Ich finde es schon merkwürdig, wie hier Leute niedergemacht werden, die es wagen, sich für Schaaf auszusprechen.
Dabei sollten einige mal über den Tellerrand von Bremen und vom Forum hinausblicken und feststellen, dass außerhalb und in allen neutralen Medien ziemliches Unverständnis für die Ablösung von Schaaf und vor allem über die Art und Weise gezeigt wird. Vor allem die Fans vor Ort, die nicht nur wie wir alles vom grünen Tisch aus kritisieren, sehen das wohl ähnlich. Während ich wie ganz vereinzelt andere anerkennen, dass man durchaus anderer als der eigenen Meinung sein kann, wird hier im Forum sehr oft herausgestellt, wer nicht die rigorose Ablehnung von Schaaf wollte, habe einfach keine Meinung und außerdem keine Gründe, obwohl diese mittlerweile x-mal dargelegt wurden.
Zur Sache:
Werder hatte in den Jahren 04 bis 08/9 eine überragende Mannschaft, von der sie dann u.a. Klose, Diego, Özil ziehen lassen musste. Anschließend spielte Werder 2-3 Jahre im unteren Mittelfeld. Von dieser Mannschaft verließen dann ohne wesentlichen Ersatz u.a. Frings, Mertesacker, Wesley, Almeida, Wiese, Pizarro, Marin, Rosenberg, Naldo die Mannschaft. Es ist völlig unverständlich, wie dann jemand auf die Idee kommen könnte, dass Werder nunmehr nicht gegen den Abstieg spielen würde.
Mit der Truppe dieser Saison war einfach nicht mehr drin, da hätte man auch den angeblich gottgleichen Guardiola holen können.
Aus meiner Sicht liegt die Misere nicht primär an Schaaf, sondern an den finanziellen Zwängen verbunden mit personellen Schwachstellen in ganz anderen Bereichen – wie wir es uns sowieso angewöhnt haben, vor allem alles Negative an Einzelpersonen als Buhmann festzumachen. Wenn Schaaf nur annähernd so schlecht ist, wie er hier gemacht wird, wird er so schnell keinen guten neuen Job bekommen, was ich bezweifle.
Und bei sehr strengem Maßstab haben aus dem letztjährigen Kader nur 2 Spieler Bundesliga-Format: de Bruyne (leider hier im Forum lange Zeit zu Unrecht schlecht gemacht) und Sokratis, und gerade die lässt Werder jetzt ziehen bzw. muss es tun. Hinzu kommt Arnautovic, der das Potential hat, es aber fast nie abruft (in den letzten Jahren leider nur zweimal).
Ich persönlich hätte Schaaf gehalten, der gezeigt hat, dass er bei halbwegs akzeptablen Bedingungen und Umfeld ein guter Trainer ist.
Stattdessen hätte/würde ich
- den AR-Vorsitzenden austauschen (er liegt sachlich meist falsch und schadet dem Image des Vereins. Schon die Ablösung von Born war grundlos und falsch, die Trennung von Allofs dürfte mit auf Differenzen zu Lemke begründet sein, die finanziellen Konsequenzen waren übertrieben, diesen unwürdigen Abgang von Schaaf hätte er verhindern müssen). Das Sprichwort, dass der Fisch vom Kopf her stinkt, bewahrheitet sich hier deutlich
- einige der sonstigen Mitglieder des AR austauschen (zumindest hört man wenig Sinnvolles von ihnen)
- den Vorstand überprüfen: Eichin scheint ja fähig zu sein, geht aber wohl einkalt über Leichen (wir müssen uns im Klaren sein: das führt zu einem neuen Image von Werder.
Filbry: kann ich nicht beurteilen
Fischer: hat sich aus meiner Sicht mehr als Schaaf überholt. Seine Äußerungen der letzten Tage sind wirr und widersprüchlich
- die Assistenz-Trainer austauschen: An ihnen ist nichts Positives zu erkennen
- die Amateur- und Jugend-Trainer austauschen: auch von dort kommt wenig Positives herüber. Bezeichnenderweise ist nie irgendeiner von ihnen im Gespräch, wenn es um die Schaaf-Nachfolge geht
- 2/3 der Mannschaft austauschen: Sie sind einfach nicht bundesliga-reif
- die Scouting-Abteilung austauschen: Von dort ist seit langem nichts Positives gekommen
- die Leitung des Nachwuchs-Zentrums austauschen (Harttgen ist ja glücklicherweise schon gegangen). Von dort hört man seit langem nichts Positives
- die medizinische Abteilung austauschen: In den letzten Jahren hat man viel Negatives darüber gehört.
Das kann man natürlich nicht alles auf einmal machen. Aber die Richtung ist vorgegeben.
Insgesamt müssen wir uns im Klaren sein, dass sehr schwere Zeiten auf Werder zukommen werden. Vielleicht sind wir demnächst froh, wenn wie diesmal die Abstiegsgefahr schon ein Spieltag vor Schluss gebannt ist. Und was allgemein unterschätzt wird: Man bedenke, wie viele Tore und Punkte bis zur vorhergehenden Saison allein auf das Konto von Pizarro, in dieser Saison von de Bruyne gehen!
Es wird schwer sein, wirklich gute Spieler verpflichten zu können: Die finanziellen Zwänge und Möglichkeiten sind nicht besser geworden, Werder hat keinen Trainer mehr, der allein durch seine Qualität Spieler anzieht. Und die Konkurrenz ist gegenüber früher nicht gleichgeblieben, sondern hat sich fast durchgängig deutlich verstärkt..
Ganz nebenbei: Was derzeit fehlt, sind Persönlichkeiten im Verein, mit denen man sich identifizieren kann. Ich habe zudem den Eindruck, Werders Image ist in letzter Zeit deutlich gesunken.
Euagoras