Gesamtsituation der Mannschaft

Werder Bremen sichert sich am 33. Spieltag den Klassenerhalt. Nicht aus eigener Stärke, sondern weil drei Konkurrenten im Abstiegskampf noch planloser durch diese Bundesliga-Saison taumeln. Das allein beschreibt bereits die grün-weißen Darbietungen in dieser Spielzeit.

Nach den personellen Umbrüchen im Sommer und dem Trainerwechsel war klar, dass diese Saison keine Spazierfahrt werden würde. Der Verlust von Führungsspielern, ein unausgewogener Kader und die erneute Suche nach einer sportlichen Identität ließen wenig Raum für Illusionen. Doch was daraus entstand, sprengt selbst die düstersten Erwartungen.

Denn diese Saison ist nicht einfach enttäuschend – sie ist ein Offenbarungseid.

Selbst mit einem Sieg am letzten Spieltag gegen Borussia Dortmund käme Werder lediglich auf 35 Punkte. Ein Wert, der sich nahtlos in die schwärzesten Kapitel der Bundesliga-Geschichte des Vereins einreiht. Für einen Klub, der einst für eine sportlich klären Identität mit mutigen Offensivfußball mit solider Defensive stand. Und sich vor allem durch eine vorbildliche Nachwuchsfördering sowie kluge, weitsüchtige Transfers auszeichnete.

Die Gegenwart ist kein gewöhnlicher sportlicher und wirtschaftlicher Rückschritt mehr. Es ist der dokumentierte Absturz eines Vereins, der seit Jahren dieselben Fehler wiederholt – und daraus offensichtlich nichts lernt.

Dieser Verfall ist besonders an den Heimspielen ablesbar. Bereits mit dem 1:3 gegen Augsburg stand das fest, was sich bereits im gesamten Saisonverlauf abzeichnete: Zum fünften Mal in den letzten sechs Bundesliga-Spielzeiten weist Werder eine negative Heimbilanz auf; eine erschütternde Entwicklung für einen Verein, dessen Heimstärke einst gefürchtet war.

Dies ist auch eine Folge der Entwicklungen auf dem Platz. Oder vielmehr: die Folge eines völligen Ausbleibens jeglicher nachhaltigen sportlicher Entwicklungen. Und damit auch einhergehend einer immer größer werdenden wirtschaftlichen Schieflage:

Keine stabile Achse. Keine klare Spielidee. Geschweige denn eine erkennbare und zielführende Handschrift bei der Kaderzusammenstellung. Stattdessen viele peronelle Fehlgriffe, Auftritte voller Passivität einer Mannschaft, die mental beinahe regelmäßig kollabiert, sobald Widerstand entsteht. Besonders eklatant dabei ist die Häufung absurder Fehler in entscheidenden Situationen. Fehler passieren im Fußball immer. Doch bei Werder wirken sie inzwischen systemisch. Vor allem deshalb, weil sie zu häufig von den erfahrenen Kräften produziert werden, die eigentlich Stabilität geben sollen.

Wie bei anderen Vereinen kommen und gehen auch bei Werder Spieler. Manchmal wird auch der Trainer ausgetauscht – meist dann, wenn Erwartungen verfehlt wurden oder die Verantwortlichen Fähigkeiten in ihm erkannt haben wollten, die sich später als Wunschdenken entpuppten. Doch trotz all dieser personellen Wechsel – inklusive dem im Büro des sportlichen Geschäftsführers - bleiben die Probleme dieselben. Seit Jahren.

Und was machen die Verantwortlichen? Sie reden sie den Kader stärker, als er tatsächlich ist. Sie verkaufen Mittelmaß als Entwicklung. Sie verkaufen - weil signifikante, nachhaltige Transfererlöse ausbleiben - die Neuemission einer Anleihe zur Sicherung der Liqudität als wirtschaftlichen Erfolg. Und sie verkaufen Durchhalteparolen als Perspektive. Bzw. beklagen den Standortnachteil statt diesen als Ansporn zu sehen – so wie einst Rehhagel / Lemke bzw. später Schaaf / Allofs. Oder in jüngeren Jahren Augsburg, Mainz und vor allem Freiburg.

