufgrund seines Geschlechtes diskriminiert.

Falsch. Die Frauen werden nur nicht mehr NICHT diskriminiert. Ich bin grundsätzlich eigentlich gegen Quoten. Aber wenn es halt nicht anders geht, na dann eben so.

Mittlerweile schlagen ja schon Landejustizminister Alarm, weil denen die RichtER fehlen.

Wie kann das sein, haben sich die Typen in der Juristerei etwa darauf verlassen sowieso einen Job zu bekommen und nun laufen ihnen Frauen reihenweise den Rang ab? ;) Als es bei uns um die Abteilungsleitung ging gab es zwei KandidatInnen, Männlein und Weiblein. Weiblein hat gewonnen und ist jetzt meine Cheffin. Männlein hat sich beklagt wegen einer Quote den Kürzeren gezogen zu haben und war beleidigt. Ich habe verzichtet darauf hinzuweisen, dass Weiblein über die weitaus bessere Qualifikation verfügt. Dass sich nebenher die Frauenquote verbessert hat war ein Zugewinn, aber kein Kriterium (wäre es sicherlich bei gleicher Qualifikation geworden aber war ja nicht nötig).

Und ich habe mich nie und werde mich nie von irgendwelchen Menschen mit einem krankhaften Helferkomplex in eine Opferrolle drängen lassen.

Es geht ja nicht um Helferkomplexe, hier für die Diskussion also Gender. Sondern darum welche Gruppe was zu akzeptieren und hinzunehmen hat. Der Klassiker: "Wo kommst du her? Berlin (zb). Nein ich meine wo kommst wirklich her?" Das ist oft gar nicht bös' gemeint, transportiert aber: "Von hier kommst du ja nunmal nicht". Das habe ich früher oft geschluckt, würde mir heute nicht mehr passieren.

aber wir werden langsam gerade durch Massenshitstorms und staatliche Eingriffe in unserer Freiheit doch arg beschränkt.

Beispiel? Also Massenshitstorms sind mir schon klar, davon gibt es aus allen Richtungen genügend. Aber staatliche Eingriffe in unsere Freiheit? Wollen wir noch mal über den reichen Weißen Mann reden ;)
 
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