Die Retourkutsche läge zwar nahe, aber dennoch verkneife ich mir zu..........
... also ich finde es gut, dass dann doch die Retourkutsche kam. Andere Meinung, aber wenigstens Niveau und eine Begründung in freundlichem Schreibstil, das finde ich gut und Dein Beitrag war schön zu lesen. :daumen:
Mit Verlaub, aber deine Logik scheint hier recht wahllos unterwegs zu sein. Armselig wird korrekterweise mit nur einem e geschrieben, weil es mit der Seele nichts zu tun hat, sondern sich vom althochdeutschen Begriff "saelig" herleitet, der so viel wie gut, glücklich, segensreich bedeutete.
Du kanntest das :eek:

:applaus:
Hey, klasse, ein Germanist !
Aber dann kennst Du auch sicher den Streit darüber, ob nun wirklich "saelig" gemeint war oder die Seele.
Interessant auch die dritte Meinung zu dem wissenschaftlichen Streit, die nämlich zwei verschiedene Bedeutungen im Gebrauch des Wortes "armselig" bzw. "armseelig" erkennt und daher folgerichtig die unterschiedlichen Bedeutungen durch unterschiedliche Schreibweisen manifest machen will. Das ist aber nur eine kleine abgespaltene Randgruppe, sozusagen die judäische Volksfront.......
Bei "aufwändig" hast du dich für die - inzwischen glücklicherweise nicht mehr empfohlene - Neufassung des Wortes ........
... und hier kommen wir zum spannenden Kern der Sache nämlich der eigenen Meinung und dem Sprachgefühl, das bei jedem kompetenten Sprecher einer Sprache anders sein kann.
Damit sind wir auch beim Kern meiner Meinung, dass die Lebendigkeit der Sprache nicht dadurch abgewürgt werden sollte, dass man zentralistisch von oben eine bestimmte Sicht der Dinge und eine bestimmte Schreibweise befiehlt. Und wie ich auch angedeutet habe, ist so ein "Befehlen" auch immer ein Beweis für die dahinter stehende Geisteshaltung - in dem Fall die Geisteshaltung, anderen den Weg zum Glück oder eben das "was gefühlsmäßig richtig" ist, zu befehlen.
Oder anders und kurz gesagt: "Der Duden" sollte ein unverbindlicher Anhalts- oder Orientierungspunkt sein, kein Zwang und kein "Gesetz". Seine normative Kraft sollte aus der Einsichtigkeit der Begründungen und der traditionellen Entwicklung kommen; nicht vom sich verselbständigen Zwang einer vermeintlichen Elite, die sehr subtil dem "dummen Volk" befiehlt, wie es zu fühlen und zu sprechen bzw. zu schreiben hat. Solche Dinge scheinen oberflächlich lächerlich, tatsächlich sind sie ein gefährlich wirksames Mittel der Manipulierung der Massen.
In der Zeit, in der Duden begann, ging die "befehlende Vereinheitlichung" der geschriebenen Sprache einher mit der Verdrängung von geschriebenen anderen Sprachen/Dialekten und anderen zentralistischen Bestrebungen im Kaiserreich. In diese Zeit fiel auch die "Verpönung" des Niederdeutschen ("use platt") als Schriftsprache. Über das, was nach dem Kaiserreich die Nazis alles an Üblem mit unserer Sprache angestellt haben, muss hier kein Wort verloren werden.
Bedenklich finde ich die aktuellen Entwicklungen, erneut dem geschriebenen Deutschen einen zentral befohlenen "Newspeak" zu verordnen. Denn dies passt generell zu der gesellschaftlichen Entwicklung weg vom demokratischen Rechtsstaat hin zur Diktatur.
Und damit ist das,was mit unserer Sprache passiert, ein guter Indikator und wohl auch ein Spiegelbild für die sehr bedenkliche gesellschaftliche Entwicklung. Sprache ist vieles, aber nie belanglos. Schon Orwell wusste das.
Die mittlerweile wieder anerkannte Form leitet sich aber her vom Verb aufwenden und wird folglich mit e statt ä geschrieben.
Damit hast Du mir den Tag versüßt, denn dies ist eine wunderschöne Tautologie. Und ich liebe die Tautologien der Anderen, schon von Berufs wegen. :applaus: :daumen:
Mir ist bis heute nicht einsichtig, was dieses Verb mit dem (sorbischen ?) Volksstamm der Wenden zu tun haben sollte, oder das man etwas "wendet", also umdreht, wobei alleine schon die Verbindung der drehenden Bewegungsbeschreibung mit der Vorsilbe
"auf" irgendwie unrund wirkt. Der allgemeine Sprachgebrauch ordnet dem Verb aufwänden substantivisch das zu, was man dabei hat: Aufwand.
Die zwischenzeitliche sprachliche Abschleifung, ein "e" anstelle des "ä" zu verwenden (hier geht es um die Drehung, die Wendung, also "e"

) ist eine vielfach in lebenden Sprachen zu beobachtende Entwicklung, etwa wie beim Wort "kriminologisch", das eigentlich "krimenologisch" heissen müsste, weil es sich von "crimen" ableitet.
Letztlich steht hinter allem also das Gefühl des kompetenten Sprechers für die lebende Sprache und wenn man vielen Beispielen auf den Grund geht, wird man bei den meisten Sprechern, die keinen Korken im Ups, ich muss meine Wortwahl ändern

haben Selbstwidersprüche finden - die sich dann eben auch in horrendem Umfang bei den manchmal guten, manchmal selten dämlichen neuen Regeln finden. Das macht das Thema Abend füllend oder eben auch abendfüllend.
Und ansonsten: Wieder mal ein richtig niveauvoller Beitrag von Dir, wenn auch leider ebenso off topic wie meine.
Liebe Grüße

Und natürlich pardon an alle fürs OT.
Unsere Mannschaft ist sowieso so dermaßen tief in der SCHEIS*E, da scheint es gar nicht mal so verkehrt, zu dem eigentlichen Thema hier zu schweigen.