Das größte Problem bei Werder ist längst nicht mehr der Tabellenplatz. Sondern - und das nicht erst seit dieser Saison, sondern seit (mindestens) einem Jahrzehnt - die gefährliche, strukturelle Selbstzufriedenheit eines Vereins, der sich Jahr für Jahr einredet, besser zu sein, als er tatsächlich ist. Und immer erst dann reagiert, wenn der nächste Absturz bereits längst begonnen hat. Und dabei stets in den Aktionismus zu verfallen, trotz der branchenüblichen Lippenbekentnisse, den Trainer zu feuern statt die eigenen, festgefahrenen Strukturen zu entkrusten.
 
Nach den personellen Umbrüchen im Sommer und dem Trainerwechsel war klar, dass diese Saison keine Spazierfahrt werden würde.
Das war kein Umbruch, sondern ein Abbruch.

Wenn das Umbruch gewesen sein soll (der wievielte eigentlich im letzten Jahrzehnt), dann war der völlig ungeplant und unkoordiniert. Ne, sowas müsste anders laufen und vor allem gewollt sein. Da sind wir meilenweit von entfernt.
 
Nicht aus eigener Stärke, sondern weil drei Konkurrenten im Abstiegskampf noch planloser durch diese Bundesliga-Saison taumeln.
Naja, schon eigene "Stärke". Man war stärker als drei andere Teams. Und das auch verdient stärker. Was Wolfsburg, Pauli und Heidenheim gespielt haben, war noch viel katastrophaler als unsere Saison. Ist halt Blödsinn zu sagen, wir hätten es nicht aus eigener Kraft geschafft. Haben wir doch. Über 33 Spieltage hinweg.

Am Ende aber auch völlig egal. Klassenerhalt ist geschafft und wir werden sehen was man aus dieser Saison lernt oder nicht.
 
Auch da könnte jetzt Bewegung reinkommen.
fritzpot.jpg
 
Moin,
endlich ist der Klassenerhalt nach dieser Seuchensaison gesichert, JETZT ist es an der ZEIT zu analysieren und "klare Entscheidungen" im sportlichen Bereich zu fällen.

Im Daniel Thioune Fred habe ich eben eine klare Meinung geschrieben, was den Trainer betrifft.

Was Fritzmeyer und Hupe betrifft, müssen andere entscheiden und da lasse ich mich auch nicht von aktuell frühen Transfers wie Quetant, eventuell Chuki und eventuell Bilbija blenden.

JETZT muss umgehend knallhart analysiert werden und nach all den Jahren, klar alles sportlich aufgezeigt werden, was hier abgelaufen ist an unfassbar schechten Entscheidungen und Vorgehensweisen im sportlichen Bereich und was zu diesem unglaublichen Chaos in dieser Saison geführt hat.

...alleine die Arbeite Schicker bei Hoffenheim und Fritz im Vergleich von der Entscheidung im letzten Jahr nicht Schicker hier zu installieren, sollte ALLEN Beteiligten die Augen öffnen...
...aber wie JEDES Jahr, habe ich auch dieses Jahr keine große Erwartungshaltung, somit kann ich auch nicht enttäuscht werden. Punkt.

Schönen Urlaub!
 
Zuletzt bearbeitet:
wir werden sehen was man aus dieser Saison lernt oder nicht.
Ich lerne für mich (mal wieder), dass ich mich von Jahr zu Jahr immer mehr von Werder entferne. Ich wünschte, es wäre nicht so. Mir ist schleierhaft, wie man neue Fans gewinnen will. Die, die noch bessere Zeiten erlebt haben werden auch nicht jünger. Damit meine ich noch nicht mal Titel.
 
Puuhhh ... Endlich gesichert.

Eine Entscheidung am letzten Spieltag bleibt uns (und meinen Nerven) zum Glück erspart.
Aber spannend wäre es gewesen, und anstatt TV lieber das Radio einschalten, da geht es emotionaler zu.
Konferenzschaltung zwischen den Plätzen, da kann ich mich gut erinnern, ging in allen Gärten der Nachbarschaft.
Aber so ist's auch nicht schlecht. : ))
 
Ich lerne für mich (mal wieder), dass ich mich von Jahr zu Jahr immer mehr von Werder entferne. Ich wünschte, es wäre nicht so. Mir ist schleierhaft, wie man neue Fans gewinnen will. Die, die noch bessere Zeiten erlebt haben werden auch nicht jünger. Damit meine ich noch nicht mal Titel.
Das ist normal, geht mit genau so. Ich freue mich über Siege und nehme Niederlagen in der Regel einfach zur Kenntnis
 
