Grundsätzlich richtig. Aber es gab mal eine Mannschaft, die verlor in einem Sommer fast ihre gesamte zentrale Achse: der Keeper, der bis heute die meisten Bundesligaspiele für den Club bestritt, rückte ebenso in die 2. Reihe wie der auf den Positionen DM/ZM spielende langjährige Kapitän; der Abwehrchef, der zu den besten Verteidigern seiner Generation gehörte, zog es im Herbst seiner Karriere zurück in sein Heimatland und last but not least erlag der Mittelstürmer der deutschen Nationalmannschaft den finanziellen Verlockungen der Liga, die in den darauf folgenden 24 Europapokalendspielen 11 Sieger und 9 unterlegende Finalsten stellte. Dieser Aderlass sorgte dafür, daß ein deutsches Wochenmagazin (welches sich Jahre zuvor auch die gefälschten Hitler-Tagebücher als authentisch andrehen ließ) mit einem Foto der auf einem Segelschiff aufgestellten, in Marineuniformen gekleidete Mannschaft einen reißerischen Artikel mit der Überschrift "Antreten zu Abtakeln" veröffentlichte. Der Rest der Geschichte ist bekannt: diese Mannschaft verlor in der Hinrunde nur ein einziges Punktspiel, bis zur vorzeitigen Sicherung der Meisterschaft am 31. Spieltag nur ein zweites und scheiterte nebenbei um DFB- und UEFA-Pokal erst im Halbfinale.
Sicher, das Ganze ist mittlerweile 32 Jahre her, und es wäre vermessen zu hoffen oder gar zu erwarten, daß Werder Bremen 2019/20 ein ähnliches Husarenstück gelingt wie 1987/88, auch weil die finanzielle Schere in der Zeit immer weiter auseinander gegangen ist. Dennoch sind Parallelen offensichtlich: ähnlich wie zuletzt auf Max Kruse war seinerzeit das Offensivspiel auf Rudi Völler ausgerichtet, so daß die Verantwortung für das Toreschießen erfolgreich auf mehrere Schultern verteilt wurde. Das zeigt, daß mit (sehr) guter Arbeit solch elementare Verluste durchaus kompensiert werden können.
In einem anderen Punkt teile ich Deine Zweifel hinsichtlich der funktionierenden Automatismen: Denn im Jahr 1987 wurde die Einsicht von Otto Rehhagel, daß mit Hurra-Fußball allein kein Blumenpott zu gewinnen ist, offensichtlich. So holte er schon zu Beginn des Kalenderjahres mit Rune Bratseth den designierten Libero-Nachfolger von Bruno Pezzey und verstärkte im Sommer die Defensive nicht nur taktisch, sondern auch personell mit der Verpflichtung des eisenharten Manndeckers Uli Borowka, der nicht nur als Staubsauger vor der Abwehr fast alles weggrätschte sondern ähnlich wie ein heutiger 6er moderner Prägung auch spieleröffnende Pässe schlagen konnte. Einen solch positiven Eindruck hinterlässt Werders Defensive 2019 nicht, denn Stand heute sieht es so aus, daß in der Defensive weiterhin nach dem Prinzip Hoffnung agiert wird: die Hoffnung, in der Rekonvaleszenz von Bargi die Defenisvschwächen von Sahin nicht all zu häufig zu Gegentoren führen, daß nach Bargis Rückkehr dieser nicht mehr langfristig ausfällt (was aufgrund seiner Verletztenakte ein weiteres Wunder von der Weser wäre) sowie die Hoffnung, daß unsere IV ein höheres Lauftempo für sich entdecken, was besonders in aufgerückter Position von elementarerer Bedeutung ist. Das dürfte für (etwaige) Europa-Ambitionen sehr wahrscheinlich zu wenig sein.
und genau HIER liegt mMn der große Denkfehler bei unseren Verantwortlichen! es ist eben NICHT ok die fehlende Klasse (welcher Art auch immer) eines DM durch einen zweiten, absichernden kompensieren zu wollen! WARUM? Ganz einfach: Weil wir nur 11 Mann aufstellen können, uns dies einen Mann im Angriff nimmt und wir deshalb MASSIV an Offensivkraft einbüßen. Wie wir alle gelernt haben ist Angriff die beste Verteidigung. Und Mangelnder Angriff lässt den Gegner irgendwann höher stehen. Somit wird der Druck auf unsere eh nicht sooo rosige Defensive noch höher! Ein Teufelskreis der sich nur durchbrechen lässt wenn man ENDLICH mal tätig wird und EINEN starken Mann fürs Zentrum holt der den dortigen Raum (dann auch natürlich teilweise mit Hilfe der 8er) defensiv wie Offensiv abdecken kann!
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