Dein ganzer Beitrag erhält von mir vollste Zustimmung.
Zum Punkt Ehrgeiz möchte ich etwas schreiben.
Wie dir schon selbst aufgefallen ist, haben wir seit Jahren das Problem, dass man nach 1-2 Spielen glaubt wieder oben dabei zu sein und prompt fällt man 2-3 Schritte zurück und wurschtelt sich dann irgendwie durch die Saison.
Auch eine Fülle neuer Spieler ändert nichts an diesem Einstellungsproblem und Fritz hat dieses Mentalitätsproblem ja öffentlich bestätigt. Dementsprechend müssen wir darüber jetzt nicht mehr mutmaßen, sondern es ist mit Fakten aus einem Interview belegt.
Ich versuche das mal auf meinen Arbeitsalltag bzw. für einen Otto-normal-Angestellten zu veranschaulichen.
Ich bin seit 4 Jahren Einkäufer in einem mittelständischen Unternehmen. Der Job macht mir Spaß und ich liebe es zu verhandeln, Alternativen zu suchen und in Diskussion mit den Lieferanten zu treten. Mein direkter Chef fährt aber eine so undurchsichtige Strategie und hat scheinbar ein paar geheime Absprachen mit langjährigen Lieferanten, so dass diese sich alles erlauben dürfen. Bei einfachsten Stahlkonstruktionen werden z.B. dem langjährigen Lieferanten höhere Einkaufspreise erlaubt, während bei Schlüsselkomponenten die technisch anspruchsvoll sind jeder Cent zweimal umgedreht wird. Zudem muss ich mich dazu erklären, warum ich einen anderen Lieferanten einsetze, obwohl dieser zuverlässiger, qualitativ besser und deutlich günstiger liefert.
Lange Rede kurzer Sinn: Dies schürt Unzufriedenheit.
Hinzu kommt eine richtig schlechte Kommunikation mit seinen Mitarbeitern. Z.b. verstärkt uns ab Mittwoch 02.11 ein neuer Mitarbeiter im Einkauf. Offiziell weiß davon aber noch niemand etwas. Ich weiß es nur, weil es ein Schwager von einem anderen Mitarbeiter der bei uns arbeitet ist.
Das in Kürze zu beschreiben ist kaum möglich und auch nicht unbedingt notwendig. Die Kernaussage ist, dass ehrgeizige Mitarbeiter ausgebremst werden.
Ich habe meine Konsequenzen daraus gezogen und gekündigt. Deshalb kommt ja jetzt auch ein neuer Mitarbeiter. Von meinen zwei Kollegen weiß ich, dass die einfach nur demotiviert und unzufrieden sind, aber sich nicht trauen woanders zu bewerben. Es gibt zahlreiche Studien die belegen, dass jeder 5. Mitarbeiter innerlich gekündigt hat.
Wieso sollte das nicht auch einen Fußballverein zutreffen?
Z.B. Junu. Der ist nur noch hier weil er nichts anderes gefunden hat. Innerlich hat er aber schon gekündigt. Seine Leistungen sind jetzt nicht so überzeugend, dass er sich unverzichtbar macht. Er schwimmt maximal mit dem Strom.
Oder mangelhafte Kommunikation habe ich hier in den letzten Monaten auch zu Hauf erleben dürfen.
Ehrgeiz wird bei mir im Job negativ belohnt.
Wie es bei Werder ist weiß ich nicht, aber es scheint niemanden sonderlich zu interessieren ob man jetzt gute Leistung oder schlechte abliefert. Schlechte wird meist schön geredet und sobald die Energiesparlampe im Tunnel angeht meint man hier, dass man die hellste Leuchte ist und kann Bundesligakonkurrenten wie Freiburg unterschätzen.
Das Problem ist nicht mehr durch einen Trainerwechsel zu beheben.
Dieses Mentalitätsproblem gab es schon unter VS. Hat man gegen Lotte eindrucksvoll gesehen. Oftmals sind wir an 3. Ligisten oder tiefer spielend gescheitert in der jüngeren Vergangenheit. Wenn das mal passieren würde, dann ist es halt so. Aber bei uns ist das ja schon an Regelmäßigkeit nicht mehr zu überbieten. Daran lässt sich der rote Faden des Mentalitätsproblems auch etwas erkennen.
Und jetzt nach einer kurzen Euphorie, die ja nun wirklich nicht lange währte und weiß Gott nicht übertrieben erfolgreich war, drückt man sich selbst wieder einen solchen negativen Stempel rein.
Keine Ahnung wo man ansetzen muss, aber es ist erschreckend, dass man dieses Problem nicht in den Griff bekommt.