Naja, schon eigene "Stärke". Man war stärker als drei andere Teams. Und das auch verdient stärker. Was Wolfsburg, Pauli und Heidenheim gespielt haben, war noch viel katastrophaler als unsere Saison. Ist halt Blödsinn zu sagen, wir hätten es nicht aus eigener Kraft geschafft. Haben wir doch. Über 33 Spieltage hinweg.
Klar, eine ganz besondere Form von "Stärke": über 33 Spieltage im Schnitt noch nicht einmal eine Punkt pro Spiel holen und trotzdem drei Mannschaften finden, die es noch spektakulärer vergeigen. Das ist keine souveräne Eigenleistung, sondern ein kollektives Wettscheitern, bei dem man lediglich ein bisschen weniger tief im Abstiegssumpf steckt(e) als die unmittelbare Konkurrenz.
 
Klar, eine ganz besondere Form von "Stärke": über 33 Spieltage im Schnitt noch nicht einmal eine Punkt pro Spiel holen und trotzdem drei Mannschaften finden, die es noch spektakulärer vergeigen. Das ist keine souveräne Eigenleistung, sondern ein kollektives Wettscheitern, bei dem man lediglich ein bisschen weniger tief im Abstiegssumpf steckt(e) als die unmittelbare Konkurrenz.

Das richtig, bei 32 Punkte den Klassenerhalt zu schaffen ist wie in der Schule mit einer 5 Versetzt zu werden. Heißt irgendwie geschafft Augenzu und durch.

Mit DT wurde kaum was besser. Wir sind kaum Torgefährlicher geworden.

Hinten Kassieren wir noch immer Tore durch Individuelle Fehler, wie beim Tor gestern.

(Fehlpass nach hinten, der dann zur schnell ausgeführten Ecke wurde)

Solche Spielzüge, die denn Gegner einladen unbedingt ein Tor zu schießen, sollten wir nächste Saison lieber lassen. Ohne den hat der Gegner es schwer sich Torchancen sich zu erarbeiten.

Doch eines ist Richtig, wir mussten um kein Punkt zittern. Jeder Punkt von den Jämerlichen 32 Punkte ist verdient.

Nur Souverän ist anders. Wir können froh sein, das wir mit 32 Punkten drin bleiben.

Dennoch hatte ich das Gefühl, die Mannschaft wollte nicht mehr als irgendwie den Klassenerhalt schaffen und das war es dann. Viele Spiele waren dabei, wo die Offensive immer wieder gute Möglichkeiten vor dem Abschluss verspielt hat und es wurde nicht nachgesetzt. So kenne ich Werder nicht. Sonst hat man immer versucht sich den Ball sich wieder zu holen. Doch da war dieses mal nichts.
 
Die Analyse der Saison ist schnell erzählt in Bremen:
3 Vereine waren schwächer, Klassenziel mit Verbleib erreicht. Die handelnden Personen haben im Rahmen ihrer Möglichkeiten das bestmögliche Ergebnis erzielt. Der Gesamtverein ist insgesamt zufrieden.
gezeichnet HHG, ARV
CF hat 7 Leihspieler geholt, von denen wohl Keiner bleiben wird. Einige werden noch gehen wie LB, MW und den Verkaufskandidaten. CF hat kein Geld und holt jetzt ablösefreie Spieler, was ich richtig finde. Am Ende der TP werden hier mindestens 5-6 Leihspieler aufschlagen müssen. CF muss ca 10-12 Spieler ohne Geld holen. DT macht weiter, weil er den Klassenerhalt hinbekommen hat. Nächste Saison werden wir das Gleiche spielerisch wie aktuell fortgesetzt bekommen. Mehr wird nicht passieren und zwar im wesentlichen mit dem gleichen Personal auf den Entscheidungsebenen. Wir segeln im Windschatten der 2.Liga die nächsten Jahre, das ist das Motto. Man kann nur hoffen, dass sie kapieren, dass sie mit diesem Personal und dem Kader sich nur noch im letzten Drittel der Tabelle bewegen werden. Das wäre zumindest mal ein Fortschritt, sich seiner eigenen Begrenzung einzugestehen und nicht Pläne wie Europa auch nur in Betracht zu ziehen.
 
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